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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1  
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
   
 

Andrej Tarkowski

 

19.-31. Januar 2018

  Programm                ANDREJ TARKOWSKI              ALLE FILME
   
  FR 19.1.2018
19:30 Andrej Tarkowski: Eröffnung der Retrospektive mit Olga Surkowa (Amsterdam), Filmwissenschaftlerin und Koautorin Tarkowskis. Aus ihrer engen Zusammenarbeit entstand das Buch „Die versiegelte Zeit“. Moderation: Mario Bandi       (SPRACHE: Russisch-Deutsch)
Eintritt 5,- Euro  =>  GESPRÄCH OLGA SURKOWA   TICKETS-ONLINE
Eintritt 12,- Euro =>  GESPRÄCH OLGA SURKOWA  + Stalker OmU (21:00)  TICKETS-ONLINE
 
  Wir zeigen alle 7 Filme Tarkowskis in der am 19.1. beginnenden Retrospektive.   Kurator Mario Bandi. Keine Reservierungen möglich!

Bitte die Sprach-Fassung kontrollieren. Manche Filme zeigen wir in DF und OmU! Andere NUR OmeU

1962: Iwans Kindheit [Iwanowo detstwo]  19.1. 17:30 DF; 22.1. 17:30 OmU, 24.1. 17:30 OmU , 29.1. 21:45 DF

1966: Andrej Rubljow  19.1. 21:45 DF, 21.1. 19:45 OmU, 25.1. 22:00 DF, 28.1. 19:45 OmU

1972: Solaris  20.1. 22:30 OmU; 22. 1. 21:45 DF, 24.1. 21:45 OmU; 26.1. 21:45 OmU, 27.1. 13:15 DF, 29.1. 21:45OmU

1975: Der Spiegel [Serkalo] 20.1. 19:15 OmU; 23.1. 17:15 DF, 24.1. 19:30 OmU, 26.1. 17:45 DF, 30.1. 20:00 OmU

1979: Stalker              19.1. 21:00 OmU , 20.1. 19:30 DF , 21.1. 18:00 OmU, 23.1. 19:30 DF, 25.1. 22:00 OmU
1983: Nostalghia         20.1. 21:30 OmeU; 22.1. 19:30 OmeU, 31.1. 20:00 OmeU
1986: Opfer [Offret]   20.1. 21:45 OmeU, 23.1. 17:15 OmeU, 27.1. 20:00 OmeU

   
 

Andrej Tarkowski

  Vor unserem Blick entstehen und verschwinden langsam Bilder, Waffen, Münzen, wohlmöglich Überreste unserer versunkenen Zivilisation. Ein abgerissenes Kalenderblatt bewegt sich kaum in den stillen Gewässern der Lethe...
28. Dezember steht darauf.

Dieses Bild im philosophischen science-fiction Film „Stalker“ gilt als eine Prophezeiung.

Sieben Jahre später ist das der letzte Tag seines Lebens: in der Nacht vom 28 auf den 29.Dezember 1986 starb der russische Regisseur Andrej Tarkowski an Krebs im Pariser Exil.

Sieben Spielfilme konnte er drehen. Sie zählen noch heute zu den 100 besten der internationalen Kinematografie.

Nach dem ersten Welterfolg, "Iwans Kindheit" (Goldener Löwe in Venedig 1962), war nahezu jede Uraufführung in der Sowjetunion von Verboten und Katastrophen begleitet.

Der Krieg und die Blutfehde unter den russischen Fürsten, Angriffe der Tatarischen Horden - das ist eine gewaltige historische Darstellung des Mittelalters für das Leben und für die Suche nach Gott und Wahrheit eines Ikonenmalers, Andrej Rubljow. Es herrschen Hass, Verrat und Menschenverachtung. Alles hofft nur auf die Gnade Gottes.
Bei der Moskauer Premiere im Februar 1967 war der Saal voll. "Andrej Rublow" wurde sehr kalt aufgenommen.
Einer rief sogar laut: Das ist keine Kunst, das ist Sadismus! Als der Abspann lief, stand Tarkowski allein da, blass. Keiner hat ihn gegrüßt.

