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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1  
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
   
    präsentieren:
 

CINEMA!ITALIA!  ab 07.12.2017

  PROGRAMM         FILME!  
  Die Filme der Tournee 2017:
FIORE - BLUME
INDIVISIBILI - UNZERTRENNLICH
LASCIATI ANDARE - LASS DICH GEHEN
L’ORA LEGALE - AB HEUTE SIND WIR EHRLICH
LA RAGAZZA DEL MONDO - DIE WELT DER ANDEREN
LA TENEREZZA - DIE ZÄRTLICHKEIT

Liebe Freundinnen und Freunde des italienischen Films!

Die Festivaltournee Cinema Italia, das dürfen wir mit einigem Stolz sagen, ist eine Erfolgsgeschichte. Zum 20. Mal gibt es Gelegenheit, neue anspruchsvolle italienische Produktionen im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen; Filme, die in ihrem Heimatland bereits erfolgreich gestartet sind, an Festivals teilgenommen und Preise gewonnen haben. Im Jubiläumsjahr können Sie wieder eine, wie wir hoffen, interessante Auswahl künstlerisch engagierter Filme genießen, die alle auch etwas über das Italien von heute erzählen. Mehrere Filme handeln von der Lebenswelt und den Problemen junger Leute, aber es geht auch um den Dialog zwischen den Generationen, um Liebe und um Politik, Komödien sind ebenso vertreten wie Dramen.

2017 macht die Cinema Italia-Tournee in 34 deutschen Städten Station. Und wir können zwei neue Kinos als Teilnehmer begrüßen, das “Capitol“ in Marburg und das „Filmforum Höchst“ in Frankfurt. Benvenuti! In jedem Fall sind wir gespannt auf Ihre Meinung zu den ausgewählten Filmen – in den Kinos liegen die Stimmkarten aus. Denn mit Ihren Stimmen wird der Lieblingsfilm der Tournee gewählt, der dann im Dezember zum Abschluss den Cinema Italia-Publikumspreis erhält.

Wir danken dem Ministero per i Beni e le Attività Culturali e del Turismo, der Italienischen Agentur für Außenhandel und den Kulturinstituten in Berlin und Hamburg für ihre finanzielle Unterstützung, sowie allen weiteren italienischen Kulturinstituten, Kooperationspartnern, Freundschaftsgesellschaften und natürlich den teilnehmenden Kinos für ihr großes Engagement.

Dem italienischen Botschafter in Deutschland, S.E. Pietro Benassi, danken wir herzlich für die erneute Übernahme der Schirmherrschaft.

Willkommen zur diesjährigen Kinoreise durch Italien und buona visione!

Francesco Bono, Franco Montini, Piero Spila
Made in Italy, Rom

Wilfried Arnold, Helge Schweckendiek
Kairos Filmverleih, Göttingen

   
  PROGRAMM
 
 
 
   
  Jeder Film wird 5 Mal laufen. DIE ANDEREN TERMINE WERDEN NOCH AKTUALISIERT!
   
 

FILME!

  FIORE/Blume

Regie: Claudio Giovannesi
Drehbuch: Claudio Giovannesi, Filippo Gravino, Antonella Lattanzi
Kamera: Daniele Ciprì
Schnitt: Giuseppe Trepiccione
Ausstattung: Daniele Frabetti
Musik: Claudio Giovannesi, Andrea Moscianese
Produktion: Rita Rognoni, Beppe Caschetto Stabilini für Pupkin Production, Ibc Movie
Darsteller:Darsteller: Daphne Scoccia (Daphne), Josciua Algeri (Josh), Laura Vasiliu (Stefania), Aniello Arena (Gessicas Vater), Gessica Giulianelli (Gessica), Klea Marku, Francesca Riso, Valerio Mastandrea

