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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1                
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
   
 

9. Feb. – 9. März 2017

 

DOK – DDR – Umsonst

 

4 Wochen, über 180 Filme aus 44 Jahren.

  Programm           Regisseure und Filme           Presseheft                  Presse             
  EINTRITT FREI FÜR ALLE FILME! (Kein Einlass garantiert bei verspätetem Kommen!)
 

Es war einmal ein Land, mit Namen DDR. Viel wurde über dieses Land berichtet. DOK DDR präsentiert Ihnen eine Innensicht von z. T. namhaften, international renommierten Regisseuren in vier Fällen (Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Winfried Junge, Heynowski & Scheumann) mit ihrem verfügbaren Gesamtwerk.

4 Wochen, über 180 Filme aus 44 Jahren.
„Sie sehen selbst – Sie hören selbst – urteilen Sie selbst“ – Einen Monat lang bieten wir mit der Reihe „DOK DDR umsonst“ die einmalige Gelegenheit, sich knapp drei Jahrzehnte nach Mauerfall mit 180 DDR-Dokumentarfilmen aus 44 Jahren ein umfassendes Bild von der Innensicht der DDR und dem Blick der DDR auf die Welt zu machen.

Regisseure und Filme
Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Winfried Junge, Heynowski & Scheumann, Kurt Maetzig, Karl Gass, Annelie und Andrew Thorndike, Gitta Nickel, Helke Misselwitz, Petra Tschörtner, Richard Cohn-Vossen, Roland Steiner, Dieter Schumann, Günter Jordan, Eduard Schreiber, Gunther Scholz, Peter Rocha, Ernst Cantzler, Karlheinz Mund, Andreas Voigt, Uwe Belz, Heinz Brinkmann, Jörg Foth, Kurt Tetzlaff, Leonija Wuss-Mundeciema, Jochen Kraußer

  Foto: Eberhard Garbe
   
   
  Programm
  Filmbeschreibungen unter den jeweiligen Regisseuren!
  Jürgen Böttcher      Mehr Info        English Version
  Volker Koepp     Mehr Info       English Version
  Winfried Junge    Mehr Info
  Heynowski & Scheumann, Kurt Maetzig, Karl Gass, Annelie und Andrew Thorndike, Gitta Nickel, Helke Misselwitz, Petra Tschörtner, Richard Cohn-Vossen, Roland Steiner, Dieter Schumann, Günter Jordan, Eduard Schreiber, Gunther Scholz, Peter Rocha, Ernst Cantzler, Karlheinz Mund, Andreas Voigt, Uwe Belz, Heinz Brinkmann, Jörg Foth, Kurt Tetzlaff, Leonija Wuss-Mundeciema, Jochen Kraußer
   
 

DO 9.02.2017  und 21.2. in Anwesenheit Jürgen Böttcher!

  19:30
Eröffnung: DOK – DDR – Umsonst

Berlin im Aufbau, D 1946, R: Kurt Maetzig, 22 min, Mädchen in Wittstock, DDR 1975, R: Volker Koepp, 20 min, Kommando 52, DDR 1965, R: Walter Heynowski, 34 min, Rangierer, DDR1984, R: Jürgen Böttcher 22 min, Omengl  In Anwesenheit von Regisseur Jürgen Böttcher

Di, 21.2.2017 20:00: Barfuß und ohne Hut, DDR 1964, R: Jürgen Böttcher, OmenglU Rangierer, DDR 1984, R: Jürgen Böttcher, OmenglU, Wäscherinnen, DDR 1972, R: Jürgen Böttcher, insg.: 71 min, OmenglU, In Anwesenheit Jürgen Böttcher

 

  Berlin im Aufbau DEFA 1946, R: Kurt Maetzig, 22 Min

Ein Dokument aus der ersten Phase des Wiederaufbaus, das Mut machen will und die gesamte Stadt im Blick hat. Zu sehen sind u.a. die Frankfurter Allee mit der ersten Schnellverkehrsstraße nach dem Krieg, die U-Bahnstationen Nollendorfplatz und Gleisdreieck sowie die neuen Gemüsegärten im zerstörten Tiergarten. Die Reportage würdigt die Aufbauwilligen - politische und jüdische KZ-Häftlinge, Trümmerfrauen, Kriegsversehrte, Politiker. Auch der Blick in die Zukunft wird gewagt: Berlin soll sich nicht mehr um einen Stadtkern gruppieren, sondern sich in Form eines Bandes von Ost nach West erstrecken.

„nüchtern im Berliner Sinne: lakonisch, das Unerhörte als Selbstverständliches ausstellend“
(Günter Jordan, Dokumentation der 42. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 1996)

Drehorte: u.a. Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Kurfürstendamm, Zoo, Funkturm
   
 

FR 10.02.2017

  20:00 Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner, DDR 1985, Jürgen Böttcher, 32 min, OmenglU, Martha, DDR 1978, Jürgen Böttcher, 56 min, OmenglU
   
 

SA 11.02.2017

  14:45 Das Jahr 1945, DDR 1984, R: Karl Gass, 90 min
15:15 Sie, DDR 1970, R: Gitta Nickel, Heuwetter - Geschichten aus Hohenselchow 1972 und 1963, DDR 1972, R: Gitta Nickel, Das Zünglein an der Wahrheit, DDR 1987, R: Gitta Nickel, 24 min

15:45 Der Kinder wegen - Flucht ins Vaterland, DDR 1963, R: Winfried Junge, Vom lernenden Menschen, DDR 1964, R: Winfried Junge, Einberufen, DDR 1971, R: Winfried Junge, Sagen wird man über unsere Tage - Erkundungen auf einer großen Baustelle, DDR 1974, R: Winfried Junge, Termin Spirale I, DDR 1977, R: Winfried Junge, insg.:121 min

17:15 Leben in Wittstock, DDR 1984, R: Volker Koepp, 85 min

20:00 Barfuß und ohne Hut, DDR 1964, R: Jürgen Böttcher, OmenglU Rangierer, DDR 1984, R: Jürgen Böttcher, OmenglU, Wäscherinnen, DDR 1972, R: Jürgen Böttcher, insg.: 71 min, OmenglU

22:15 Winter Adé, DDR, 1988, R: Helke Misselwitz, 116 min

   
 

SO 12.02.2017

  14:15 Der lachende Mann, DDR 65', Globke heute 29'
14:30 Lebensläufe - Die Geschichte der Kinder von Golzow in einzelnen Porträts, DDR 1980, R.: Winfried Junge
16:15 Berlin - Prenzlauer Berg - Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990, DDR 1990, R: Petra Tschörtner, 75 min

18:30 Barfuß und ohne Hut, DDR 1964, R: Jürgen Böttcher, 26 min, OmenglU Wer die Erde liebt, DDR 1973, R: Jürgen Böttcher, 72 min
19:45 Mädchen in Wittstock, DDR 1975, R: Volker Koepp, 20 min, Wieder in Wittstock, DDR 1976, R: Volker Koepp, 22 min, In Rheinsberg, DDR 1982, R: Volker Koepp, 30 min, An der Unstrut, DDR 1985, R: Volker Koepp, 28 min

20:30 Mit vorzüglicher Hochachtung, DDR 1967, R: Walter Heynowski, 32 min, Brüder und Schwestern, DDR 1963, Walter Heynowski, 40 min, Liebesbriefe 66, DDR 1965, R: Walter Heynowski, Peter Voigt, 33 min

   
 

MO 13.02.2017

  15:15 Ferientage, DDR 1963, Winfried Junge, 24 min, Mit beiden Beinen im Himmel - Begegnung mit einem Flugkapitän, DDR 1968, Winfried Junge, 33 min, Ich bin ein Junger Pionier, DDR 1973, Winfried Junge, 38 min, Hummelflug, DDR 1978, Winfried Junge, 18 min

15:30 Berlin im Aufbau, D 1946, R: Kurt Maetzig, 22 min, Mädchen in Wittstock, DDR 1975, R: Volker Koepp, 20 min, Kommando 52, DDR 1965, R: Walter Heynowski, 34 min, Rangierer, DDR1984, R: Jürgen Böttcher 22 min, OmenglU

17:30 In Sachen H. und acht anderer, DDR 1972, R: Richard Cohn-Vossen, 29 min, Jugend-Zeit, DDR 1978, R: Roland Steiner, 18 min, Jugend-Zeit zu zweit, DDR 1981, R: Roland Steiner, 19 min, Jugendwerkhof, DDR 1982, R: Roland Steiner, 31 min

17:30 Piloten in Pyjama I, DDR 1968, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 68 min

19:00 Piloten in Pyjama II, DDR 1968, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 62 min

19:30 Hermann Henselmann, Architekt, DDR 1985, R: Gunther Scholz, 22 min, Probleme am laufenden Band, DDR 1989, R: Karlheinz Mund, 35 min, Ich war ein glücklicher Mensch, DDR 1990, R: Eduard Schreiber, 60 min

21:45 Aparte Bilder, DDR 1983, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 10 min, Bye-bye Wheelus, DDR 1971, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 77 min

   
 

DI 14.022017

  15:00 Im Pergamon-Museum, DDR 1962, R: Jürgen Böttcher, 19 min, OmenglU Stars, DDR 1963, R: Jürgen Böttcher, 20 min, OmenglU Der Sekretär, DDR 1967, R: Jürgen Böttcher, 29 min, OmenglU, Im Lohmgrund, DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 27 min, OmenglU

16:30 Schnappschüsse aus Chile, DDR 1985 min, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 4 min, Eine Minute Dunkel macht uns nicht blind, DDR 1976, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 66 min

20:00 Die Mauer, DDR 1990, R: Jürgen Böttcher, 99 min, OmenglU
22:00 Zwei Deutsche, DDR1988, R: Gitta Nickel, 94 min

   
 

MI 15.02.2017

  16:00 Bis der Mensch kam, DDR 1961, R: Winfried Junge, 15 min, Keine Pause für Löffler - Ein Lehrer und seine 6c DDR 1974, R: Winfried Junge, 71 min
16:30 Leben in Wittstock, DDR 1984, R: Volker Koepp, 85 min

18:15 Aktfotografie - z.B. Gundula Schulze, DDR 1983, R: Helke Misselwitz, 12 min, Tango-Traum, DDR 1985, R: Helke Misselwitz, 20 min, Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann, DDR 1989, R: Helke Misselwitz, 52 min

20:00: In Georgien, DDR 1987, R: Jürgen Böttcher, 106 min, OmenglU
22:00 Fliege, roter Schmetterling, DDR 1980, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 16 min Kampuchea - Sterben und Auferstehn, DDR 1980, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 90 min

   
 

Do, 16.02.2017

  17:00 Das Pflugwesen – es entwickelt sich, DDR 1987, R: Winfried Junge, 28 min – 35 mm, Diese Briten, diese Deutschen, DDR 1988, R: Winfried Junge, 60 min – 35 mm
18:00 Piloten in Pyjama III, Der Job, DDR 1968, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 82 min
19:45 Piloten in Pyjama IV, Die Donnergötter,, DDR 1968, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 80 min
21:30 Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner, DDR 1985, R: Jürgen Böttcher, 32 min, DenglU, Die Küche, DDR 1987, R: Jürgen Böttcher, 43 min, DenglU
   
 

Fr, 17.02.2017

  17:30 Der Lachende Mann, DDR 1966, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 65 min
17:30 Anmut sparet nicht noch Mühe, DDR 1979, R: Winfried Junge, 105 min

22:15 Berlin – Auguststraße, DDR 1979, R: Günter Jordan, 79 min, Einmal in der Woche schrein, DDR 1982, R: Günter Jordan, 17 min
   
 

Sa, 18.02.2017

  17:30 Potters Stier, DDR 1981, R: Jürgen Böttcher, 16 min, DenglU, Venus nach Giorgione, DDR 1981, R: Jürgen Böttcher, 21 min, DenglU, Frau am Klavichord, DDR 1981, R: Jürgen Böttcher, 17 min, DenglU, Die Küche, DDR 1987, R: Jürgen Böttcher, 43 min, DenglU

20:00 Wieder in Wittstock, DDR 1976, R: Volker Koepp, 22 min, Wittstock III, DDR 1978, R: Volker Koepp, 32 min, Leben und Weben, DDR 1981, R: Volker Koepp, 29 min


21:45 Der Krieg der Mumien, DDR 1974 , R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 96 min
   
 