Gleichzeitig wurde der Film aus Versehen nach Westen verkauft, machte 1969 Furore in Cannes. Das sowjetische Staatskomitee für Kinokunst, GosKino, versuchte, die Vorführungen zu verbieten, der Film durfte nicht im Wettbewerbsprogramm stehen. Statt dessen wurde der Film mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet.

Zu Hause wurde dem Regisseur eine antipatriotische und antirussische Intention vorgeworfen. Bis 1972 war der Streifen in der UdSSR verboten.

Sechs Jahre lang durfte Andrej Tarkowski auf einen weiteren Film-Auftrag warten. Ein Science-Fiction Film mit einem sehr sparsamen Etat unter dem Titel „Solaris“. Um Geld zu sparen hat Tarkowski so genannte „blaue Hasen“ erfunden. Im Berufsjargon bedeutete dies, ins Drehbuch eine teure Szenen zu schreiben, die aber nie gedreht werden würde. Das ergab mehr Zeit und Geld für den Dreh anderer Szenen. So entstand auf dem Papier eine Episode im Raumschiff Prometheus, mit dem der Hauptheld, Kris Kelvin, von der Erde nach Solaris fliegt. Auf dem Raumschiff befand sich ein Team von drei Kosmonauten, es gab entsprechende Dialoge dafür. In der Wirklichkeit haben die Kollegen aus der Abteilung für Spezialeffekte den Boden und den Hals einer sich rotierenden Flasche so aufgenommen, damit es so aussieht, als ob etwas durch das All fliegt, und damit war die Szene fertig.

Die Maschinerie der Zukunft interessierte Tarkowski wenig. Die Geschichte von Stanisław Lem erzählte er radikal subjektiv: Mit assoziativen Bildern und Klängen stellte er seinen inneren Kosmos in den Kontext der Weltkultur und erforschte das Thema der künstlichen Intelligenz, indem die Frage nach dem „Selbst“ von einem Android, einem Phantom gestellt wird.

Nach einer langen, verzweifelten Suche und unzähligen Änderungen des Drehbuches, erfand Andrei Tarkowski in einem der geheimnisvollsten Filme der Kinogeschichte, im „Spiegel“, ein Genre, das zwischen Dokumentation, Theaterstück und Spielfilm liegt und Züge von Mystik und Surrealismus besitzt.

Ein Affront gegen den strikten Realismusbegriff in der UdSSR. “Wir haben künstlerische Freiheit, aber doch nicht in solchem Ausmaß!” so nach der Premiere 1974 der sowjetische Filmminister. Der Spiegel darf nur in wenigen Kinos gezeigt werden und keinesfalls die sowjetische realistische Kinokunst im Ausland repräsentieren. Dem Regisseur wird außerdem erlaubt, mit einer eigenen Filmkopie durch die Sowjetunion zu reisen, um Geld zu verdienen. Bei den Podiumsgesprächen mit dem Publikum durfte Tarkowski seinen Film zeigen, aber zensiert: Ohne die erste Szene.

Fast in jedem Bild ahnte der Zuschauer eine Botschaft, ein Rätsel, eine verborgene Offenbarung. Tarkowskis „Ich“-Erzählung widerspiegelte Erinnerungen und Gefühle der ganzen sowjetischen Nachkriegsgeneration. So wurde der Film sofort zu einem geheimen Kult.
Bis heute wird gestritten, ob dieser Film sein bester sei.

Über Werk und Leben des russischen Regiemeisters sprechen wir am 19. Januar zur Eröffnung der Retrospektive mit Olga Surkowa (Amsterdam), Filmwissenschaftlerin und Koautorin Tarkowskis. Aus ihrer engen Zusammenarbeit entstand das Buch „Die versiegelte Zeit“. Von „Andrei Rubljow“ bis zur Entstehung von „Nostalghia“ durfte sie die Arbeit und Persönlichkeit von Andrei Tarkowski miterleben.

Ihr Tarkowski-Archiv mit Manuskripten, Fotos, Audioaufnahmen wurde 2012 bei Sotheby´s versteigert und befindet sich heute in Jurjewets, einer alten Stadt an der Wolga, wo der junge Andrei mit Familie lebte und wo sich heute das Tarkowski-Museum befindet.

   
  Programm
  FR 19.1.