Italien 2016
110 Minuten, OmU

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Die Blume der Liebe blüht auch hinter den Mauern einer Jugendhaftanstalt. Daphne sitzt wegen Raubüberfällen und verliebt sich in Josh, der wegen ähnlicher Delikte hier ist. Doch männliche und weibliche Insassen sind strikt voneinander getrennt. Die Gefühle, die zwischen Daphne und Josh entstehen, leben nur von ihren Blicken von einer Zelle zur anderen, von kurzen Unterhaltungen durch die Gitterstäbe und einigen heimlich geschmuggelten Briefen. Kann die Macht der Gefühle alle Mauern niederreißen? Daphne und Josh wagen einen Ausbruch…

Ein kraftvoller Film im besten Geist des Neorealismus: gedreht in einem echten (wenngleich leerstehenden Gefängnis), mit zwei jugendlichen Debutanten in den Hauptrollen, deren reale Lebensgeschichten Bestandteil der Handlung wurden. Regisseur Claudio Giovannesi erzählt berührend von eingesperrten Gefühlen und Sehnsüchten – nach Freiheit wie nach Liebe.

Cinema!Italia! Cinema!Italia!
Cinema!Italia!

In der Literatur, im Theater und im Film gibt es keine Liebesgeschichte, deren Erfüllung kein Hindernis im Weg steht. Fiore ist in erster Linie eine Liebesgeschichte und das Gefängnis, die Gitterstäbe und die herrschende Autorität sind die zu überwindenden Widerstände. Ich gehe bei meinen Filmen immer von der Realität aus, von der Begegnung mit echten Menschen. Und die Gefühle und die Figuren in Fiore haben ihren Ursprung im Zusammentreffen mit Jugendlichen, die wirklich hinter Gittern sitzen. Im Gefängnis besteht die Zeit nicht nur aus der Gegenwart, sondern auch aus der Erinnerung und dem Leben in der Vergangenheit, ebenso wie aus dem Warten auf die Zukunft und auf die Freiheit. Ich habe mit den jugendlichen Gefangenen, die sich in Fiore selbst darstellen, an allen drei Aspekten gearbeitet und die Aufmerksamkeit nicht nur auf ihr Leben in der Haftanstalt, sondern auch auf ihr Leben davor und danach gelegt.
Claudio Giovannesi

Das Gesicht von Daphne Scoccia werden wir nicht so leicht vergessen. Sie ist die Hauptdarstellerin von Fiore und dass der Film so schön, berührend und überzeugend ist, verdankt er in großen Teilen ihr: der Zerbrechlichkeit, die sie mit ihren Augen und ihrem Mund vermittelt, dem zaghaften Lächeln, das sie nur schwer zeigen kann, ihrem Gang, der Art, wie sie raucht. Und nicht zuletzt der Wut eines Mädchens, das niemanden wirklich verletzen kann, außer sich selbst. Im Film trägt sie denselben Namen wie im wirklichen Leben: Fiktion und Realität sind eng verwoben im Werk von Claudio Giovannesi, zu dessen großen Vorbildern Pier Paolo Pasolini zählt. Mit Einfachheit, aber starker Ausdruckskraft erzählt der Film von einer Liebe, die in der unromantischen Umgebung einer Jugendhaftanstalt wie ein Grashalm durch den Beton bricht. Fiore handelt von Freundschaft, von Sehnsucht, von scheinbar Verlorenen, die sich aneinanderklammern und sich von einem Zellenfenster zum anderen ineinander wiedererkennen.
Giovanni Bogani, La Nazione

Claudio Giovannesi (1978, Rom). Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft macht er am „Centro Sperimentale di Cinematografia“ in Rom den Abschluss in Regie. Von 2001 bis 2004 arbeitet er für das TV-Programm Blob. Sein Regiedebüt gibt er 2009 mit La casa sulle nuvole, gefolgt von Alì ha gli occhi azzurri (2012) und Fiore (2016). Er ist außerdem Regisseur der Dokumentarfilme Fratelli d’Italia (2009) und Wolf (2013).
   