So, 19.02.2017

  14:30: Der Affenschreck, DDR 1961, R: Winfried Junge, 9 min, Wenn ich erst zur Schule geh, DDR 1961, R: Winfried Junge, 13 min, Nach einem Jahr - Beobachtungen in einer ersten Klasse, DDR 1962, R: Winfried Junge, 15 min, Elf Jahre alt, DDR 1966, R: Winfried Junge, 29 min, Wenn man vierzehn ist, DDR 1969, R: Winfried Junge, 36 min, Wenn jeder tanzen würde wie er wollte, na!, DDR 1972, R: Winfried Junge, 25 min, 35 mm

17:45 Afghanistan 1362. Erinnerung an eine Reise, DDR 1985, R: Volker Koepp, 55 min Feuerland, DDR 1987, R: Volker Koepp, 30 min, Märkische Ziegel, DDR 1989, R: Volker Koepp, 34 min, DenglU

20:00 Ich war, ich bin, ich werde sein, DDR 1974, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 76 min
   
 

Mo, 20.02.2017

  17:30 Schaut auf diese Stadt, DDR 1962, R: Karl Gass, 85 min

20:00 Winter Adé, DDR 1988, R: Helke Misselwitz, 116 min

22:15 Eintritt kostenlos, DDR 1976, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 11 min, Vietnam 1 - Die Teufelsinsel, DDR 1976, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 65 min
   
 

Di, 21.02.2017

  17:45 Ein Pfeiler im Strom, DDR 1983, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 46 min, 35 mm, Phoenix, DDR 1979, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 65 min, 35 mm

20:00: Barfuß und ohne Hut, DDR 1964, R: Jürgen Böttcher, OmenglU Rangierer, DDR 1984, R: Jürgen Böttcher, OmenglU, Wäscherinnen, DDR 1972, R: Jürgen Böttcher, insg.: 71 min, OmenglU, In Anwesenheit Jürgen Böttcher

21:30 An der Unstrut, DDR 1985, R: Volker Koepp, 28 min In Rheinsberg, DDR 1982, R: Volker Koepp, 30 min, Mädchen in Wittstock, DDR 1975, R: Volker Koepp, 20 min , Wieder in Wittstock, DDR 1976, R: Volker Koepp, 22 min
   
 

Mi, 22.02.2017

  17:30 Geisterstunde, DDR 1967, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 76 min

19:30 Arbeiterfamilie, DDR 1969, R: Jürgen Böttcher, 30 min, Song international, DDR 1971, R: Jürgen Böttcher, 45 min, Wäscherinnen, DDR 1972, R: Jürgen Böttcher, 23 min, DenglU

21:30 Kamerad Krüger, DDR 1988, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 94 min
   
 

Do, 23. Februar 2017

  17:30 Der springende Punkt, DDR 1986, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 8 min, Teufelszeug, DDR 1987, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 12 min, Zum Beispiel: Regensburg, DDR 1983, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 7 min, Amok, DDR 1984, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 14 min, Vietnam 3 - Ich bereue aufrichtig, DDR 1977, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 53 min

19:30 In Syrien auf Montage, DDR 1970, R: Winfried Junge,19 min, Syrien auf den zweiten Blick, Teil 2, DDR 1971, Winfried Junge, 33 min, Nicht jeder findet sein Troja – Archäologen, DDR 1990, Winfried Junge, 39 min

21:45: Vietnam 4 - Die eiserne Festung, DDR 1977, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 60 Min, Die fernen Freunde nah, DDR 1979 Studio R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 44 min
   
 

Fr, 24. Februar 2017

  17:00 In Sachen H. und acht anderer DDR 1972, R: Richard Cohn-Vossen, 29 Min, Jugend-Zeit DDR 1978, R: Roland Steiner, 18 Min, Jugend-Zeit zu zweit DDR 1981, R: Roland Steiner, 19 Min, Jugendwerkhof DDR 1982, R: Roland Steiner, 31 Min

17:45 Unsere Kinder DDR 1989, R: Roland Steiner, 88 Min

20:15 In Georgien DDR 1987, R: Jürgen Böttcher, 106 Min, OmeU
   
 

Sa, 25. Februar 2017

  18:00 Kamerad Krüger DDR 1988, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 94 Min

20:00 Dresden, wenige Jahre danach DDR 1958/59, R: Jürgen Böttcher, 24 Min, Notwendige Lehrjahre DDR 1960, R: Jürgen Böttcher, 18 Min, OmeU, Drei von vielen DDR 1961, R: Jürgen Böttcher, 34 Min, OmeU, Ofenbauer DDR 1962, R: Jürgen Böttcher, 15 Min, OmeU

21:45 flüstern & SCHREIEN DDR 1988, R: Dieter Schumann, 120 Min
   
 

So, 26. Februar 2017

  14:00 Die Prüfung / Chronik einer Schulklasse DDR 1971, R: Winfried Junge, 20 Min, Ich sprach mit einem Mädchen DDR 1975, R: Winfried Junge, 30 Min, Studentinnen - Eindrücke von einer Technischen Hochschule DDR 1965, R: Winfried Junge, 25 Min, Studentenfasching DDR 1964, R: Winfried Junge, 8 Min – STUMM!, Winfried und Barbara Junge zu Gast


18:00 Sommergäste bei Majakowski, DDR 1967 R: Volker Koepp, 30 Min, Wir haben schon eine ganze Stadt gebaut, DDR 1968, R: Volker Koepp, 5 Min, Junge Leute DDR 1970, R: Volker Koepp, 15 Min, Hütes-Film DDR 1977, R: Volker Koepp, 35 Min

19:30 El Golpe Blanco. Der weiße Putsch DDR 1975, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 68 Min, Mitbürger DDR 1974, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 7 Min, Psalm 18 DDR 1974, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 5 Min, Geldsorgen DDR 1975, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 6 Min, Remington Cal. 12 DDR 1972, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 14 Min
   
 

Mo, 27. Februar 2017

  17:15 Ich erinnere mich noch DDR 1977, R: Volker Koepp, 17 Min, Teddy DDR 1973, R: Volker Koepp, 25 Min, Der Oktober kam DDR 1970, R: Karl Gass, Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Gitta Nickel, Peter Rocha, Peter Ulbrich, Alexander Ziebel, 70 Min

17:45 Immer wenn der Steiner kam, DDR 1976, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 62 Min, Meiers Nachlaß DDR 1975, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 21 Min

19:30 Die Mauer DDR 1990, R: Jürgen Böttcher, 99 Min, OmeU

21:30 Ofenbauer DDR 1962, R: Jürgen Böttcher, 15 Min, OmeU, Silvester DDR 1963, R: Jürgen Böttcher, 10 Min, Charlie und Co DDR 1963, R: Jürgen Böttcher, 14 Min, Wir waren in Karl-Marx-Stadt DDR 1967, R: Jürgen Böttcher, 34 Min, Tierparkfilm DDR 1967, R: Jürgen Böttcher, 18 Min, OmeU
   
 

Di, 28. Februar 2017

  17:00 Murieta DDR 1977, R: Jürgen Böttcher, 18 Min, Erinnere Dich mit Liebe und Hass DDR 1974, R: Jürgen Böttcher, 40 Min, Die Mamais DDR 1974, R: Jürgen Böttcher, 19 Min, Kindertheater DDR 1965, R: Jürgen Böttcher, 27 Min,

18:00 Jubiläum einer Stadt - 750 Jahre Rostock DDR 1968, R: Winfried Junge, 24 Min, Auf der Oder DDR 1969, R: Winfried Junge, 29 Min, Syrien auf den zweiten Blick, Teil 2, DDR 1971, R: W. Junge, 33 Min, Somalia - Die große Anstrengung DDR 1976, R: Winfried Junge, 20 Min

21:30 Haus und Hof DDR 1980, R: Volker Koepp, 31 Min, Tag für Tag DDR 1979, R: Volker Koepp, 32 Min, Gustav J. DDR 1973, R: Volker Koepp, 19 Min, Grüße aus Sarmatien für den Dichter Johannes Bobrowski DDR 1972, R: Volker Koepp, 14 Min

22:00 Berlin - Prenzlauer Berg - Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990 DDR 1990, R: Petra Tschörtner, 75 Min
   
 

Mi, 1. März 2017

  17:00 Piloten im Pyjama, Teil 1, Yes Sir, DDR 1968, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 68 Min

17:15 Großkochberg - Garten der öffentlichen Landschaft DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 16 Min, OmeU, Ein Weimarfilm DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 69 Min, OmeU

18:00 Du und mancher Kamerad DDR 1956, R: Annelie und Andrew Thorndike, 104 Min

18:30 Piloten im Pyjama, Teil 2, Hilton-Hanoi, DDR 1968, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 62 Min

20:00 Exercises DDR 1981, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 10 Min, Die Angkar DDR 1981, R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, 98 Min

22:00 In Syrien auf Montage DDR 1970, R: Winfried Junge, 19 Min, Somalia - Nicht länger arm sein DDR 1976, R: Winfried Junge, 36 Min, Gruß aus Libyen oder Grün ist eine schöne Farbe DDR 1988, R: Winfried Junge, 22 Min
   
   
  Beschreibungen
  24 Wochen, D 2016, R: Anne Zohra Berrached mit Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Emilia Pieske, Johanna Gasdorf, 103 Min.
Ein Film mit großer Strahlkraft und voll emotionaler Wucht: Die Geschichte von Astrid, die sich entscheiden muss, ob sie ein wahrscheinlich schwer behindertes Kind zur Welt bringen will, ist nicht nur herausragend gespielt, sondern in der Verbindung von Spielfilm, Improvisation und Dokumentation ein extrem intensives Werk, das viele Fragen stellt und nur einige beantworten kann. Julia Jentsch und Bjarne Mädel spielen als Paar überragend natürlich und authentisch, jeder für sich und beide gemeinsam. Sie werden unterstützt von einer überaus beweglichen Kamera und von einer Regie, die mehr beobachtet als dirigiert. Weder tränenselig noch schnulzig, geht der Film absolut unter die Haut und ans Herz.
   
 

Helke Misselwitz

  Sie gehört zu den wichtigen Filmschaffenden der letzten DEFA-Generation.

1947 in Planitz nahe Zwickau geboren, Abitur und gleichzeitig Berufsabschluss als Möbeltischlerin, Ausbildung zur Physiotherapeutin in Erfurt.
Neunjährige Tätigkeit beim Fernsehen der DDR als Regieassistentin und Regisseurin im Jugendfernsehen, 1978-1982 Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg. Danach Gelegenheitsarbeiten in der Galerie „Sophienstrasse 8“ und der Mitropa in Berlin-Lichtenberg. Ab Ende 1983 freischaffend im DEFA-Studio für Dokumentarfilme tätig. 1985-88 Meisterschülerin der Akademie der Künste der DDR bei Heiner Carow, 1988-91 Festanstellung im DEFA-Studio für Dokumentarfilme Berlin, danach freischaffend als Autorin und Regisseurin tätig, seit 1991 Mitglied der Akademie der Künste Berlin, seit 1997 Professorin für Regie an der HFF KONRAD WOLF, jetzt Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.
2014 erhält sie einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin.
   
   
  Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann DDR 1989, R: Helke Misselwitz, 52 Min

Jahreswechsel 1988/1989. Eine Kohlenhandlung im tiefsten Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg nahe Schönhauser Allee. 1961, im Jahr des Mauerbaus, musste der anno 1922 gegründete Betrieb aus dem Grenzsperrbezirk umziehen.

Im Mittelpunkt stehen die resolute Chefin, eine Berlinerin, die den Familienbetrieb umsichtig und klug, energisch und gewitzt führt und ihre sieben Kohlenmänner – Klaus, Manne, Kalle, Erwin, Pummel, Felix und Knöppchen. Helke Misselwitz begleitet die Truppe bei ihrer täglichen Arbeit: Die Männer hacken Holz, fahren Kohle aus, schleppen sie mehrere Stockwerke hoch und stapeln sie in den Wohnhäusern der Kunden.

Die schwere Knochenarbeit wird in harten Schwarz-Weiß-Aufnahmen deutlich. Nach der Arbeit trinken sie oft gemeinsam ein Bier und erzählen. So gewährt die Regisseurin auch Einblicke in das private, oft nicht rosige Leben der Protagonisten. Wir erfahren von ihrer Vergangenheit, von Republikflucht und Gefängnisaufenthalten, erhalten aber auch einen Einblick in ihr aktuelles Familienleben.

Fern von dem offiziellen Bild des Arbeiters ist ein offenes, nichts beschönigendes Portrait zu einer Zeit entstanden, als sich der politische Umbruch in der DDR allmählich anbahnte.