17:30 Andrej Tarkowski: Iwans Kindheit [Iwanowo detstwo], UdSSR 1962, R: Andrej Tarkowski mit Kolja Burljajew, Walentin Subkow, Jewgeni Scharikow, 95 Min, DF

19:30 Andrej Tarkowski: Eröffnung der Retrospektive mit Olga Surkowa (Amsterdam), einer Filmwissenschaftlerin und Koautorin Tarkowskis. Aus ihrer engen Zusammenarbeit entstand das Buch „Die versiegelte Zeit“. Moderation: Mario Bandi       (SPRACHE: Russisch-Deutsch)
Eintritt 5,- Euro  =>  GESPRÄCH OLGA SURKOWA   TICKETS-ONLINE
Eintritt 12,- Euro =>  GESPRÄCH OLGA SURKOWA  + Stalker OmU (21:00)  TICKETS-ONLINE

21:00 Andrej Tarkowski: Stalker, UdSSR 1979, R: Andrej Tarkowski mit Alexander Kaidanowski, Alissa Freindlich, Natasha Abramowa, 163 Min, OmU

21:45 Andrej Tarkowski: Andrej Rubljow, UdSSR 1966, R: Andrej Tarkowski mit Anatoli Solonizyn, Nikolai Grinko, Nikolai Sergejew, 185 Min, DF



SA 20.1.

19:15 Andrej Tarkowski: Der Spiegel [Serkalo] UdSSR 1975, R: Andrej Tarkowski mit Margarita Terechowa, Ignat Danilzew, Anatoli Solonizyn, 105 Min, OmU

19:30 Andrej Tarkowski: Stalker, UdSSR 1979, R: Andrej Tarkowski mit Alexander Kaidanowski, Alissa Freindlich, Natasha Abramowa, 163 Min, DF

21:30 Andrej Tarkowski: Nostalghia, UdSSR Italien, 1983, R: Andrej Tarkowski mit Oleg Jankowski, Erland Josephson, Domiziana Giordano, 121 Min, OmeU

21:45 Andrej Tarkowski: Opfer [Offret] Schweden, GB, F, 1986, R: Andrej Tarkowski mit Erland Josephson, Susan Fleetwood, Allan Edwall, 149 Min, OmeU

22:30 Andrej Tarkowski: Solaris, UdSSR 21972, R: Andrej Tarkowski mit Donatas Banionis, Natalja Bondartschuk, Jüri Järvet, 167 Min, OmU



SO 21.1.

18:00 Andrej Tarkowski: Stalker, UdSSR 1979, R: Andrej Tarkowski mit Alexander Kaidanowski, Alissa Freindlich, Natasha Abramowa, 163 Min, OmU

19:45 Andrej Tarkowski: Andrej Rubljow, UdSSR 1966, R: Andrej Tarkowski mit Anatoli Solonizyn, Nikolai Grinko, Nikolai Sergejew, 185 Min, OmU



Mo 22.1.

17:30 Andrej Tarkowski: Iwans Kindheit [Iwanowo detstwo], UdSSR 1962, R: Andrej Tarkowski mit Kolja Burljajew, Walentin Subkow, Jewgeni Scharikow, 95 Min, OmU

19:30 Andrej Tarkowski: Nostalghia, UdSSR Italien, 1983, R: Andrej Tarkowski mit Oleg Jankowski, Erland Josephson, Domiziana Giordano, 121 Min, DF

21:45 Andrej Tarkowski: Solaris, UdSSR 21972, R: Andrej Tarkowski mit Donatas Banionis, Natalja Bondartschuk, Jüri Järvet, 167 Min, DF



Di 23.1.

17:15 Andrej Tarkowski: Der Spiegel [Serkalo] UdSSR 1975, R: Andrej Tarkowski mit Margarita Terechowa, Ignat Danilzew, Anatoli Solonizyn, 105 Min, DF

17:15 Andrej Tarkowski: Opfer [Offret] Schweden, GB, F, 1986, R: Andrej Tarkowski mit Erland Josephson, Susan Fleetwood, Allan Edwall, 149 Min, OmeU

19:30 Andrej Tarkowski: Stalker, UdSSR 1979, R: Andrej Tarkowski mit Alexander Kaidanowski, Alissa Freindlich, Natasha Abramowa, 163 Min, DF



Mi 24.1.