  Indivisibili/Unzertrennlich

Regie: Edoardo De Angelis
Drehbuch: Nicola Guaglianone, Barbara Petronio, Edoardo De Angelis
Kamera: Ferran Paredes Rubio
Schnitt: Chiara Griziotti
Ausstattung: Carmine Guarino
Musik: Enzo Avitabile
Produktion: Attilio De Razza, Pierpaolo Verga für Trump Limited, O’ Groove
Darsteller: Angela Fontana (Viola), Marianna Fontana (Dasy), Antonia Truppo (Titti), Massimiliano Rossi (Peppe), Tony Laudadio (Nunzio), Marco Mario De Notasi, Gaetano Bruno

Italien 2017
102 Minuten, OmU

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Viola und Daisy sind 18, musikbegabt – und siamesische Zwillinge, die an der Hüfte zusammengewachsen sind. In ihrem Heimatort Castel Volturno bei Neapel werden sie als glückbringendes Wunder der Natur verehrt. Ihr zwielichtiger Vater nutzt ihr Talent aus, indem er sie an kirchlichen Zeremonien teilnehmen und auf Hochzeiten und Festen sentimentale Schlager singen lässt. Mit ihren Auftritten ernähren sie die ganze Großfamilie. Das geht so lange gut, bis Viola sich eines Tages verliebt und die Zwillinge herausfinden, dass sie mit einer Operation getrennt werden könnten. Doch Eltern, Verwandte, Mitbürger, sogar die katholische Kirche, alle sehen auf einmal ihre Interessen bedroht …

Ein ungewöhnlicher Film mit hypnotischer Bildsprache, zwischen krassem Realismus und Surrealismus, der untergründig auch komplexe Themen wie Identität und Individualität verhandelt. Nominiert für nicht weniger als siebzehn nationale Filmpreise „David di Donatello“, wurde Indivisibili am Ende sechsmal ausgezeichnet. Viola und Daisy werden von den realen Zwillingsschwestern Angela und Marianna Fontana kongenial verkörpert.

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Indivisibili ist ein Film über das Thema der Trennung und über den Schmerz, den sie mit sich bringt. Die Grundidee ist, dass man sich manchmal weh tun und auf einen Teil von sich verzichten muss, um sich weiterentwickeln zu können. Ich habe nach einem Bild gesucht, um dieser Idee Ausdruck zu verleihen, und habe die siamesischen Zwillinge gefunden. Sie sind schön, aber gezeichnet von ihrer Behinderung. So sehe ich die Welt: ein labiles Gleichgewicht aus Schönheit und Hässlichkeit. Aus diesem Grund bin ich nach Castel Volturno zurückgekehrt. Indivisibili beginnt dort, wo mein voriger Film, Mozzarella Stories, endete. Diese Umgebung ist das zerrissene Symbol einer vergangenen Schönheit, der Käfig, aus dem die beiden Protagonistinnen verzweifelt ausbrechen wollen.
Edoardo De Angelis

Mehr noch als in seiner Geschichte besteht die Stärke des Films Indivisibili in der Präsenz von Angela und Marianna Fontana, die seit jeher so eng verbunden sind und ihre Gefühle und Freuden ebenso miteinander teilen wie ihre Gedanken und Wünsche. Es sind ihre urtümlichen Gesichter und ihr gleichzeitig kindlicher, grober und geradliniger Dialekt. Es ist der Kontrast der Einfachheit ihrer Träume und der erbarmungslosen Hässlichkeit ihrer Umgebung: schmutzige Strände, verwaiste Boote, riesige einsame Wohnblocks. Die authentische Umgebung, die kein Drehbuchautor sich treffender ausdenken könnte, ist eine der Gemeinsamkeiten von Edoardo De Angelis‘ ausdrucksstarkem Film und seinem eindeutigen Vorgänger, Marco Ferreris Klassiker La donna scimmia (Die Affenfrau) von 1964. Es ist eine bewusste Bezugnahme, in deren Zuge der Regisseur sogar eine seiner Figuren Marco Ferreri nennt.
Fabio Ferzetti, Il Messaggero

Mit seiner verzweifelten und bewegenden Geschichte, mit seiner erzählerischen Energie und seinen beiden Hauptdarstellerinnen, deren Augen einen nicht mehr loslassen, kann man Indivisibili nur schwer wieder vergessen. Der Film ist intensiv und ausdrucksstark und lässt seine Zuschauer förmlich an der Leinwand kleben. Auch das kann italienisches Kino sein.
Luca Vinci, Libero