Preis des französischen Kulturfernsehens La Sept 1990, ausgewählt vom Museum of Modern Art New York 2005: DEFA-Retrospektive "Rebels with a cause".
   
   
  Winter adé DDR 1988, R: Helke Misselwitz, 116 Min

„Winter adé“ steht als Symbol für eine Zeit in der DDR, die geprägt war von dem Wunsch nach Veränderung. Die Regisseurin Helke Misselwitz begibt sich auf eine Eisenbahnreise quer durch das Land: Ausgehend von ihrer im Süden gelegenen Geburtsstadt Zwickau bis in den Norden an das Meer, einem Ort der Sehnsucht.

In verabredeten und zufälligen Begegnungen spricht sie mit Frauen verschiedener Generationen und unterschiedlicher sozialer Prägung über ihr Leben, ihre Hoffnungen und Sorgen. Brüche und Widersprüche, Traurigkeit und Poesie erfährt der Zuschauer in den offenen Gesprächen mit der Ökonomin Hillu, mit Christine, der Brikettfabrikarbeiterin im Dreischichtsystem und ihrer behinderten Tochter, den Punkmädchen Anja und Kerstin, der betagten Margarete Busse auf ihrer Diamantenen Hochzeit, den Frauen in der Fischfabrik Saßnitz und der Kinderheimleiterin Erika „Banni“ Banhardt.

Die Sensation auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche 1988 gewann eine Silberne Taube und war 1989 auf dem Berlinale Forum zu sehen. 2009 war das Werk sogar titelgebend für eine Berlinale Filmreihe.

Helke Misselwitz: „nicht nur ein Film über Frauen, sondern über Menschen in dieser Gesellschaft. … Es ging darum, zu erfahren, wie Menschen geworden sind, und was sie hindert, wirklich sie selbst zu sein.
Wie sehr ist der Mensch dem anderen Menschen zum Bedürfnis geworden. Das ist das eigentliche Thema.“
   
   
  Tango-Traum DDR 1985, R: Helke Misselwitz, 20 Min

Eine Frau sitzt an ihrer Schreibmaschine und denkt nach, sie raucht, erinnert sich, hört Musik, Tango natürlich, und weiß, "Buenos Aires und Montevideo sind weit weg". Doch dann nimmt sie uns mit auf ihre Reise ans andere Ende der Welt, in jene weit zurückliegende Zeit der Jahrhundertwende, als in den Hafenkneipen Argentiniens der Tango entstand.

Was ist ein Tango? Helke Misselwitz befragt Bücher und alte Filme und sogar einen Argentinier. "Ein Tango passiert oder er passiert nicht, und auch wenn er nicht passiert, ist das ein Tango", lautet dessen rätselhafte Antwort. Der Zuschauer reist in die Welt und durch die Zeit. Und bleibt doch in dem kleinen Zimmer. Ein Blick auf das Leben hinter unübersteigbaren Mauern. Und zugleich ein Traum vom Versinken in Tanz und Musik, von Fremdheit und Vertrautem, vom Sich-fallen-lassen und Aufgefangen-werden - ein Tango-Traum eben.
   
   
  Aktfotografie - z.B. Gundula Schulze DDR 1983, R: Helke Misselwitz, 12 Min

Ein Porträt der Fotografin Gundula Schulze: Am Beispiel einiger ihrer Arbeiten setzt der Kurzfilm der konventionellen Auffassung zur Aktfotografie eine neue Konzeption entgegen. Gundula Schulze plädiert für eine sozial bezogene Fotografie, die den Abgebildeten als Persönlichkeit und Partner des Fotografen akzeptiert.

Die Fotografin wendet sich gegen das von den Medien verbreitete Frauenbild, gegen Schönheit jenseits alltäglicher Realität. Für Schulze hat jede Frau ihre eigene, abbildenswerte Schönheit, wichtig ist ihr dabei auch die Individualität. Ruhe beim Fotografieren ist wichtig, um das Besondere im Bild herausholen zu können und Gesicht samt Körper als Einheit zu zeigen. Für sie ist fotografieren wie "eine Liebeserklärung".

Die junge Frau ist 1954 in Erfurt geboren, hat in Berlin Werbeökonomie studiert und nun im Fernstudium Fotografie. Ihre Diplomarbeit widmet sich dem Thema "Die Frau in der Aktfotografie der DDR".
   
 

Gitta Nickel

  Gitta Nickel zählt in der DDR zu den Besten ihres Fachs. Sie gehört zu den wenigen Frauen, die den Einstieg in den Regieberuf geschafft haben. 28. Mai 1936 in Briensdorf, Ostpreußen (heute Borzynowo, Polen) geboren. 1957 Staatsexamen Germanistik und Pädagogik, nach dem Studium Regieassistentin im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme. 1959 Regieassistentin im DEFA-Studio für Spielfilme, u.a. für Konrad Wolf, Ralf Kirsten, und Joachim Kunert. 1963 Wechsel zum DEFA-Studio für für Wochenschau und Dokumentarfilme; anfänglich für Karl Gass tätig, 1965 erster eigener Film; fünf Jahre Präsidentin des Nationalen Dokumentarfilmfestivals in Neubrandenburg, mehrmals Jurypräsidentin in Leipzig; insgesamt über 100 Filme, davon 30 nach der Wende. Gitta Nickel lebt in Werder.

„Nah am Leben und nah an den Menschen – das war die Maxime der hochdekorierten Dokumentarfilmregisseurin“ (Märkische Allgemeine, 2016)
   
   
  Zwei Deutsche DDR 1988, R: Gitta Nickel, 94 Min

Zwei Deutsche, Jahrgang 1928, Hitlers letztes Aufgebot. Zwei Fotos gehen um die Welt und zeigen die zwei Gesichter dieser deutschen Jugendgeneration: Ein blonder Junge, Hans-Georg, im offenen Militärmantel, verzweifelt weinend, aufgenommen nach einem desaströsen Rückzugsgefecht im April 1945. Der andere, Wilhelm, stolz lächelnd und strammstehend, von Hitler persönlich noch im März des Jahres als Held beglückwünscht.

Schon im Zweiten Weltkrieg kommt der Pressefotografie eine große Rolle zu, Bilder gehen um die Welt und erhalten auch für spätere Generationen Symbolcharakter. Die Dokumentarfilmer Gitta Nickel und Wolfgang Schwarze versuchen darüber hinaus, das persönliche Schicksal, Vergangenheit und Gegenwart von Hans-Georg Henke und Wilhelm Hübner zu entdecken.

Bis heute unterscheiden sich die beiden Männer deutlich. Henke ist bewusst politisch, Hübner, desinteressiert an Politik, irritiert den Zuschauer mit seinem kleinen Privatmuseum, einer Sammlung von Kriegsdevotionalien. In einem Wunsch allerdings gleichen sich die beiden, „Es darf keinen Krieg mehr geben“ – die einzig logische Konsequenz nach ihren bewegenden Erzählungen und der erschütternden filmisch-akustischen Umsetzung vom totalen Krieg.
   
   
  Das Zünglein an der Wahrheit DDR 1987, R: Gitta Nickel, 24 Min

Nicht Berge, sondern Häuser versetzt der Buchhändler und Kabarettist Rainer Schulze, eine ungewöhnliche, charismatische Persönlichkeit aus der alten Fachwerkstadt Wernigerode am Nordrand des Harzes. Als nicht umsetzbar schätzen die Handwerker seinen Plan ein, ein 300 Jahre altes, zum Abbruch freigegebenes Fachwerkhaus auf seinem Hof wiederaufzubauen. So realisiert Schulze 1984 innerhalb von drei Monaten das Projekt privat zusammen mit einem befreundeten Maschinenschlosser.

Stolz und mit Visionen erzählt er davon, was auf dem Hof in Zukunft noch alles entstehen kann: Ein Theater, eine Galerie samt Druckerei sowie zwei Atelierwohnungen. Grafikausstellungen und Lesungen veranstaltet Schulze schon jetzt in seiner Traditionsbuchhandlung an der Westernstraße 10. Der Name der so genannten Jüttners Buchhandlung geht auf Paul Jüttner zurück, der 1876 das Unternehmen übernahm. 1908 kauften die Großeltern Paul und Elisabeth Schulze das Geschäft, seitdem ist es – auch in der DDR – ein privates Familienunternehmen.

Neben seinem Beruf widmet sich Schulze dem Kabarett und singt mit schneller, spitzer Zunge Texte von Wolfgang Schaller. Seine Lieder beziehen Stellung gegen Schluderei und stromlinienförmige Angepasstheit. Diese Offenheit überrascht und erheitert – nicht nur – das Publikum vor Ort. Auch aus heutiger Sicht erstaunt dieser ehrliche Duktus am Vorabend der Friedlichen Revolution. Das PROGRESS Pressebulletin 12/1987 schreibt gar in diesem Zusammenhang „Für die Unbequemen, die der Sozialismus braucht“.

Eine rundum gelungene, empfehlenswerte Dokumentation von Gitta Nickel über die vitale Ausnahmeerscheinung Rainer Schulze, der bis heute in Wernigerode wirkt.

„Porträts erweisen sich für die Regisseurin als besonders geeignet, ihren Standpunkt zu verdeutlichen: die Dinge anzupacken.“
(Ines Walk, film-zeit.de, Stand 2010)
   
   
  Heuwetter - Geschichten aus Hohenselchow 1972 und 1963 DDR 1972, R: Gitta Nickel, 45 Min

Die LPG Hohenselchow zwischen 1963 und 1972. Was Karl Gass mit einem Stab von Regisseuren drehte, blieb neun Jahre im Archiv, bevor Gitta Nickel das Material für den Film nutzte. Diese zeitliche Distanz war nötig, um frühere Probleme heiter zu betrachten. Vergessen die morastigen Dorfstraßen und die wütenden Bauern aus der Anfangszeit der LPG, die inzwischen erfolgreich wirtschaftet. Unvergessen hingegen Frieda Franz, die eindringlich von ihrem Leben erzählt, der Kindheit in Armut, der ersten Liebe, dem Engagement der Frauen für die Genossenschaft. Die persönlichen Geschichten zeigen, welch dramatischen Wandlungen Menschen und Landschaften unterworfen sind.

Über diesen Gegenwartsdokumentarfilm sagte die Regisseurin Gitta Nickel in einem Interview mit Richard Ritterbusch: "für mich ein 'Klassiker’ ..., an dem ich mich in mancher Hinsicht immer wieder gemessen habe. Mit diesem Film habe ich erste große internationale Preise gewonnen" (2006).

Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche 1972: Silberne Taube, Preis der Association Internationale du Film Documentaire 1972, 19. Westdeutsche Kurzfilmtage Oberhausen 1973: Förderprämie
   
   
  Sie DDR 1970, R: Gitta Nickel, 30 Min

Ärztin, Schichtleiterin, Arbeiterin – Sie sprechen über Familienplanung und Emanzipation. Im Berliner Textilkombinat "Treff-Modelle" äußern sich die Frauen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Funktion, Entwicklung und unterschiedlicher sozialer Verhältnisse zu grundlegenden Problemen in ihrem Leben.

Der Film behandelt Probleme der Gleichberechtigung der Frau, zeigt die Kompliziertheit dieses Prozesses und mögliche Lösungen.

Internationale Dokumentarfilmwoche Leipzig 1970: Silberne Taube
   
 

Petra Tschörtner

  Ende der 1980er Jahre zählt Petra Tschörtner neben Helke Misselwitz, Thomas Heise und Sibylle Schönemann zu den großen Hoffnungen des DDR-Dokumentarfilms.

6. Mai 1958 in Potsdam-Babelsberg geboren, gestorben 25. Juli 2012 in Berlin.

1977/78 Volontariat im DEFA-Studio für Spielfilme, 1978 bis 1983 Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg, 1983 Diplomfilm „Hinter den Fenstern“ (Hauptpreis der Internationalen Jury, Westdeutsche Kurzfilmtage Oberhausen), 1983/84 Regieassistentin im DEFA-Studio für Spielfilme; 1984 bis 1991 Regisseurin im DEFA-Studio für Dokumentarfilme; seit 1991 freie Filmemacherin und Autorin; 1995/96 Gastprofessorin für Dokumentarfilm an der HFF Konrad Wolf; ab 1997 als Regieassistentin tätig - kontinuierliche Zusammenarbeit mit Jürgen Brauer, Christian Stier, Peter Kahane; 2010/11 Lehrtätigkeit an der HFF Konrad Wolf.
   