17:30 Andrej Tarkowski: Iwans Kindheit [Iwanowo detstwo], UdSSR 1962, R: Andrej Tarkowski mit Kolja Burljajew, Walentin Subkow, Jewgeni Scharikow, 95 Min, OmU

19:30 Andrej Tarkowski: Der Spiegel [Serkalo] UdSSR 1975, R: Andrej Tarkowski mit Margarita Terechowa, Ignat Danilzew, Anatoli Solonizyn, 105 Min, OmU

21:45 Andrej Tarkowski: Solaris, UdSSR 21972, R: Andrej Tarkowski mit Donatas Banionis, Natalja Bondartschuk, Jüri Järvet, 167 Min, OmU
   
 

FILME

 
Iwans Kindheit [Iwanowo Djetstwo] SU 1962, R: Andrej Tarkowski mit Kolja Burljajew, Walentin Subkow, Jewgeni Sharikow, 95 Min

19.1. 17:30 DF; 22.1. 17:30 OmU, 24.1. 17:30 OmU , 29.1. 21:45 DF

In der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs. Das Land besteht nur noch aus verbrannter Erde, Verrückten und Soldaten, mitten unter ihnen ein Kind, der 12-jährige Iwan. Ihm hat der Krieg alles genommen, die Familie, die Kindheit und die Angst.

Was ihm bleibt, ist unbändiger Hass, der Motor für seine waghalsigen Erkundungsstreifzüge am anderen Ufer des Dnepr. Keiner kann das eigensinnige, magere Kind von seinem nächsten Auftrag zurückhalten, nicht der väterlich verbundene Hauptmann Cholin, nicht der junge Oberleutnant Galzew. Erst bei der Einnahme von Berlin erfährt Galzew aus den SS-Akten von Iwans weiterem Schicksal.

In Tarkowskis Regiedebüt klingen die eigenwillig stilisierten Bildkompositionen und das ausdrucksstarke Spiel des Kolja Burljajew lange nach. Den Schrecken des Krieges, den Verwundungen der kindlichen Seele setzt Tarkowski nur durch seine Klammer zu Beginn und am Ende einen kleinen Hoffnungsschimmer entgegen - Traumsequenzen, die zeigen, wie es war, wie es sein könnte.

Zeitloses Meisterwerk, ein Appell an die Humanität mehrfach preisgekrönt, so auch mit dem Goldenen Löwen in Venedig, 1962.



Andrej Rubljow [Andrej Rubljew] SU 1966, R: Andrej Tarkowski mit Anatoli Solonizyn, Iwan Lapikow, Nikolai Burljajew, 182 Min

19.1. 21:45 DF, 21.1. 19:45 OmU, 25.1. 22:00 DF, 28.1. 19:45 OmU

Episodenhaft werden Stationen des russischen Ikonenmalers Andrej Rubljow (etwa 1370-1430) in seiner Beziehung zur damaligen Zeit geschildert. Andrej, Mönch vom Andronikow-Kloster, wird Zeuge, wie ein Gaukler, der die Bauern unterhalten hat, von Soldaten misshandelt und verschleppt wird.

Von Theophanes, dem Griechen, erhält Rubljow das Angebot, mit ihm zusammen eine Moskauer Kirche auszumalen. Hoffnung und Neid der anderen Mönche begleiten ihn. Anders als Theophanes versteht Rubljow die Passion Christi als Leidensgeschichte des geknechteten russischen Volks und vertraut auf die Wiedergeburt der Menschen.

Bei seinen Wanderungen beobachtet er ein heidnisches Opferfest. Als Spion festgenommen, von einer Frau befreit, erlebt er am nächsten Morgen, wie auf die „sündigen“ Bauern Jagd gemacht wird.

Die Dreharbeiten zu diesem außerordentlichen Film fanden 1964/65 statt. Ende 1966 wurde er vor einem ausgesuchten Publikum gezeigt, doch staatliche Stellen der UdSSR kritisierten die dargestellte Sicht auf historische Ereignisse, die gezeigten Grausamkeiten und eine Nacktszene. Andrej Tarkowski überarbeitete den Schnitt.