Edoardo De Angelis (1978, Neapel). Nachdem er zunächst Wasserballspieler war, nähert er sich dem Kino als Regisseur einiger Kurzfilme. 2006 macht er mit dem Kurzfilm Mistero e passione di Gino Pacino seinen Abschluss am „Centro Sperimentale di Cinematografia“ in Rom. 2011 dreht er mit Mozzarella Stories seinen ersten abendfüllenden Spielfilm. Es folgen Perez (2014) und Indivisibili (2017), der 17x für den David di Donatello nominiert wurde.
   
  Lasciati andare/Lass dich gehen

Regie: Francesco Amato
Drehbuch: Francesco Bruni, Davide Lantieri, Francesco Amato
Kamera: Vladan Radovic
Schnitt: Luigi Mearelli
Ausstattung: Emita Frigato
Musik: Andrea Farri
Produktion: Riccardo Tozzi, Marco Chimenz, Giovanni Stabilini für Cattleya
Darsteller: Toni Servillo (Elia), Veronica Echegui (Claudia), Carla Signoris (Giovanna), Luca Marinelli (Ettore)

Italien 2017
102 Minuten, OmU

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Der Psychoanalytiker Elia erlebt täglich so viele Emotionen seiner Patienten, dass er sie im eigenen Leben lieber fernhält. Er wahrt stets professionelle Distanz, nur seine Leidenschaft zu Süßspeisen kriegt er nicht unter Kontrolle. Bald setzt ihn sein Arzt auf Diät und schickt ihn ins Fitnessstudio. Dort trifft er auf die quirlige junge Trainerin Claudia, die es eher mit dem Körperkult als mit der Seele hält und wenig Verständnis für aus der Form geratene Intellektuelle wie Elia hat. Vor allem hat sie das Talent, jeden, der ihr über den Weg läuft, in ihre persönlichen Schwierigkeiten zu verstricken. Und Claudia steckt immer in seltsamen Schwierigkeiten. Aktuell ist ihr ein jugendlicher Gangster auf den Fersen, und ehe er sich versieht, gerät Elias Leben mehr in Schwung als er sich das jemals hätte träumen lassen…

Ein großer Spaß ganz im Geist der klassischen Screwball-Komödie, mit pointierten Wortgefechten, haarsträubenden Situationen und zwei brillanten Hauptdarstellern. Wer hätte gedacht, dass Toni Servillo so komisch sein kann?

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Lasciati andare ist eine Komödie, die aus dem Gefühl der eigenen Unsicherheit oder Unzulänglichkeit entspringt. Aus der Befangenheit, die wir empfinden, wenn wir uns in einer Umgebung befinden, die wir nicht verstehen. So wie es Elia ergeht, als er die für ihn fremde Welt eines modernen Hightech- Fitnessstudios betritt und von da an sein Leben völlig aus den Fugen gerät. Diese Art von Komik interessiert mich.
Francesco Amato

Fast schien es, als wäre die italienische Komödie ins Stocken geraten, als hätte sie ihren Biss verloren. Doch siehe da, der neue Film Lasciati andare von Francesco Amato belehrt uns eines Besseren! Die erste Neuheit finden wir bereits bei der Besetzung, nämlich mit Toni Servillo in einer humorvollen Rolle. Und dann der brillante Charakter dieser Inszenierung, die sich mit ihrem Thema des Kampfes der Geschlechter nicht so sehr auf die Tradition der italienischen, sondern eher der amerikanischen Komödie beruft. Es sind die funkensprühenden Wortgefechte von Katharine Hepburn und Carole Lombard auf der einen und Cary Grant oder Spencer Tracy auf der anderen Seite, sowie an ihre unzähligen Weiterentwicklungen und Variationen, an die wir uns unweigerlich erinnert fühlen.
Paolo D'Agostini, La Repubblica