   
  Berlin - Prenzlauer Berg - Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990 DDR 1990, R: Petra Tschörtner, 75 Min

Der Mythos Prenzlauer Berg, hier ist er zu besichtigen, mit seinen kleinen Leuten und Intellektuellen, mit den Uralt-Eingesessenen und denen, die sich selbst als „die Szene“ bezeichnen, mit seinen Hinterhofwohnungen und Kneipen. „Berlin – Prenzlauer Berg“ zeigt eine Momentaufnahme aus dem letzten Sommer der DDR – das Jahr 1990 zwischen Mai und Juli.

Ausverkauf - In den Geschäften werden die restlichen Waren aus vergangener Zeit verhökert, Euphorie mischt sich mit Wehmut und erster Zukunftsangst. Begegnungen – In den kleinen Läden und an der berühmten Currywurstbude unter dem Hochbahn-Bogen Ecke Schönhauser Allee. Wie eh und je wird in den Kneipen gefeiert und geschwoft, auch wenn die Veränderungen im Land bereits den alten Bezirk verändern.

Nostalgie trifft Anarchie – Ein Fotograf beklagt die verlorene Intimität, in einem besetzten Haus erklärt ein Plakat das „Verhalten bei Fascho-Alarm“, die Polizei macht Razzien unter Sprayern. Und in der Nacht bevor das Westgeld kommt, feiern die jungen Leute ihre Parties, mit Spaß, Trauer und Wunderkerzen. Auf der nächtlichen Schönhauser Allee aber singt ein einsamer Mann ein altes Kinderlied über die Heimat. Ein Abschied, in dem das Leben so schön sein darf, wie es vielleicht nie war.
   
 

Annelie und Andrew Thorndike

  Annelie Thorndike (1925-2012) und Andrew Thorndike (1909-1979); 1950 lernen sich die beiden kennen, als Andrew Thorndike in Penzlin Aufnahmen für „Der Weg nach oben“ dreht. Ab 1952 arbeiten die beiden zusammen, im Jahr darauf heiraten sie. 1953 Andrew Thorndike wird in Westberlin verhaftet und nach internationalen Protesten wieder entlassen; 1954 Start der mehrjährigen Arbeit an „Du und mancher Kamerad“. 1963 Annelie Thorndike wird Abgeordnete der Volkskammer; 1967 gründet Andrew Thorndike den Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR, Annelie wird Vorstands- und ab 1980 Präsidiumsmitglied des Verbands.
Von 1973 bis 1989 ist Annelie Thorndike Präsidentin des Komitees der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche.

„Die Thorndikes haben ohne Zweifel interessantes Material gefunden, sie mussten sich auch geschickt der Bilder bedienen, doch stets mussten sich die Bilder in Auswahl und Montage der Argumentation unterordnen, mussten sie Thesen beweisen. … Wie anders waren da etwa die Dokumentararbeiten von Jürgen Böttcher, Winfried Junge oder Volker Koepp … Immerhin sind Andrew und Annelie Thorndike Zeugen und Produkte der DEFA Dokumentarfilmproduktion, und als solche verdienen sie Beachtung in der historischen Auseinandersetzung.“ (Filmdienst, 2002)
   
   
  Du und mancher Kamerad DDR 1956, R: Annelie und Andrew Thorndike, 104 Min

50 Jahre deutsche Geschichte - eine Montage zeithistorischen, internationalen Filmmaterials über die Ursachen und die politischen Hintergründe der beiden Weltkriege und den Alltag im Nationalsozialismus. Zum Abschluss wird das unterschiedliche Leben in Ost- und Westdeutschland gezeigt. - Arbeitstitel: Krieg oder Frieden.

Der Filmkomponist Paul Dessau im Progress Presseheft aus dem Jahr 1956: "In diesem Film spielen Volkslied und Soldatenlied eine große Rolle. Aber in gar keinem Falle kann es sich darum handeln, Stimmungen zu ’untermalen’, wie das in der Vergangenheit wohl viel praktiziert wurde. Die Musik hat vielmehr die Aufgabe, kritisch und wertend zu wirken. Ein Beispiel: Wenn wir in unserem Film vor dem ersten Weltkrieg, im Jahre 1910 eine Gruppe alter Herren in ihren Soldatenverbänden aufmarschieren sehen (Kriegervereine nannten sich diese Organisationen), dann glaube ich, wäre es falsch, einen zündenden Marsch zu spielen; es erklingt vielmehr an dieser Stelle zum ersten Mal das alte deutsche Volkslied ’Der Teufel als Schnitter’, welches in unserem Film noch an mehreren Stellen wiederkehrt.“
   
 

Richard Cohn-Vossen

  Geboren 30. September 1934 in Zürich, Schweiz als Sohn deutscher Emigranten. 1958 Dolmetscher im DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme, wird Regieassistent bei Annelie und Andrew Throndike.

„Richard Cohn-Vossen zählt bis Mitte der 1970er Jahre zu den bekanntesten Dokumentaristen der DEFA. Aber dann unterschreibt er die Resolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Damit ist seine Karriere in der DDR beendet, seine Filme verschwinden aus den Kinos, sein Name taucht nirgends mehr auf. Dabei heben sich seine Dokumentarfilme von vielen anderen der Zeit ab: Sie zeigen einen entschiedenen Sinn für das Ästhetische.“ (DEFA-Stiftung, Ines Walk, 2015)
   
   
  In Sachen H. und acht anderer DDR 1972, 29 Min

Neun Jugendliche stehen wegen Rowdytums und Körperverletzung vor Gericht. Sie sind angeklagt, am Berliner Kollwitzplatz Homosexuelle geschlagen, erpresst und beraubt zu haben. Das filmische Protokoll forscht angesichts hilfloser, öffentlich vorgetragener Erklärungsversuche nach den tieferen Motiven, die die jungen Männer vor Gericht brachten.

Dabei geht es nicht um eine Schuldzuweisung, vielmehr wird nach der Verantwortung von Elternhaus, Schule, Gesellschaft und eigenem Fehlverhalten gefragt. Mit nüchternem Kommentar und einer distanzierten Kameraführung wird jede Sensationsgier vermieden.
   
  Arbeiterfamilie in Ilmenau DDR 1977, R: Richard Cohn-Vossen, 20 Min

Das Ehepaar Ilse und Kurt Rosenhöfer aus Ilmenau erzählt freimütig und mit einfachen Worten ihren Lebens- und Arbeitsweg. Geprägt von ihrer erlebten Jugend in der Vor- und Nachkriegszeit berichten sie über ihre Erlebnisse in einem Privatbetrieb und über den Arbeitsplatzwechsel von einer alten Manufaktur zur "Neuen Porzellanfabrik Ilmenau".

Der Dokumentarfilm thematisiert die Entfremdung von der Arbeit durch moderne Technik; er schaut still beobachtend auf ein lebenslanges Arbeiterleben eines Ehepaares.

Richard Cohn-Vossen folgt nicht der Aufforderung, die Unterschrift unter die Biermann-Petition zurück zu ziehen. Daraufhin wird sein fast fertig gestellter Film „Arbeiterfamilie in Ilmenau“ nicht zur Aufführung frei gegeben. Die Rohschnittfassung schmuggelt Cohn-Vossen in die Bundesrepublik. Die DEFA-Stiftung restauriert die Kopie des Films 2011.
   
 

Roland Steiner

  Roland Steiner, geb. am 5. Oktober 1949 in Altenburg; 1968/69 Kameraassistent im DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme; 1970-1974 Regie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg, anschließend zwei Jahre Meisterschüler, u. a. bei Heiner Carow; 1977-1991 Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme; 1991-1993 Leiter der Fachrichtung Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg; 1995-2000 an der Oldenburger Universität „Carl von Ossietzky“ Leiter der Journalistischen Fortbildung Campus Radio
   
   
  Unsere Kinder DDR 1989, R: Roland Steiner, 88 Min

1986 beginnen die Dreharbeiten über Neonazis, Skinheads, Anti-Skins, Punks und Grufties in der DDR. Das Filmteam um Roland Steiner widmet sich erstmals diesem Tabuthema: Denn insbesondere rechtsradikale Jugendsubkulturen durfte es offiziell nicht geben in einem Staat, der stolz auf seine antifaschistische Tradition war. Vergehen der rechten Szene wurden deshalb stets als Rowdy-Prozesse getarnt und hart bestraft.

Steiner zeigt auch eines dieser Verfahren. Ein emotional besonders anrührender Moment entsteht durch den offenherzigen Brief von einem der Angeklagten an seine Mutter: „Alle haben mich verkannt. Keiner hat je verstanden, was ich wollte. … Weil ich anders sein wollte und nichts mit diesen ewigen Lügen, dem Neid zu tun haben wollte. … Ich war gebrandmarkt. Mich wollte keiner, und da wollte ich auch nicht.“

Steiner verurteilt nicht, spricht Stefan Heym und Christa Wolf zum Thema an und versucht zu ergründen, warum Jugendliche ihrem Land eine Kampfansage machen. Genannt werden die wiederholten Demütigungen, das herrschende Misstrauen und die ständige Kontrolle durch den Staat. Letztere erfährt Steiner unmittelbar, als ihn vor laufender Kamera ein Volkspolizist auf dem Berliner Alexanderplatz überprüft.

1989 auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche mit der Silbernen Taube und dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet, 1990 Einladung zum Forum der Berlinale.

Die Schriftstellerin Christa Wolf setzt sich mit zwei rechtsradikalen Jugendlichen auseinander und sagt im Gespräch: „Wissen Sie, ich bin ein komischer Mensch. Ich habe es mir mit den Feindbildern ganz abgewöhnt.“

„sehr mutiges Zeugnis der Staatsverdrossenheit und der niederdrückenden Gleichgültigkeit zwischen den Generationen“ (zweitausendeins.de, Stand 2009)
   
   
  Jugendwerkhof DDR 1982, R: Roland Steiner, 31 Min

“Jugendwerkhof“ ist ein Film aus der Reihe “Jugend-Zeit“. Vorgestellt werden die 15-jährige Maiga und andere Insassen eines Jugendwerkhofs. Maiga wurde eingewiesen, nachdem sie geklaut und die Schule geschwänzt hatte. Der Film will beleuchten, wie es dazu und zur daraus folgenden Einweisung kam.

Auch über die dortigen Erziehungsmaßnahmen berichtet Regisseur Roland Steiner, die “die Voraussetzungen schaffen sollen, gefährdeten Jugendlichen eine Entwicklung auf der Grundlage der gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen zu gewährleisten".

Ein zeitgenössischer Dokumentarfilm über die stark kritisierten Erziehungseinrichtungen.
 
   
   
  Jugend-Zeit zu zweit DDR 1981, R: Roland Steiner, 19 Min

Junge Leute erzählen vor der Kamera über ihre Vorstellungen von der Ehe, über Pläne für ihr zukünftiges Leben. Die geäußerten Meinungen werfen Fragen auf, deuten Probleme an, für die dem Zuschauer keine Lösungen angeboten werden. Sie sind Anlass zum Nachdenken.
   
   
  Jugend-Zeit DDR 1978, R: Roland Steiner, 18 Min

Der Dokumentarfilm berichtet von Anke, Birgit und Katrin, die eine Ausbildung zur Rinderzüchterin mit Abiturabschluss machen. Für diese Zeit leben sie in einem Internat. Die drei Mädchen aus Weimar erzählen von ihrem Alltag und stellen Überlegungen zu ihrer Zukunft an.
   
 

Dieter Schumann

  22. Juni 1953 in Ludwigslust/ Mecklenburg geboren. Von 1970 bis 1975 absolviert er eine Lehre und Fahrenszeit als Seemann bei der Deutschen Seereederei Rostock.

Danach von 1976 bis 1978 als Regieassistent beim DDR-Fernsehen. Anschließend Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Von 1983 bis 1990 Regisseur von Kino- und Fernsehfilmen im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Ab 1990 engagiert er sich beim Aufbau der kulturellen Filmförderung und des Landesfilmzentrums Mecklenburg-Vorpommern. 1991 Gründungsdirektor des Schweriner FilmKunstFestes. Von 1990 bis 2001 Leiter des Landesfilmzentrums Mecklenburg-Vorpommern. 2002 Gründung der Basthorster Filmmanufaktur. Ab 2002 Produzent wie auch als Autor und Regisseur von Dokumentarfilmen, u.a. 2010 „Wadans Welt“.

   
   
  flüstern & SCHREIEN DDR 1988, R: Dieter Schumann, 120 Min

Ein unterhaltsames Roadmovie über die Rock- und Punkszene in der DDR. Ein Jahr lang haben Dieter Schumann und sein Team Bands wie „Silly“ mit Tamara Danz, „Feeling B“ mit Aljoscha Rompe, „Chicoree“ und „Sandow“ auf ihren Tourneen begleitet. Alle Underground-Gruppen sind im Konzert zu sehen, im Kontakt mit ihrem Publikum.