1967 reichte die UdSSR den Film für die Internationalen Festspiele in Cannes ein, zog ihn aber aufgrund „künstlerischer Mängel“ wieder zurück. Erst zwei Jahre später gelang in Cannes während einer organisierten Sondervorführung die internationale Premiere gegen den Protest der sowjetischen Behörden. Erst 1971 kam „Andrej Rubljow“ in die Moskauer Kinos, zwei Jahre später wurde das Exportverbot endgültig aufgehoben.



Solaris SU 1972, R: Andrej Tarkowski mit Donatas Banionis, Natalia Bondartschuk, Wladislaw Dworshezki, 171 Min

20.1. 22:30 OmU; 22. 1. 21:45 DF, 24.1. 21:45 OmU; 26.1. 21:45 OmU, 27.1. 13:15 DF, 29.1. 21:45OmU

Der Wissenschaftler Kelvin soll nach beunruhigenden Vorgängen auf der Weltraumstation entscheiden, ob die Erforschung des geheimnisumwobenen Planeten Solaris weitergeführt oder abgebrochen wird.

Von der ursprünglich dreiköpfigen Besatzung trifft er nur noch zwei Männer an. Dafür begegnet er unheimlichen menschenähnlichen Wesen. Er erfährt, dass es sich um Kopien handelt, um materialisierte Gedanken, die tief im Bewusstsein verborgen sind.

Kelvin trifft auf ein vollkommenes Abbild seiner vor Jahren verstorbenen Frau. Zunächst wehrt sich Kelvin gegen die Erscheinung. Schließlich aber behandelt er die Kopie wie seine einst sehr geliebte Frau. Kelvin findet heraus, warum der Planet diese Materialisationen hervorbringt.

Philosophischer Science-Fiction-Film, der 1972 mit dem großen Spezialpreis auf dem internationalen Filmfestival in Cannes ausgezeichnet wurde. Nach dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem.


Der Spiegel [Serkalo] SU 1975, R: Andrej Tarkowski mit Margarita Terechowa, Alla Demidowa, 106 Min

20.1. 19:15 OmU; 23.1. 17:15 DF, 24.1. 19:30 OmU, 26.1. 17:45 DF, 30.1. 20:00 OmU

Ein Mann in den Vierzigern zieht Bilanz, als er sich von seiner Frau trennen will. Verschüttete Bilder werden wach: Die Ängste der Stalinzeit, der Spanienkrieg, der Zweite Weltkrieg, die Atombombe – Privates und Gesellschaftliches zwischen 1930 und den späten 1970er Jahren durchdringen einander.

Ursprünglich als Hommage an seine Mutter geplant, entstand eine autobiografisch gefärbte und stilistisch verfremdete Reflektion von Kindheit, historischem Hintergrund und Resignation der Nachkriegsjahre.

- Allegorisches Kunstwerk, mit dem sich Tarkowski den Vorwurf des „Subjektivismus“ und ein jahrelanges Auslandsverbot für den Film einbrachte.



Stalker SU 1979, R: Andrej Tarkowski mit Alexander Kaidanowski, Nikolai Grinko, Anatoli Solonizyn, 167 Min

Die verbotene „Zone“, ein von der Natur zurückerobertes, überwuchertes und menschenleeres Gebiet, soll ein magisches Zentrum besitzen, in dem der geheimste aller Wünsche in Erfüllung geht.

Nur Gerüchte existieren über die von der Polizei abgesperrte Zone: Sie sei möglicherweise durch einen Meteoriteneinschlag entstanden. Drei Männer machen sich auf den Weg: Ein zynischer Schriftsteller, den Langeweile und Abenteuerlust antreiben; ein pessimistischer Physiker, der dem Geheimnis der Zone auf die Spur kommen und sie zugleich unberührbar machen will, und der Stalker, der den Weg als Berufener und Führender schon mehrfach gemacht hat.

Doch dafür ist der Stalker in der Vergangenheit mit Gefängnis bestraft worden. Zusammen mit seiner Frau und der behinderten Tochter lebt er in einer verfallenen, grauen Industrielandschaft. Die Kleine, die von ihren Eltern liebevoll Äffchen genannt wird, gilt allgemein als Mutant, als Opfer der Zone.