Eine brillante und in der aktuellen italienischen Kinolandschaft eher ungewöhnliche Komödie. „Lasciati andare“ (Lass dich gehen) ist die Aufforderung, die der von Toni Servillo dargestellte Psychoanalytiker Elia ständig zu hören bekommt. Toni Servillo wiederum scheint in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle einige seiner ernsten Rollen aufzugreifen und sie auf (selbst)ironische Weise neu zu interpretieren. Und das Ergebnis ist wirklich beachtlich, denn an Talent zum Komischen fehlt es Servillo sicher nicht, auch wenn das Kino ihn in eine Schublade immer mehr oder weniger gleicher Figuren stecken wollte. Es ist das Verdienst von Francesco Amato, der zusammen mit seinen Autoren Francesco Bruni und Davide Lantieri alle mit dem frischen Wind überrascht hat, den dieser Film wehen lässt.
Antonello Catacchio, Il Manifesto

Cinema!Italia!

Francesco Amato (1978, Turin). Während seines Studiums an der Universität Bologna dreht er zwischen 2001 und 2003 einige Dokumentar- und Kurzfilme, darunter Figlio di penna, der im Wettbewerb bei den Filmfestspielen von Cannes läuft. Nach seinem Abschluss am „Centro Sperimentale di Cinematografia“ in Rom entsteht mit Ma che ci faccio qui sein erster abendfüllender Spielfilm. Sein zweiter Spielfilm Cosimo e Nicole kommt 2012 in die Kinos, gefolgt von Lasciati andare (2017).
   
  L’ora legale/Ab heute sind wir ehrlich

Regie: Salvo Ficarra, Valentino Picone
Drehbuch: Salvo Ficarra, Valentino Picone, Edoardo De Angelis, Nicola Guaglianone, Fabrizio Testini
Kamera: Ferran Paredes Rubio
Schnitt: Claudio Di Mauro
Ausstattung: Sabrina Balestra
Musik: Carlo Crivelli
Produktion: Attilio De Razza für Tramp Limited
Darsteller: Salvo Ficarra (Salvo), Valentino Picone (Valentino), Leo Gullotta (Pater Raffaele), Vincenzo Amato (Pierpaolo Natoli), Tony Sperandeo (Gaetano Patanè), Sergio Friscia, Antonio Catania, Eleonora De Luca, Ersilia Lombardo

Italien 2017
92 Minuten, OmU

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Die Kleinstadt Pietrammare in Sizilien leidet unter der Misswirtschaft des langjährigen korrupten Bürgermeisters Gaetano Patanè, der alle Tricks kennt und politische Gegner rechtzeitig auszuschalten versteht. Bei den anstehenden Wahlen traut sich einzig der integre, aber unerfahrene Lehrer Pierpaolo Natoli als Außenseiter gegen ihn anzutreten. Patanè ist siegessicher, doch das Wunder geschieht: Die Einwohner haben die Nase voll vom Sumpf der Korruption und wählen Natoli zum neuen Bürgermeister. Der hält sein Wahlversprechen und regiert die Stadt ab sofort kompromisslos nach den Prinzipien von Ordnung, Ehrlichkeit und Gesetzestreue. Das hatte natürlich niemand erwartet. Schon bald ebbt die Begeisterung der Wähler ab und die ersten Bürger fordern die Rückkehr zum alten, bequemeren System…

Das sizilianische Komikerduo (Salvo) Ficarra und (Valentino) Picone, stets gemeinsam als Autoren, Regisseure und Hauptdarsteller ihrer Filme tätig, ist in Italien ungemein populär. Mit der frechen politischen Satire L’ora legale haben die beiden wieder einmal voll ins Schwarze getroffen: der Film verzeichnete schon am Startwochenende über 500.000 Besucher und wurde zum größten Komödienerfolg dieses Jahres.