Der Regisseur, der als Jugendlicher selbst leidenschaftlicher Musikfan war, wollte das Lebensgefühl und die Protesthaltung der Jugendlichen zeigen – entgegen den damals im Fernsehen üblichen FDJ-Darstellungen. Ihm ging es um die Kluft zwischen gesellschaftlichem Anspruch und realem Alltag. Über das Medium Musik haben sich Jugendliche gegen die verstaubten Zustände gewendet. Im Gespräch mit den Fans erfährt Schumann von ihren Sehnsüchten, sich ohne Einschränkungen kleiden und bewegen zu dürfen, zu widersprechen und nicht als staatsfeindlich abgestempelt zu werden, weil sie an die Stelle von Arbeit und politischer Organisation andere Interessen stellen.

Harter Rock als Rebellion gegen ein eingeengtes Leben am Vorabend der Friedlichen Revolution. Das Genre Musikfilm war für Schumann die einzige Möglichkeit, die Produktion genehmigt zu bekommen. Die Premiere fand im Oktober 1988 im Berliner Colosseum statt, das Kino war wochenlang ausverkauft. Insgesamt konnte der „Rockreport“ fast eine Million Zuschauer und damit Kultstatus erlangen. Im Jahr des Mauerfalls zeigte die Berlinale den Film in ihrem Programm und die ARD kaufte die Dokumentation. Bis heute hat der Dokumentarfilm seine eigene Fangemeinde.

„Ein lebhaftes Dokument einer lebendigen Szene und einer im Verborgenen blühenden Subkultur des ‚real existierenden Sozialismus’“
(Filmdienst)
   
 

Günter Jordan

  17. Januar 1941 in Leipzig geboren. Studium der Slawistik, Geschichte und Pädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1966 Sonderstudium für Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Ab 1969 Regie-Assistent im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, u.a. für Harry Hornig. Ab 1974 eigene Filme. Von 1976 bis 1986 Mitglied der Gruppe Dokumentarfilme für Kinder. Eines seiner wichtigen Themen ist die Selbsterfahrung Jugendlicher. Von 1982 bis 1988 Vorstandsmitglied des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Ab 1992 arbeitet Günter Jordan als freier Filmemacher und Filmhistoriker.
   
   
  Einmal in der Woche schrein DDR 1982, R: Günter Jordan, 17 Min

Die Jugend trifft sich auf dem Helmholtzplatz und begrüßt sich mit Handschlag. Skateboarder zeigen ihre Künste. Mit einer simplen Sicherheitsnadel stechen sich die Mädchen modische Ohrlöcher. Oft sitzen oder stehen sie in Gruppen an der Ecke, auch wenn mal wieder nichts passiert. Nur einmal in der Woche da ist richtig etwas los. In einem ehemaligen Laden gibt es „Willis Disko“ mit Clubcola und Schmalzstulle. Sobald der Türrolladen heruntergelassen ist, da wird getanzt und gerockt, was das Zeug hält. – 1982 gedreht und erst im Oktober 1989 zugelassen.

Gruppe Pankow: „Wer will an der Leine gehn? Ich will selber denken, selber sehn“

Drehorte: u.a. Helmholtzplatz, Berlin-Panorama (u.a. ehemaliges Gaswerk Danzigerstraße)
   
   
  Berlin – Auguststraße DDR 1979, R: Günter Jordan, 79 Min

Spandauer Vorstadt, Arbeiterwohngegend – vier Monate beobachtet Regisseur Günter Jordan die Schule in der Auguststraße 22. Die Kinder kommen aus der Rosenthaler, Koppen- und Gipsstraße und kennen keinen Neubaukomfort, aber sie lieben ihre Straße mit dem unverwechselbaren Berliner Milieu.

Im Fokus des Dokumentarfilms steht zum einen der junge, unkonventionelle Lehrer Bodo Jäger, der seine Schüler zu Diskussionen auffordert, Widerstand provoziert, aber zugleich Disziplin und Pflichtbewusstsein verlangt. Ihm geht es vornehmlich um demokratische Freiheiten und individuelle Selbstbestimmung. Auf der anderen Seite widmet sich der Filmemacher – ursprünglich selbst Lehrer – dem Mädchen Petra, jüngstes Kind einer elfköpfigen Familie. Ihre Mutter ist allein erziehend und berufstätig, einer ihrer Brüder sitzt im Gefängnis.

Ein inhaltlich aufschlussreicher Film mit Bildern nicht nur von der alten Auguststraße. Auch die Große Hamburger Straße, der Hackesche Markt, die Oranienburger Straße und der Berliner Dom zeigen den Zustand von Berlin Mitte vor über 35 Jahren.
Das Nachfolgeprojekt des Regisseurs, „Einmal in der Woche schrein“ (Arbeitstitel: Helmholtzplatz), wurde 1982 verboten und erst im Oktober 1989 zugelassen.
   
 

Eduard Schreiber

  1939 in Obernitz/ Böhmen geboren, Publizistik- und Literatur-Studium in Leipzig;
1970 Autor im DEFA-Studio für Dokumentarfilme; ab 1972 Regisseur im Studio; ab 1991 freischaffender Regisseur und Autor.
   
   
  Ich war ein glücklicher Mensch DDR 1990, R: Eduard Schreiber, 60 Min

Ein emotional tief berührendes Generationenportrait. Von außen schien es immer die idyllische Familie, Vater, Mutter, zwei Töchter. Tilbert Eckertz, Jahrgang 1912, schafft es beim Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst ADN bis zum stellvertretenden Chefredakteur, als er im Oktober 1953 unter Spionagevorwurf verhaftet wird. In seinem Schlussplädoyer spricht er davon, dass die Nachkriegsjahre seine glücklichste Zeit waren, worauf der Gerichtsvorsitzende antwortet: „Sie bleiben als Dreck am Wege liegen und der Sozialismus schreitet vorwärts“.

Trotz seiner knapp vier Jahre Haft im Gefängnis Luckau verliert er nicht den Glauben an das politische System - im Gegensatz zu seiner Frau. Mit einem Gefühl des Triumphs kehrt er zum ADN zurück. Die beiden Töchter erfahren in Gesprächen von den Zweifeln der Mutter, zunehmend reagieren auch sie mit Unverständnis auf den Vater. Die jüngere Tochter Susanne lebt die Gedanken der Mutter aus, das kulminiert in einem gescheiterten Fluchtversuch über Bulgarien. Nach 14 Monaten Untersuchungshaft kommt sie ins Frauengefängnis Hoheneck. Ihre größte Sorge ist, dass sie nicht die Kraft hat, stark zu bleiben.

Der erste Brief des Vaters jedoch ist vorwurfsvoll, damals trifft ihn die Handlungsweise der Tochter hart. Jahre später bereut er seine Worte sehr. In der Familie wächst ein tiefer, schmerzhafter Konflikt aufgrund der unterschiedlichen politischen Haltungen. Man versucht ihn durch Schweigen zu lösen. Die beiden jugendlichen Enkel erfahren erst nach dem Mauerfall von der Inhaftierung ihres Großvaters und geben zu, dass ihr Weltbild zu sehr ins Wanken geraten wäre, hätten sie es vorher gewusst.

Mit fester Überzeugung nennt sich Tilbert Eckertz selbst einen Optimisten und bezeichnet seine Haft als Unfall. Nur als er von seiner Vision von einer gerechten Welt spricht, wird seine Stimme brüchig.
   
 

Karl Gass

  Karl Gass, geboren am 2. Februar 1917 in Mannheim, gestorben 29. Januar 2009: Sein Lebenswerk besteht aus über 120 Dokumentarfilmen, Reportagen und Porträts.

Ein Höhepunkt: Sein Dokumentarfilm „Das Jahr 1945“ brachte es 1985 auf zwei Millionen Zuschauer und wurde damit zum erfolgreichsten DEFA-Film des Jahres.

Karl Gass, unbequemer Geist, produktiver, leidenschaftlicher und politischer Dokumentarist, Mentor von Dokumentarfilmregisseuren wie Winfried Junge, Volker Koepp und Gitta Nickel, prägte den Stil des DEFA-Dokumentarfilms maßgeblich. Er gilt als Wegbereiter und Meister des DEFA-Dokumentarfilms.

1917 in Mannheim geboren, in Köln und München aufgewachsen; ab 1931 aktiver Rudersportler; 1939 als Soldat eingezogen, 1945 in englischer Kriegsgefangenschaft;´das 1936 begonnene Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft ohne Examen in Köln beendet; 1946 von Karl-Eduard von Schnitzler als Wirtschaftsredakteur beim NWDR engagiert; 1948 Übersiedlung nach Berlin/ sowjetischer Sektor wie etliche andere Journalisten (u. a. Karl-Eduard von Schnitzler); Arbeit als Reporter beim Berliner Rundfunk mit eigener Sendung „Wir schalten uns ein“, dort Begegnung mit Gerhard Scheumann; 1950 erster Filmtext für Andrew Thorndikes „Weg nach oben“; nach seiner fristlosen Entlassung vom Rundfunk ab 1951 Tätigkeit beim DEFA-Studio für Wochenschau, zunächst als Textautor; 1953 erster eigener Film „Im Paradies der Ruderer“ knüpft an seine frühere Sportbegeisterung an; 1954-60 künstlerischer Leiter des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme, Begegnung mit Winfried Junge, der bei Gass als Regieassistent lernt; die Idee zu der Langzeitbeobachtung “Kinder von Golzow“ trägt Gass an Junge heran; 1955 Gründung der Leipziger Kultur- und Dokumentarfilmwoche, Vorläufer des heutigen Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm;

1960 Gründung und für 12 Jahre Leitung der künstlerischen Arbeitsgruppe „Karl Gass“, später aufgrund interner Zwistigkeiten umbenannt in „Effekt“; zunächst in Babelsberg, ab 1971 in Kleinmachnow, die räumliche Distanz zum Berliner DEFA-Studio für Dokumentarfilme gewährleistet relative Unabhängigkeit; 1965-72 Fernseh-Quizmaster für die DFF-Sendung „Sind Sie sicher?“; 1965-68 Leitung der Dokumentarfilmklasse der HFF Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam; 1969-71 nicht-öffentliche Filme für das „Zentralinstitut für sozialistische Wirtschaftsführung“ auf der Grundlage der Operationsforschung, im Gegenzug Experimente mit der 16mm-Filmtechnik ermöglicht; ab den 80er Jahren Beschäftigung mit historischen Sujets; 1990 letztes Filmopus „Nationalität: deutsch“; mit Ende der DEFA zieht er sich als Filmregisseur in den Ruhestand zurück.

   
   
  Das Jahr 1945 DDR 1984, R: Karl Gass, 90 Min

Noch im Januar 1945 wird in Berlin die Parole ausgegeben: „Glauben, kämpfen, siegen“, doch bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 werden mehr Menschen sterben als in den fünf Jahren zuvor.

Mit zum großen Teil bis dahin unveröffentlichtem oder auch in Vergessenheit geratenem, internationalem Archivmaterial dokumentiert Regisseur Karl Gass die letzten 128 Tage des Zweiten Weltkriegs. Der Kompilationsfilm zeigt in erschütternden und bis heute erhellenden Bildern die Zerstörung der Städte und die wesentlichen Kriegsschauplätze der Alliierten. Gleichzeitig korrigiert er damit das seinerzeit in der DDR übliche Bild der alleinigen Befreiung durch die Sowjetarmee.

Auf Betreiben einiger Fernsehverantwortlicher wurde allerdings das offene Eingeständnis im Kommentar zensiert: „Auch wir Kommunisten tragen eine Teilschuld an der Entwicklung der Geschichte, weil wir die Machtergreifung nicht verhindern konnten“. Angeregt von den Recherchen zu diesem Film entstand das Porträt „Eine deutsche Karriere“ zu dem Hitler-Nachfolger und in den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher angeklagten Karl Dönitz.

Zwei Millionen Zuschauer sahen den Dokumentarfilm 1985 im Kino und machten ihn damit zum erfolgreichsten DEFA-Film des Jahres. Im Startjahr erhielt „Das Jahr 1945“ auf der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche gleich drei Preise: Die Silberne Taube, den FIPRESCI- und Don-Quichotte-Preis. Die 40. Internationalen Filmfestspiele Berlin präsentierten 1990 Karl Gass’ Werk in der Retrospektive „Jahr 1945“.