Für den Stalker hingegen bedeutet die Zone Glück, Freiheit und Würde. Sein uneigennütziges Ziel ist es, die Hoffnungslosen und Unglücklichen dorthin zu führen. Er selbst betritt das magische Zimmer jedoch nie. Auf dem gefahrvollen Weg offenbaren die drei Männer ihre geheimsten Gedanken und Wünsche. Am Raum der Wahrheit angelangt, zeigt jeder seinen ganz besonderen Charakter.

Eine philosophische Parabel und ein filmisches Meisterwerk, das wie ein Blick von einem fernen Planeten auf die Erde erscheint und über die Unantastbarkeit menschlicher Würde, die Integrität jedes einzelnen Individuums und die Unbeherrschbarkeit der Natur reflektiert.

Dabei webt Tarkowski auch christliche Elemente und Symbole ein wie Zitate aus der Offenbarung des Johannes, aus dem Evangelium „Jesus erscheint dem Petrus und den zwei Jüngern, welche nach Emmaus gehen“ oder auch das Bildnis des thronenden Johannes dem Täufer aus dem Genter Altar von Jan van Eyck. Für den Regisseur war „Stalker“ der letzte Film, den er in der Sowjetunion realisieren konnte, obwohl er mit internationalen Preisen dafür ausgezeichnet wurde.


Nostalghia, UdSSR Italien, 1983, R: Andrej Tarkowski mit Oleg Jankowski, Erland Josephson, Domiziana Giordano, 121 Min, OmeU

20.1. 21:30 OmeU; 22.1. 19:30 OmeU, 31.1. 20:00 OmeU

Der russische Schriftsteller Andrej begibt sich für Recherchen auf die Spuren eines russischen Komponisten des 19. Jhd. nach Italien. Zusammen mit der Dolmetscherin Eugenia bereist Andrej verschiedene Wirkungsstätten seines Landsmannes. Das Erlebnis der fremden Landschaft und Kultur und die übermächtige Erinnerung an die Heimat setzen Andrej zu. In seinem Schmerz lehnt er die Liebe Eugenias ab und findet dagegen im leicht verrückten Mathematiker Domenico einen Seelenverwandten.

Tarkowskijs erstes im Ausland gedrehtes Werk besticht durch eine einzigartig mystische Atmosphäre mit gemäldeartigen Bildkompositionen und brachte ihm in Cannes den Preis für die beste Regie ein.

PRESSESTIMMEN: „Ein makelloses Kunstwerk.“ Kölnische Rundschau

„Eine unbeschreiblich schöne, gewaltige und auch wieder verzweifelt traurige Vision, der die unerfüllbare Sehnsucht nach Rückkehr, nach Geborgensein eingeschrieben ist.“ Ulrich Gregor, epd Film

Opfer [Offret]  Schweden, GB, F, 1986, R: Andrej Tarkowski mit Erland Josephson, Susan Fleetwood, Allan Edwall, 149 Min, OmeU

20.1. 21:45 OmeU, 23.1. 17:15 OmeU, 27.1. 20:00 OmeU

Der ehemalige Schauspieler und Intellektuelle Alexander hat sich mit seiner Familie in die naturschöne Einsamkeit einer nordischen Insel zurückgezogen. Dann die Lebenswende: In die Feierlichkeiten zu seinem 50. Geburtstag bricht die Nachricht der drohenden atomaren Katastrophe ein, die Alexander dazu veranlasst, sich Gott als Opfer anzubieten und die Nähe der »Hexe« zu suchen …

OPFER ist der letzte Film des wohl größten Kinopoeten der Filmgeschichte. Eine vieldeutige apokalyptische Parabel – spirituell, bildgewaltig und visionär. Uraufführung in Cannes 1986, einen guten Monat nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Den Großen Preis der Jury konnte Tarkowskij aufgrund seiner Krankheit nicht entgegennehmen. Er stirbt am 29. Dezember desselben Jahres in Paris.

Mit dem Bonusfilm: REGIE: ANDREJ TARKOWSKIJ (in SD)
Ein sehr persönliches Filmporträt von OPFER-Cutter Michal Leszczylowski mit vielen Impressionen von den Dreharbeiten zu OPFER, Filmausschnitten, Interviews mit Tarkowskij und Weggefährten sowie ausgewählten Zitaten aus DIE VERSIEGELTE ZEIT. Seltene Einblicke in die Arbeitsweise eines Ausnahmeregisseurs. Kino ohne Kompromisse.  absolutmedien.de