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Wir wollten das heutige Italien porträtieren und unsere Figuren mit ihrer Sehnsucht nach Einhaltung der Gesetze und Regeln auf die Probe stellen. Denn wie sich zeigt, ist der Weg zu Recht und Ordnung ein Weg voller Hindernisse. Der siegreiche Kandidat und neue Bürgermeister hat seinen Wählern die Einhaltung der Gesetze versprochen und setzt dies tatsächlich um. Die Bürger können es kaum glauben, denn wann hat schon einmal jemand seine Versprechen aus der Wahlkampagne gehalten?! Jeder von ihnen reagiert anders auf diesen neuen Wind der Gesetzlichkeit, der nun auf einmal weht. Sie alle haben diesen Zustand inständig herbeigesehnt, aber als er dann kommt, fühlen sie sich eingeengt. Denn in jedem von uns steckt ein Stückchen Rechtswidrigkeit, an die wir gewöhnt sind und von der wir vielleicht sogar ganz vergessen haben, dass sie da ist.
Ficarra & Picone

Welch einen Mut stellen die beiden sizilianischen Komiker Salvo Ficarra und Valentino Picone mit ihrem fünften Film L’ora legale unter Beweis! Er beginnt als Komödie und endet als politischer Film. Satire, Zitate (ein Schwertfischkopf im Bette des Paten) und Teamwork (das Duo drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern lässt dem restlichen Cast viel Spielraum) ergeben ein schonungsloses Bild davon, wie wir Italiener nach der Politik der letzten zwanzig Jahre geworden sind: jammernd, feige und ohne Ideale. Ficarra und Picone bringen uns zum Lachen, sind aber auch auf eine dramatische Weise ernst, die nur den wahrhaft großen Komikern gegeben ist.
Francesco Alò, Il Messaggero

L’ora legale spielt mit einem Paradox: wir alle betonen stets, dass sich die Regeln des Zivillebens ändern müssen. In der Praxis akzeptieren wir dies jedoch nur dann, wenn es nicht unsere eigenen Interessen behindert. Diese Komödie ist gleichzeitig eine Provokation, die uns auf komische Weise die Frage stellt, ob wir selbst uns wohl den Bürgern des sizilianischen Dorfs Pietrammare angeschlossen hätten. Eine der besten italienischen Komödien der Saison.
Maurizio Acerbi, Il Giornale

Cinema!Italia!

Salvo (Salvatore) Ficarra und Valentino Picone (1971, Palermo) geben ihr Debüt als Komiker Anfang der 90er-Jahre im Theater. Mit TV-Sendungen wie Gnu, Zero a zero und L’ottavo nano werden sie einem breiten Publikum bekannt. Zwischen 1999 und 2002 touren sie mit diversen Shows durch Italien. Ab 2005 sind sie wiederholt in den populären TV-Sendungen Zelig und Striscia la notizia zu sehen. Ihr Kinodebüt als Regisseure, Autoren und Darsteller erfolgt 2007 mit dem Film 7 e l’8. Ihre darauffolgenden Spielfilme sind La matassa (2009), Anche se è amore non si vede (2011), Andiamo a quel paese (2014) und L’ora legale (2017)
   
  La ragazza del mondo/Die Welt der anderen

Regie: Marco Danieli
Drehbuch: Marco Danieli, Antonio Manca
Kamera: Emanuele Pasquet
Schnitt: Alessio Franco, Davide Vizzini
Ausstattung: Laura Inglese
Musik: Umberto Smerilli
Produktion: CSC Production, Rai Cinema
Darsteller: Sara Serraiocco (Giulia), Michele Riondino (Libero), Marco Leonardi (Celestino, Giulias Vater), Stefania Montorsi (Costanza, Giulias Mutter), Lucia Mascino, Pippo Delbono, Martina Verroni

Italien 2016
104 Minuten, OmU

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Giulia und ihre Familie leben nach den strengen Regeln und Glaubenssätzen der Zeugen Jehovas. Mit ihrer Mutter Costanza zieht sie von Haus zu Haus, um neue Mitglieder anzuwerben. So lernt sie den rauen, aber attraktiven Libero kennen, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er findet bei Giulias Vater Celestino Arbeit in dessen Werkstatt. Giulia verliebt sich auf der Stelle in Libero und lernt durch ihn eine völlig andere Welt kennen. Doch die Liebe zu einem Mann, der nicht der Sekte angehört, ist verboten. Giulia ahnt, dass ihre Entscheidung schwerwiegende Konsequenzen haben wird.