„Spannender, klug montierter und kommentierter, um Wahrhaftigkeit bemühter Dokumentarfilm, ... greift ... auch Tabuthemen wie Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten auf.“ (filmlexikon.de, Stand 2009)
   
   
  Asse - Anno 74 DDR 1974, R: Karl Gass, 79 Min

Wiederbegegnung mit guten alten Freunden: Manchen seiner Filmprotagonisten trifft Karl Gass nach über einem Vierteljahrhundert wieder, wie Werner Eigenwillig aus "Turbine I“. Außerdem besucht er auch den Bildhauer Axel Schulz aus "Asse“ und den Kapitän Heinz Adler aus "Vom Alex zum Eismeer“.

Siegfried Graupner steht für 25 Jahre Aufbauarbeit: Er hat als Einsatzleiter u.a. während der Weltfestspiele in Berlin im Jahr 1950, in Eisenhüttenstadt und in Schwedt gewirkt. Nun arbeitet er am Industriekomplex Kernkraftwerk Nord.

In frechem 1970er Jahre Design erzählt der Film von den Veränderungen und Visionen bis ins Jahr 2000 hinein und bietet dem heutigen Zuschauer zugleich historisch Interessantes, wie eine Begegnung mit Egon Krenz oder das legendäre Sparwasser-Tor.
   
   
  Asse DDR 1966, R: Karl Gass, 75 Min

"Asse“ sind die Monteure und Schweißer um den Brigadier Herbert Habener, die als Retter in großer Not nach vielem Wenn und Aber nach Schwedt gekommen sind. Zu Beginn finden sie Chaos vor, das sie unter großem Zeitdruck und ungeheurem Engagement bewältigen.

Der "Kapitän“ Habener koordiniert die Arbeit und schweißt alle zum Team zusammen. Doch wenn Versprechungen der Leitung sich als leer erweisen, dann erwacht Proteststimmung und Habener muss seine Mannschaft beruhigen und von der Arbeitsniederlegung abhalten.

In neun Episoden porträtiert Karl Gass leidenschaftlich und fast in Westernmanier die 50 Männer, die auch den Beinamen "Die Habeners“ tragen. Von der ungestümen Stimmung her absolut mit den "Ballas“ aus "Spur der Steine“ (Regie: Frank Beyer) zu vergleichen.

Portrait über die Mitglieder der Brigade "Habener" vom VEB Schwermaschinenbau "Karl Liebknecht" in Magdeburg beim Aufbau des Erdölverarbeitungswerks Schwedt.
   
   
  Schaut auf diese Stadt DDR 1962, R: Karl Gass, 85 Min

Der Film beginnt mit einer polemischen Montage: Während in West-Berlin Militärfahrzeuge, Panzer und Soldaten der US-Armee und der anderen westlichen Alliierten patrouillieren, ist der Osten vom friedlichen Aufbau erfüllt: Die Zuschauer sehen Hörsäle, einen Staudamm, Felder, Braunkohlentagebaue und Arbeiter, die nach der Schicht ihre Fabrik verlassen.

“Schaut auf diese Stadt” will beweisen, wie sehr dieser friedliche Aufbau von West-Berlin bedroht wird. Die Halbstadt, ein “Pfahl im Fleisch der DDR”, wird als Hort von Unkultur, Schiebern, Saboteuren und Agenten, Sexbars und moralischem Verfall dargestellt. Adenauer und Strauß, Ernst Reuter und Willy Brandt seien Helfershelfer der “Kriegstreiber” und Revanchisten.

Ein perfekt montierter, aus einer Fülle selten gezeigter Szenen zusammengestellter Propagandafilm mitten aus dem Kalten Krieg, der sich am Ende zu einer uneingeschränkten Zustimmung zum Mauerbau emporschwingt. Gezeigt werden jubelnde DDR-Männer und -Frauen, die den Kampfgruppen zuwinken. Für die Tränen und das Leid, das die Mauer über die Menschen diesseits und jenseits des Stacheldrahtes brachte, blieb dabei keinerlei Raum. Den Text zu “Schaut auf diese Stadt” schrieb Karl-Eduard von Schnitzler.
 
   
 

Gunther Scholz

  Gunther Scholz ist Spielfilm- und Dokumentarfilmregisseur. Am 9. Oktober 1944 in Görlitz geboren. 1963 bis 1965 Berufsausbildung als Schriftsetzer; danach Start mit Studium der Theaterwissenschaften in Leipzig. 1967 bis 1971 Regie-Studium an der Filmhochschule Babelsberg, danach auf Empfehlung von Konrad Wolf arbeitet er für ein Jahr im Armeefilmstudio. 1973 bis 1977 Regie-Assistent, 1978 bis 1991 Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme, jedoch immer wieder Wechsel in den Dokumentarfilm-Bereich. Nach dem Ende der DDR freischaffender Regisseur und Autor, u.a. 2008 „Sag mir, wo die Schönen sind“ und 2010 „Heute war damals Zukunft“. Gunther Scholz lebt in Berlin.
   
  Hermann Henselmann, Architekt, Jahrgang 1905, DDR 1985, 22 Min

Mit 18 Jahren kam er nach Berlin, am Alexanderplatz stieg er damals aus. Da konnte er sich noch nicht vorstellen, wie sehr er einmal die Architektur der Stadt prägen sollte. Heute sind mit seinem Namen Orte wie die Karl-Marx-Allee, das Haus des Lehrers oder der Fernsehturm verbunden. Der 80-jährige Hermann Henselmann (1905-1995) erzählt unverblümt, zuweilen launig-provokativ bis beschwipst von seinen Bauten, Visionen und auch den nicht umgesetzten Entwürfen: So z.B. von dem nicht realisierten Fernsehturm mit roten, nachts wie Warnlichter leuchtenden Rubinen von 1959.

Henselmann: „Asphalt und Beton sind mir lieber als die ollen nassen Wiesen!“

Drehorte: u.a. Wallstraße, Alexanderplatz, Strausberger Platz
   
 

Peter Rocha

  Geboren am 1. September 1942 in Gotha; gestorben am 30. August 2014 in Potsdam. Sein Großvater war der niedersorbische Volksdichter Fryco Rocha. 1961 bis 1964 Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst Berlin, Fachrichtung Malerei; danach Regieassistent bei der DEFA in Berlin-Johannisthal. 1965 bis 1969 Regie-Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie in der Spezialklasse für Dokumentarfilm bei Karl Gass. Danach freier Regisseur und Autor im DEFA-Studio, ab 1970 Festanstellung – in der Arbeitsgruppe "Effekt" unter Leitung von Karl Gass. 1982/1983 Sonderstudium am Institut für Literatur "Johannes R. Becher" in Leipzig. Ab 1985 Arbeit in der Gruppe "Kontakt" des DEFA-Dokumentarfilmstudios. Ende der 1980er Jahre großes Filmthema: die Braunkohlenwirtschaft in der DDR und deren Umweltzerstörung. Bis 1991 Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme; danach freier Regisseur und Autor.

„Peter Rocha war Dokumentarfilmer geworden, weil er viel dichter an die Wahrheit herankommen wollte. ‚Ich denke, wir kamen oft so nah dran, dass wir uns fast verbrannt haben‘, sagte Rocha später in dem Buch ‚Das Prinzip Neugier. Defa-Dokumentarfilmer erzählen‘.“ (Potsdamer Neueste Nachrichten, 2014)
   
   
  Die Schmerzen der Lausitz [Zalosci nam Luzyca] DDR 1990, R: Peter Rocha, 59 Min

„Wir sind noch zu retten! Helft Bürger!“ – Mit diesen Appellen demonstrieren die Lausitzer. In eindrucksvollen Luftaufnahmen zeigt Peter Rocha im dritten Teil seines Filmzyklus über die Lausitz die erschreckenden Ausmaße der Landschaftsverwüstung.
Zugleich ist dies eine Mahnung vor der Vernichtung der sorbischen Kultur.

Gespenstisch erscheint die ausgehobene Landschaft, der vom Braunkohletagebau hinterlassene Kahlschlag: Abgetötete Natur, abgefahrene Zivilisation. Ein sorbisches Dorf nach dem anderen muss der Braunkohle weichen. Mit der Landschaft verschwinden Kultur, Lebensweise und Sprache. Die sind ihrer Heimat entfremdet und vereinzeln sich wurzellos in den Städten in anonymen Plattenbauten. Die Großstädte wiederum scheinen mit ihrem gigantischen Energieverbrauch am Beginn der Kausalkette zu stehen. In den Aufnahmen vom Oktober 1989 bis zum Frühling 1990 dokumentieren die Einwohner ihre Entschlossenheit, für den Fortbestand der Dörfer zu kämpfen.

Mit ihren Erwartungshaltungen und Hoffnungen kommen zu Wort: Der Schriftsteller Jurij Koch, der Liedermacher und Baggerfahrer Gerhard Gundermann, der Landschaftsarchitekt Otto Rindt und Heinjak Strittmatter, der Bruder des Dichters Erwin Strittmatter.
   
   
  Das Singen im Dom zu Magdeburg DDR 1988, R: Peter Rocha, 20 Min

Jüdische und christliche Musik verschmelzen in diesem Film über einen der ältesten Chöre Deutschlands, den Chor im Magdeburger Dom, der seit 1980 gemeinsam mit dem Oberkantor der jüdischen Gemeinde Westberlins, Estrongo Nachama, auftritt. Sie singen gemeinsam auch chassidische Lieder in hebräischer Sprache. Den Chor gab es schon, als Walther von der Vogelweide hier Weihnachten feierte. Der Dom hat Verwüstungen und Kriege überlebt, zuletzt die Bombardierung Magdeburgs im Januar 1945. "Ach, wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war", singt der Chor. Wieviel Hoffnung liegt darin, wenn dieser Chor nun gemeinsam mit Estrongo Nachama probt und singt.

Ein Dokument der Versöhnung und des deutsch-deutschen kulturellen Austauschs fernab der offiziellen Politik. Regisseur Peter Rocha hatte zufällig von dieser ungewöhnlichen Konstellation erfahren. Schon in seinem Dokumentarfilm "Mutter" widmete sich Rocha seinen jüdischen Wurzeln.
   
   
  Mutter DDR 1981, R: Peter Rocha, 29 Min

Der Autor und Regisseur des Films Peter Rocha porträtiert seine jüdische Mutter. Die 80-jährige Frau berichtet über die Kriege des 20. Jahrhunderts, über Not, Elend, aber auch tägliche Freuden. Wie die Musik klang, die sie als junges Mädchen liebte, wie sie als alleinerziehende Mutter in den 1920er Jahren lebte, was das Kind in sein Schulheft schrieb über Erbtüchtige und Erbuntüchtige, wie das Kind schließlich umkommt und sie weiterleben muss für den kleinen Sohn.
   
 

Ernst Cantzler

  Geboren am 27. Mai 1940 in Berlin; Kleindarsteller im DEFA-Studio für Spielfilme; 1962/63 Schauspieleleve in Staßfurt; 1968 Regieassistent im Armeefilmstudio; 1969 im DEFA-Studio für Dokumentarfilme; 1971 bis 1977 Regie-Externstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Potsdam-Babelsberg; 1977 bis 1991 Regisseur im DEFA-Dokumentarfilmstudio. Bis Mitte der 1980er Jahre zusammen mit Konrad Weiß, Jochen Kraußer und Roland Steiner Arbeit in der Kinder- und Jugendfilmgruppe des Studios. 1982 bis 1988 Vorstandsmitglied des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Ernst Cantzler lebt bei Potsdam.
   
   
  Und freitags in die "Grüne Hölle" DDR 1989, R: Ernst Cantzler, 49 Min

Szenen wie die aus dem Fußballstadion und dem Hooliganlokal „Grüne Hölle“ hatte man bis dahin noch nicht gesehen: Gewaltverliebte jugendliche Fußballfans aus dem „ersten deutschen Friedensstaat“. Sensationell ist diese Dokumentation vor allem, weil die Porträtierten unauffällige Männer sind. Über ihre regelmäßigen Straßenkämpfe, sprechen sie, als seien sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags. Gut ausgerüstete Jugendliche gegnerischer Klubs bekämpfen sich fast lustvoll und verbünden sich gegen die Polizei. Die Filmemacher sind mit Mikrophon und Kamera inmitten der explosiven Mischung aus Aggression, Frust und Langeweile. Der Sinn dieser kollektiven Gewalt liegt in der Lust an der Gewalt.
   