Marco Danielis mitreißender Debutfilm wirft mit intensiven Bildern einen Blick in die verschlossene Welt der Zeugen Jehovas, die nicht nur im Kino fast unbekannt ist. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die entdeckt, dass sie ein anderes Leben haben könnte: ein Leben, das sie sich selbst aussucht. Herausragend die beiden jungen Schauspieler Sara Sarraiocco und Michele Riondino, die beim Festival von Venedig mit dem Pasinetti-Preis als beste Darsteller ausgezeichnet wurden.

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Die Themen der Identität, der Persönlichkeitsentstehung und der Beziehung von Individuum und Gruppe haben mich immer schon interessiert. Obwohl es in dem Film um eine komplexe und leidenschaftliche Beziehung geht, halte ich ihn nicht für einen Liebesfilm, sondern für eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Ihre Gefühle für Libero, einen Jungen mit einer schwierigen Vergangenheit, veranlassen Giulia dazu, ihre eigene Identität zu suchen, aber sie sind dabei nicht das Ziel ihres Wegs, sondern nur der Katalysator der Veränderung. Giulias Emanzipation vollzieht sich in dem Moment, in dem sie lernt, auf ihre eigene Stärke zu zählen. In diesem Film geht es um ein junges Mädchen, das sich zur Frau entwickelt.
Marco Danieli

La ragazza del mondo, das Erstlingswerk von Marco Danieli, ist ein starker Film, mit einer sicheren Regie und einer schönen schauspielerischen Leistung. Allen voran die Hauptdarstellerin Sara Sarraiocco, aber auch die anderen Darsteller stellen ihr Talent unter Beweis. Angesichts des schwierigen Themas, in dem sich familiäre Dynamiken mit einem religiösen Glauben und der Zugehörigkeit zu der dominanten Welt der Zeugen Jehovas verflechten, war das nicht selbstverständlich. Es gelingt dem Regisseur, der zusammen mit Antonio Manca auch der Drehbuchautor ist, die Unruhe seiner Protagonistin feinfühlig zum Ausdruck zu bringen. Ohne ihre Emotionen einzusperren, gibt er den Veränderungen Raum, die Giulia nach und nach zu der Erkenntnis ihres Wunsches führen, ein eigenes und unabhängiges Leben zu führen und die Nabelschnur zu durchtrennen, an der sie bis zu diesem Zeitpunkt hing. Um endlich in die Welt hinauszutreten.
Cristina Piccino, Il Manifesto

Cinema!Italia!

Marco Danieli (1976, Tivoli) tritt früh in Kontakt mit dem Theater, als er sich der experimentellen Gruppe „Zona Franca“ anschließt. 2007 macht er seinen Abschluss am „Centro Sperimentale di Cinematografia“ in Rom. Er ist Regisseur zahlreicher Dokumentar- und Kurzfilme, darunter Il migliore dei mondi possibili, über die Situation in den italienischen Gefängnissen, Il silenzio di Corviale, Ultima spiaggia, Le gemelle Wrestler und Nessuna rete. Ferner arbeitete er für den Fernsehkanal QChannel. 2016 realisierte er mit La ragazza del mondo seinen ersten abendfüllenden Spielfilm.
   
  LA TENEREZZA/Die Zärtlichkeit

Regie: Gianni Amelio
Drehbuch: Gianni Amelio, Alberto Taraglio, nach einem Roman von Lorenzo Marone
Kamera: Luca Bigazzi
Schnitt: Simona Paggi
Ausstattung: Giancarlo Basili
Musik: Franco Piersanti
Produktion: Pepito Produzioni
Darsteller: Renato Carpentieri (Lorenzo), Elio Germano (Fabio), Giovanna Mezzogiorno (Elena), Micaela Ramazzotti (Michela), Greta Scacchi (Aurora), Arturo Muselli (Saverio), Giuseppe Zeno (Giulio)