 

Karlheinz Mund

  Geboren am 11. September 1937 in Eberswalde. Nach einer Lehre als KFZ-Schlosser Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Berlin (1955 bis 1958). Beleuchter im Dokumentarfilmstudio. Von 1959 bis 1963 Regie-Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1963 Regieassistent, 1965 bis 1992 Regisseur im DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme. Seitdem freischaffend. Von 1990 bis 1991 Vorstandsmitglied des Film- und Fernsehverbandes.
   
   
  Probleme am laufenden Band DDR 1989, R: Karlheinz Mund, 35 Min

IFA-Motorenwerke Nordhausen im November 1987. Seit mehr als 20 Jahren werden hier vier- und sechszylindrische Dieselmotoren gebaut - für den W 50, für Traktoren und Mähdrescher. Motoren in über 200 Varianten, ein einziger Motor besteht aus 400 Einzelteilen. Zu häufig ist Handarbeit gefordert, eine Modernisierung tut not.

Auf Grundlage einer Dissertation bestellt das Nordhausener Werk in Japan ein neues Transportband, das dort nach deutschen Ideen entwickelt wird. Doch bald zeigen sich in Thüringen große Unterschiede zwischen Theorie und Praxis. Die Theorie spricht von so genannter Nestmontage, in der der Mechaniker im „Nest“ den kompletten Motor zusammenbauen soll. Ziele sind Arbeitserleichterung und Steigerung der Effektivität.

Die Arbeiter hingegen beklagen die über ihre Köpfe hinweg gefallene Entscheidung, die Schichtleiter versuchen zu beruhigen: „Das ist kein Dogma“. Ein Jahr lang beobachtet Regisseur Karlheinz Mund Diskussionen, Konfliktsituationen, Erkenntnisse und Weiterentwicklungen. Das Resümee: Es gibt Probleme am laufenden Band.
   
 

Andreas Voigt

  Geboren am 25. August 1953 in Eisleben. Physikstudium in Kraków. 1973-78 Studium der Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeschichte in Berlin. Ab 1978 Dramaturg und Autor im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, von 1984-87 externes Regie-Studium an der HFF Potsdam-Babelsberg. Bis 1991 Regisseur und Autor im Dokumentarfilmstudio, seither freischaffender Regisseur, Autor und Produzent.

2017: Bayerischer Filmpreis für „Alles andere zeigt die Zeit“.

www.andreas-voigt-film.de 

   
   
  Leipzig im Herbst DDR 1989, R: Andreas Voigt, 54 Min.

Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 1989: Auftaktfilm, Goldene Taube.

Demonstrationen und Diskussionen in Leipzig zwischen dem 16. Oktober und 7. November 1989. Interviews mit Teilnehmern der Massendemonstrationen, Gespräche mit den Müllmännern, die Banner und Plakate entfernen müssen – und dann doch gestehen, dass sie die darauf geschriebenen Forderungen berechtigt finden. Die aufgezeichneten Debatten unter Kollegen in den Betrieben spiegeln das Denken und Fühlen in der Anfangsphase des gesellschaftlichen Umbruchs wider.

Zur Einschätzung der Lage äußern sich Vertreter des Neuen Forums, Theologen, Volkspolizisten, ihre Vorgesetzten und Staatsfunktionäre. Damals festgenommene Demonstranten zeigen nach ihrer Freilassung die Pferdeställe, in denen sie mit zig anderen zusammengepfercht 20 Stunden und mehr auf nacktem Betonboden stehend warten mussten. Ein junger Wehrpflichtiger, der auf Seiten der Volkspolizei zum Einsatz kommt, bekennt: „Ich habe mich unheimlich geschämt, für diese Misspolitik, die hier gemacht wurde, meine Person herzugeben … als Polizist diese Politik zu verteidigen, obwohl das gar nicht in meinem Sinn war.“

Nicht mal ein Dutzend DEFA-Dokumentarfilmer klemmen sich in diesen entscheidenden Tagen die Kamera unter den Arm und sammeln Material von der Wende. Voigt, Kroske und Richter versehen ihre Kompilation dementsprechend mit dem Untertitel: „Ein Material“. Sie ist die erste und bis heute vermutlich umfassendste Dokumentation der Ereignisse um den 9. Oktober. Das Filmteam bleibt dicht am Geschehen – vielleicht könnte ihr Film noch einen Beitrag zum Wandel leisten. Doch die Wirklichkeit überholt sie. Der Film wird auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig 1989 als erster Rückblick gezeigt.

   
   
  Alfred DDR 1986, R: Andreas Voigt, Gerd Kroske, 42 Min, OmeU

In seinem Diplom-Abschlussfilm porträtiert Andreas Voigt den 76-jährigen Leipziger Alt-Kommunisten Alfred Florstedt, der eine Woche nach dem dieser ihm sein Leben erzählte, im Februar 1985 verstarb. In einer sehr subjektiven Erzählweise rekonstruiert der Regisseur Florstedts Biografie mit Fotos und Tonbandaufzeichnungen. Alfred glaubte an einen Sozialismus, den es so nie gab. Sein Leben ist eingebettet in die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Voigts Spurensuche führt den Zuschauer auch in den Leipziger Westen nach Lindenau und in die Arbeiterviertel von Plagwitz. "Alfred" bildet den Auftakt von Voigts sechsteiliger "Leipzig-Reihe".

Filmclubs der DDR: "Findling" - Bester Dokumentarfilm
   
 

Kurt Maetzig

  Kurt Maetzig, geb. am 25. Januar 1911 in Berlin als Sohn des Inhabers der Filmkopierfabrik Robert Maetzig; Studium der Chemie, Ingenieur-, Volks- und Betriebswissenschaft an der TH München. An der Pariser Sorbonne hört er Vorlesungen zu Verfassungs-, Zivil- und internationalem Recht. 1933 Regieassistent; 1935 Gründung des Trickfilm-Ateliers „Radius“;

1937 Berufsverbot durch die Reichsfilmkammer aufgrund der jüdischen Abstammung seiner Mutter; 1946 Gründungsmitglied des Filmaktivs zur Vorbereitung der DEFA-Produktion und Gesamtleitung der ostdeutschen Wochenschau „Der Augenzeuge“ (Motto der Anfangszeit: „Sie sehen selbst – Sie hören selbst – urteilen Sie selbst“;

17. Mai 1946 Mitbegründer, Mitlizenzträger und Vorstandsmitglied der DEFA; 1947 Spielfilmdebüt; 1954 Gründungsrektor der Deutschen Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, bis 1964 Leitung, ab 1955 Professor für Filmregie;

bis 1975 Arbeit als Regisseur; ab 1979 Ehrenpräsident auf Lebenszeit der Internationalen Vereinigung der Filmklubs (FICC); 1987 Veröffentlichung seiner Biografie „Filmarbeit“. 2009 dreht Andreas Dresen „Whisky mit Wodka“: Der Plot geht auf eine wahre Begebenheit zurück, nämlich die Dreharbeiten zu Maetzigs „Schlösser und Katen“. Kurt Maetzig ist am 08. August 2012 in Wildkuhl in Mecklenburg-Vorpommern gestorben.

   
   
  Berlin im Aufbau DEFA 1946, R: Kurt Maetzig, 22 Min

Ein Dokument aus der ersten Phase des Wiederaufbaus, das Mut machen will und die gesamte Stadt im Blick hat. Zu sehen sind u.a. die Frankfurter Allee mit der ersten Schnellverkehrsstraße nach dem Krieg, die U-Bahnstationen Nollendorfplatz und Gleisdreieck sowie die neuen Gemüsegärten im zerstörten Tiergarten. Die Reportage würdigt die Aufbauwilligen - politische und jüdische KZ-Häftlinge, Trümmerfrauen, Kriegsversehrte, Politiker. Auch der Blick in die Zukunft wird gewagt: Berlin soll sich nicht mehr um einen Stadtkern gruppieren, sondern sich in Form eines Bandes von Ost nach West erstrecken.

„nüchtern im Berliner Sinne: lakonisch, das Unerhörte als Selbstverständliches ausstellend“ (Günter Jordan, Dokumentation der 42. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 1996)

Drehorte: u.a. Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Kurfürstendamm, Zoo, Funkturm
   
 

Kurt Tetzlaff

  Geboren am 22. Februar 1933 in Tempelburg/ Pommern. Nach dem Abitur dramaturgischer Assistent im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme Babelsberg. Von 1955 bis 1960 Regie-Studium an der Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; von 1964 bis 1969 Lehrtätigkeit an der Hochschule für Filmkunst. Von 1960 bis 1991 Regisseur und Autor zunächst im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme, später im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Ab 1977 Vorsitzender des Künstlerischen Rates.
   
  Erinnerung an eine Landschaft – für Manuela, DDR 1983, R: Kurt Tetzlaff, 54 Min

Kurt Tetzlaff griff mit seinem Film ein „heißes Eisen“ auf: Den Abriss von Dörfern im mitteldeutschen Braunkohlegebiet, das Vordringen der Tagebaue in einstmals besiedelte Landschaften. Der Regisseur verfolgte diesen Prozess in einigen Gemeinden südlich von Leipzig über mehrere Jahre, und er interessierte sich für die ganz persönlichen Schicksale der betroffenen Menschen. Unpolemisch zeigt er die Vertrautheit besonders der älteren Generation mit ihrem Stückchen Erde. Zugleich beobachtet der Film, wie sich die Menschen in den Neubauwohnungen einrichten, wie junge Leute den bisher nicht gekannten Komfort im Plattenbau genießen. Dennoch bleiben Trauer und Melancholie.

„Erinnerung an eine Landschaft - für Manuela“ weitete sich zu einem Gleichnis über den Verlust von Heimat, die Zerstörung der Natur im Namen von Fortschritt und von Wohlstand.
   
   
 

Uwe Belz

  Geboren am 5. Oktober 1937 in Berlin. Nach einer Optiker-Lehre an die Fachschule für Fotografie und Optik in Berlin-Weißensee; danach Arbeit als Kamera-Assistent und später als Kameramann beim Deutschen Fernsehfunk. Anfang der 1960er Jahre Regie-Assistent bei der DEWAG Werbefilm, ab 1963 im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme. 1963 bis 1968 externes Regie-Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Gehört der Künstlerischen DEFA-Arbeitsgruppe "document", u.a. mit Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Winfried Junge und Karlheinz Mund. Ab 1991 freischaffender Regisseur und Szenarist, zeitweise auch Gastdozent für Regie und Montage an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg.

„Der Dokumentarfilmer Uwe Belz ist einer der meistbeschäftigten ostdeutschen Filmemacher. An mehr als 150 Filmen, vorrangig Dokumentarfilmen, Reportagen und Reiseberichten ist er beteiligt. … Seinen vielen Filmporträts merkt der Zuschauer die Zuneigung des Regisseurs zu seinen Protagonisten an, oft überzeugen sie auch durch leisen Humor.“ (DEFA-Stiftung.de, Ines Walk, 2006)
   
  Essay über ein Fischweib oder Min Herzing DDR 1974, R: Uwe Belz, 15 Min

„Essay über ein Fischweib oder Min Herzing“ ist ein besonderes Portrait über den letzten Arbeitstag der Rostocker Fischfrau Hedwig Anke. Mit ihren 72 Jahren hat sie über 50 Jahre als Fischverkäuferin gearbeitet und alle ihre Kunden „Min Herzing“ genannt. Heute steht dieser Begriff in Warnemünde symbolisch für die norddeutsche Schlagfertigkeit. Schon 1968 entwickelte die Ostsee-Zeitung mit „Min Herzing“ eine fiktive Figur, die Missstände kritisieren konnte. Lebensfroh, dynamisch und schlagfertig erzählt Hedwig Anke mit einfachen Worten ganz offen, so wie es die Symbolfigur "Min Herzing" auch machen würde, über ihre Erlebnisse eines langen Lebens als, wie sich selbst nannte, "Fischweib". Für die Einheimischen war Hedwig Anke immer eine „Min Herzing“, sie konnte sich unter den gesellschaftlichen Verhältnissen der DDR erlauben kritischer und direkter zu sein als andere Menschen. Mit beeindruckenden Bildern werden die Erzählungen von Hedwig Anke unterlegt, Privatfotos ergänzen die Jahrzehnte und zeigen das Leben der Fischer und "Fischweiber" in Warnemünde und Rostock auf. Mit 72 Jahren muß sie aus gesundheitlichen Gründen ihren geliebten Beruf aufgeben, das letzte Fischweib geht und hinterlässt eine große Lücke im norddeutschen Raum.
   
  Klemke DDR 1970, R: Uwe Belz, 26 Min

Ein lebensfrohes Porträt des international anerkannten Künstlers, Buchgestalters, Illustrators, Gebrauchsgrafikers und Hochschullehrers Professor Werner Klemke (1917-1994) über sein Leben, seine Arbeitstechniken und seine Auftraggeber.

XIII. Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche für Kino und Fernsehen, 1970: Ehrende Anerkennung
   
 

Jörg Foth

  Geboren am 31. Oktober 1949 in Berlin. 1971 Volontär beim Fernsehen der DDR, in der Redaktion Agrarpolitik. 1972 bis 1977 Regie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen. Ab 1978 Regie-Assistent u.a. bei Ulrich Weiß sowie Günther Rücker und Günter Reisch. 1983 erster eigener Film. 1984 Festanstellung als Nachwuchsregisseur im DEFA-Studio für Spielfilme, jedoch keine eigenen Filmprojekte. 1987/1988 einige Kurzfilme als Gast im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. April 1988 gemeinsam mit anderen jungen Regisseuren "Manifest der Nachwuchsgruppe der Sektion Spielfilm" auf dem V. Kongress des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Im Frühjahr 1990 Festanstellung als Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme, im Herbst 1990 Entlassung im Zuge der Abwicklung der DEFA. Ab 1991 Arbeit für Fernsehen und Theater.
   
  Tuba wa duo, DDR 1989, R: Jörg Foth, 12 Min

Prenzlauer Berg, vis à vis der Gethsemanekirche, in Vorwendezeiten. Über die Dächer der alten, grauen Mietshäuser hinweg, spielen sich die beiden Tubisten Georg Schwark und Michael Vogt in clownesker Weise die Töne und Texte zu. Ihre musikalische Klangvielfalt hallt wider im engen Geviert eines Berliner Hinterhofs. Auch von den Bewohnern schallen absurde Botschaften in den Himmel über Berlin. Von fern, aus dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, mischen sich die Olé-Schlachtrufe der Fußballfans dazu. Neue Zeiten brechen sich bahn, alte Häuser müssen weichen und werden gesprengt.
Prenzlauer Berg, wie es einmal war. - Nach dem gleichnamigen Rüpeldrama von Hans-Eckardt Wenzel

„Auch für die Tuba ist das neue Denken gefragt“ und „gilt es, Blasnost zu schaffen“

Drehorte: u.a. Hausdächer nähe Schönhauser Allee, Kino Colosseum

Georg Schwark ist seit 1982 Solo-Tubist beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Michael Vogt ist seit 1986 Solo-Tubist des Berliner Sinfonie-Orchesters, dem heutigen
Konzerthausorchester Berlin.
   
 

Jochen Kraußer

  Geboren am 7. Februar 1943 in Hildburghausen. 1966 bis 1971 Studium der Filmwissenschaft an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; schon während der Studienzeit Arbeit als Regisseur. 1969 bis 1990 Anstellung beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme, zunächst im Bereich der Auslandsinformation, später Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendfilm u.a. mit Konrad Weiß, Ernst Cantzler, Günter Jordan, Günter Meyer, Petra Tschörtner und Roland Steiner. Nach 1990 freier Regisseur.
   
   
  Leuchtkraft der Ziege - Eine Naturerscheinung DDR 1987, R: Jochen Kraußer, 19 Min

Ein merkwürdig gebautes Mobil fährt durch eine Ackerlandschaft. Begegnung mit einer scheinbar unendlich wandernden Kindergartengruppe und einem Amateurfilmer, der sein Werk dem Publikum vorführt. Seine Zuschauer hatten nie zuvor eine leuchtende Ziege gesehen. Kraußer beobachtet Laienkünstler, u.a. eine Amateurfilmgruppe, und führt zugleich die offizielle Kunstdoktrin auf vergnügliche Weise ad absurdum. In Kraußers Arbeiten stößt man auf Individuen. Sein groteskes Opus Magnum ist bis heute ein Kultfilm in Filmclubs.

„Ein surrealistischer Film mit einer tierischen Hauptdarstellerin, nämlich einer Ziege: Mit einer guten Portion Selbstironie erzählt dieser kurze Streifen die Geschichte eines Amateurfilmers, der wiederum eine Amateurfilmgruppe, die sich auf Dorfkrimis spezialisiert hat, auf Zelluloid bannt.“ (Planet TV)
   
 

Leonija Wuss-Mundeciema

  Regisseurin, Autorin Übersetzerin und Schauspielpädagogin. Geboren 1939 in Riga/ Lettland. Philologie-Studium in Riga. Von 1966 bis 1971 Regiestudium am Moskauer Filminstitut WGIK in der Meisterklasse von Sergej Gerassimow und Tamara Makarowa. Die lebt ab 1971 in Potsdam und Berlin.
   
  Die Älteste - Vermächtnis einer 108-jährigen, 1986, R: Leonija Wuss-Mundeciema, 13 Min

Die damals älteste Bürgerin der DDR, die Gothaerin Emma Wagner schildert lebhaft und geistig auf der Höhe in Gleichnissen und beeindruckenden Erzählungen von ihrem harten Lebensweg, ihren Entbehrungen und Schicksalsschlägen. Durch Emma Wagners lebenslangen Verzicht konnte die musikalische Ausbildung der geliebten Tochter Hilda finanziert werden, so wurde ihr eigener Traum von Musik und Gesang bei der Tochter Wirklichkeit.

Zu den Originaltönen von Emma Wagner über Moral, Erziehung und Liebe werden Szenen aus dem schönen Gotha unterlegt, denn auch im Jahre 1986 leben Mutter und Tochter noch in ihrer thüringischen Geburtsstadt zusammen.
   
 

Heinz Brinkmann

  Geboren am 24. Juni 1948 in Heringsdorf/Usedom. 1969 bis 1972 Kamerastudium an der HFF Potsdam-Babelsberg. Freiberuflicher Regisseur, Autor und Kameramann, ab 1983 Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, ab 1991 freischaffend, Vorsitzender des Filmvereins Mecklenburg-Vorpommern e.V.
   
  Komm in den Garten DDR 1990, R: Heinz Brinkmann, Jochen Wisotzki, 93 Min, OmeU

Die Geschichte einer Freundschaft in Berlin – Prenzlauer Berg im Wendejahr 1990. Es beginnt skurril: Während Dieter, Alfred und Michael im ehemaligen Grenzgebiet picknicken, wird ein nutzlos gewordener Grenzwachturm abgerissen. Ostberlin ist grau, trist und kaputt, die Bewohner rangieren viel aus, der Sperrmüll wird überall wild auf den Gehwegen abgelagert. In dieser Umbruchstimmung nehmen sich die Regisseure Brinkmann und Wisotzki Zeit, drei Männer zu portraitieren, die an der DDR-Gesellschaft scheiterten.

Alfred schaffte es bis zum stellvertretenden Chefredakteur beim Berliner Verlag. Besonders blieb ihm ein Interview mit dem Ministerpräsidenten Otto Grotewohl in Erinnerung, der ihm riet: „Habe deine Zweifel!“ Alfreds Karriere wurde auf wenig humorvolle Weise beendet – nach der Veröffentlichung von ironischen Fotos unter der Rubrik „Schmunzelkabinett“.

Zug um Zug geriet er in die Zwickmühle von Aufbegehren und Alkoholismus, wurde in Gefängnisse und 1980 nach seiner Verhaftung wegen asozialen Verhaltens in die Psychiatrie Buch gesteckt. Seine Kaderakte schreckte jeden Arbeitgeber ab und so landete er zwei Jahre später beim Straßenfegen in der Friedrichstraße.

Dort lernte er Gisela kennen; die knallharte Beziehung und der raue Umgangston zwischen den beiden gehört zu den erschreckendsten Momenten im ganzen Film. Irritierend sind zunächst Alfreds traurige Kommentare zu der Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion vom 18. Mai 1990, bis er lakonisch meint: „Die Alten sind wieder an der Macht“.

Auch der Maler Dieter mit dem roten Vollbart hat mehrfach im Gefängnis gesessen, doch er resümiert: „Ich habe mir meine Träume im Leben bewahrt“. 1962 kam er zum ersten Mal wegen „Arbeitsscheu“ in Haft. Um sich zu beschäftigen, entwickelte er dort eine eigene Maltechnik. Nach seiner Entlassung war ihm der Aufenthalt in der Hauptstadt der DDR verboten, obwohl dort einige Familienmitglieder lebten. Die Besuche bei seinen Kindern wurden damit illegal. Nun bereitet er sich auf eine Hochzeit mit Tanja aus Moskau vor.

Der jüngste der drei Freunde ist Michael, der in den 1970er Jahren in Moskau internationale ökonomische Beziehungen studierte. Nur drei Monate vor dem Abschluss seiner Diplomarbeit kam es zum Eklat mit Mitarbeitern des DDR Außenhandelsministeriums und zur Exmatrikulation, denn Michael wollte deren Anliegen nicht zustimmen: „Wollt ihr, wenn wir wollen, dass ihr nickt“. Trotzdem hatte Michael zunächst Glück, denn nach einem Drei-Jahres-Studium an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst bekam er eine Stelle im Institut für Wirtschaftsgeschichte in der Akademie der Wissenschaften. Anfänglich hat er exzellente Arbeitsbedingungen, bis er Probleme wegen seiner wissenschaftlichen Artikel bekommt.

Seine Dissertation über den DDR-Wirtschaftsplaner Erich Apel darf nicht erscheinen. Als ein Parteiverfahren gegen den hoffnungsvollen Wissenschaftsnachwuchs eingeleitet wird, stehen vor allem drei Vorwürfe im Vordergrund: Seine Teilnahme am Begräbnis von Robert Havemann, die Zusammenarbeit mit Kirchenmitgliedern um den Pfarrer Rainer Eppelmann und ein von der Stasi ausspionierter „Vorfall“ in Chemnitz. An einem Wintertag hatte er in der dortigen Karl-Marx-Allee zusammen mit seinem Sohn einen Schneeball auf die Karl-Marx-Statue geworfen.

Das Verfahren führte zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten lebt Michael vom Verkauf seiner selbst gebastelten Kugellampen; die bietet er auf der Straße vor dem S-Bahnhof Schönhauser Allee an. Seit 1988 ist er mit der Leipzigerin Sabine verheiratet, die er nach einer „Gin-Therapie“ kennen lernte. Auch die Beziehung dieses Paars ist durch den Alkoholismus belastet.

40 Jahre DDR-Geschichte im Spiegel dreier Einzelschicksale. Tragik und Komik, Zorn und Zärtlichkeit prägen die Szenen des Films. Äußere und innere Bedingungen werden reflektiert, die in der Schizophrenie der Gesellschaft zwischen humanistischem Anspruch und praktizierter Bevormundung ins soziale Abseits führten.

Internationale Leipziger Filmwoche für Dokumentar- und Animationsfilme 1990: Preis des Interessenverbandes Filmkommunikation "Findling" & Silberne Taube (ex aequo);
Internationales Dokumentarfilmfestival München 1991: Lobende Erwähnung
   
  Die Karbidfabrik DDR 1988, R: Heinz Brinkmann, 25 Min

„Plaste und Elaste aus Schkopau“ – über die Grenzen bekannt war diese Leuchtreklame am weithin sichtbaren Autobahnturm an der A9 am Elbufer. Da die DDR ein rohstoffarmes Land war, sah sie sich gezwungen aufgrund steigender Rohölpreise in den 1970er und 1980er Jahren, ihre ineffektive und umweltbelastende Carbochemie weiter auszubauen.

Beim Besuch der 50 Jahre alten Karbidfabrik VEB Chemische Werke Buna in Schkopau im Oktober 1987 tritt dieses Dilemma offen zu Tage. Bei 2000° C wird aus Kohle und Kalkstein Karbid geschmolzen, der Grundstoff für Plaste und Chemiefasern. Bei sengender Hitze schieben die Männer am Abstich und im Dreck der alten rußigen Anlagen ihre 12-Stunden-Schicht.

Unter vorgehaltener Hand gesteht man sich: „Ich bin nicht zum Arbeiten gekommen, sondern zum Geld verdienen.“ Jeder ist froh, wenn er am Abend wieder gesund nach Hause kommt. Mit der Gesundheit ist das allerdings so eine Sache, denn die Filmsequenzen mit den giftigen Ableitungen in der Saale und der sich weit ausbreitenden Abgasglocke sprechen Bände. Die Devise von einst, aus Walter Ulbrichts 1958 verkündetem Chemieprogramm, „Chemie gibt Schönheit“, wird so ad absurdum geführt.
   
   
   
  Presse
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