Italien 2017
103 Minuten, OmU

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Lorenzo ist Rechtsanwalt im Ruhestand und lebt als Witwer allein in einer schönen Wohnung im Zentrum Neapels. Er versprüht stets schlechte Laune und hat sich einen emotionalen Schutzpanzer zugelegt, sicherheitshalber. Dasselbe haben seine erwachsenen Kinder getan, mit denen er möglichst wenig zu tun haben will. Als nebenan neue Nachbarn einziehen, funktioniert das mit dem Panzer nicht mehr so ganz. Lorenzo ist zu seinem eigenen Erstaunen gern bei Michela, der jungen Frau, er redet mit Fabio, ihrem Ehemann, und spielt mit den Kindern. In dieser augenscheinlich glücklichen Familie erkennt er, wie seine eigene Familie hätte sein können, aber niemals war. Doch ein schreckliches Ereignis scheint alles unwiederbringlich zu zerstören…

Zwei Familien, die auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden werden, und ein verbitterter alter Mann, der sich langsam wieder öffnet und das Gefühl der Zärtlichkeit wiederfindet. Auch über die Katastrophe hinaus. Gianni Amelio, einer der großen Altmeister des italienischen Kinos, konnte für seinen bewegenden neuen Film mit Elio Germano, Giovanna Mezzogiorno, Micaela Ramazzotti, Greta Scacchi und Renato Carpentieri ein herausragendes Schauspielerensemble gewinnen.

Cinema!Italia! Cinema!Italia!

Was ist Zärtlichkeit? Zum Beispiel die Fähigkeit, sich an der Hand zu halten, ohne einen besonderen Grund dafür zu brauchen. Heutzutage wird es immer schwerer, miteinander in Kontakt zu treten, obwohl jeder von uns eine Geste der Zärtlichkeit braucht, die uns sagt: „Ich bin bei dir.“ Diese Zärtlichkeit, die uns hilft, wenn wir im Dunkeln tappen. Wenn man über 70 Jahre alt ist, so wie ich, fühlt man sich gegenüber den Menschen, die einem am nächsten stehen, häufig unsicher. Lorenzo kann sich besser seiner Nachbarin öffnen, die keine Fragen stellt. In ihr findet er seine Tochter wieder, die in Wirklichkeit allerdings einen ganz anderen Charakter hat.
Gianni Amelio

Die Angst, nicht geliebt zu werden, aber vor allem auch, nicht lieben zu können. Die Kraft und die Zerbrechlichkeit von Gefühlen, die häufig irrational, grausam oder geheimnisvoll sind und die uns in Konflikte mit anderen und mit uns selbst stürzen. Dies sind die Themen, um die sich der Film La tenerezza von Gianni Amelio dreht. Es ist eine persönlich gefärbte Aufarbeitung des zugrundegelegten Romans La tentazione di essere felici von Lorenzo Marone, in welcher der Regisseur die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern reflektiert. Wie auch in seinen anderen Filmen geht es um den schwierigen Dialog der Generationen.
Alessandra De Luca, Avvenire

Der Film handelt von der Angst, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, von der Unfähigkeit, die richtigen Worte zu finden. Natürlich kann es für einen Erwachsenen zur Neurose werden, wenn er sich darauf versteift, emotional ein bockiges Kind bleiben zu wollen: aus diesem Grund lauern in dieser Geschichte auch der Schmerz und der Tod. Und aus diesem Grund muss Lorenzo die Hölle durchqueren, um sein Paradies wiederzufinden. Oder besser noch, um eben die Erfahrung der Zärtlichkeit machen zu können.
Alberto Crespi, L'Unità

Gianni Amelio (1945, San Pietro Magisano). Nach dem Philosophiestudium arbeitet er zunächst als Regieassistent im Kino der 60er Jahre. Sein Regiedebüt gibt er 1970 mit dem TV-Film La fine del gioco. Nach La città del sole (1973) und La morte al lavoro (1978) etabliert er sich mit Colpire al cuore (1982), I ragazzi di Via Panisperna (1988), Porte aperte (1989), Ladri di bambini (1992), Lamerica (1994) und Così ridevano (1998) als einer der bedeutendsten italienischen Regisseure. Es folgen Le chiavi di casa (2004), La stella che non c’è (2006), Il primo uomo (2011), L’intrepido (2013) und La tenerezza (2017).