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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1                
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
   
 

9. Feb. – 9. März 2017

 

DOK – DDR – Umsonst

  Filmografie           English   
 

Jürgen Böttcher

  Jürgen Böttcher (geb. 08.07.1931 in Frankenberg/Sachsen) ist einer der bekanntesten und wegweisenden DEFA-Dokumentarfilmer. Beeinflusst vom italienischen Neorealismus und angelehnt an die „Nouvelle Vague“, bildet er die Alltags- und Arbeitswelt ab. Es entstehen Porträts und genaue Beobachtungen von Menschen und Landschaften. Dabei löst er sich von vorgegebenen Mustern und produziert meistens kürzere Dokumentarfilme als auch, als einziger Dokumentarfilmemacher überhaupt, Experimentalfilme.

Sein erster und einziger Spielfilm „Jahrgang 45“, ein Plädoyer für individuelles Glück einer jungen Generation, wird infolge des 11. Plenums des ZK 1966 verboten. Andere Filme wie „Ofenbauer“, „Wäscherinnen“ oder „Rangierer“, die das Leben einfacher Menschen zeigen, werden gelobt und sogar ausgezeichnet. Für sein Experimentalfilm-Triptychon „Verwandlungen“ erntet er harsche Kritik.

International dagegen erfährt er Anerkennung von namhaften Künstlern wie Chris Marker, Joris Ivens, Ken Loach und inspiriert junge Künstler. Einer seiner meist beachteten Filme ist „Die Mauer“, eine filmische Beobachtung des Jahreswechsels 1989/90, als die Grenzen zwischen Ost- und West-Berlin bereits geöffnet waren, die Mauer aber noch stand. Für ihn erhält er den „Felix“, den Europäischen Filmpreis, für den besten Dokumentarfilm.

Nach der Wiedervereinigung widmet er sich fast ausschließlich der Malerei, wird Mitglied der Berliner Akademie der Künste und ist in zahlreichen Ausstellungen vertreten. Sein malerisches Schaffen wird mehrfach geehrt: 1992 wird er mit dem Darmstädter Kunstpreis, 1997 mit dem Kunstpreis der Stadt Dresden und 1998 mit dem Kunstpreis des Sprengel-Museums Hannover ausgezeichnet, 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Jürgen Böttcher alias Strawalde lebt und arbeitet in Berlin.
   
   
  Filmografie
  1990 Die Mauer, 99 Min, OmeU
1987 In Georgien, 106 Min, OmeU
1987 Die Küche, 43 Min, OmeU
1985 Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner, OmeU
1984 Rangierer, 22 Min, OmeU
1981 Verwandlungen, Teil 1: Potters Stier, 16 Min, OmeU
1981 Verwandlungen, Teil 2: Venus nach Giorgione, 21 Min, OmeU
1981 Verwandlungen, Teil 3: Frau am Klavichord, 17 Min, OmeU
1978 Martha, 56 Min, OmeU
1977 Murieta, 18 Min
1976 Ein Weimarfilm, 69 Min, OmeU
1976 Großkochberg - Garten der öffentlichen Landschaft, 16 Min, OmeU
1976 Im Lohmgrund, 27 Min, OmeU
1974 Die Mamais, 19 Min
1974 Erinnere Dich mit Liebe und Haß, 40 Min
1973 Wer die Erde liebt, 72 Min, zusammen mit anderen
1972 Wäscherinnen, 23 Min, OmeU
1971 Song international, 45 Min
1970 Dialog mit Lenin, 32 Min
1970 Der Oktober kam..., (mit Karl Gass, Volker Koepp, Gitta Nickel, Peter Roch u.a.), 70 Min
1969 Arbeiterfamilie, 30 Min
1968 Ein Vertrauensmann, 19 Min, OmeU
1967 Der Sekretär, 29 Min, OmeU
1967 Tierparkfilm, 18 Min, OmeU
1967 Wir waren in Karl-Marx-Stadt, 34 Min
1965 Kindertheater, 27 Min
1964 Barfuß und ohne Hut, 26 Min, OmeU
1963 Charlie und Co, 14 Min
1963 Silvester, 10 Min
1963 Stars, 20 Min, OmeU
1962 Im Pergamon-Museum, 19 Min, OmeU
1962 Ofenbauer, 15 Min, OmeU
1961 Drei von vielen, 34 Min, OmeU
1960 Notwendige Lehrjahre, 18 Min, OmeU
1958/59 Dresden, wenige Jahre danach, 24 Min
   
   
  Die Mauer DDR 1990, R: Jürgen Böttcher, 99 Min, OmeU

Die Demontage der Berliner Mauer, als Erlösung von einem Alptraum. Filmische Beobachtungen gegen Jahresende 1989/90, als die Grenzen zwischen Berlin-Ost und Berlin-West bereits geöffnet waren, die Mauer aber noch stand. Mauerspechte, Spaziergänger auf ihrem Weg von Ost nach West und umgekehrt, Touristen aus aller Welt, neugierige, geschäftstüchtige Kinder und Grenzer, die plötzlich ihre Aufgabe verloren haben.

Der Dokumentarist Jürgen Böttcher, als Maler bekannt unter seinem Pseudonym „Strawalde“, fängt das historisch belastete Bauwerk in intuitiven Beobachtungen und kalkulierten Tafelbildern ein: Metaphorische Impressionen vom Auseinanderbrechen des "antifaschistischen Schutzwalls". Weitere Hinterlassenschaften der ehemals geteilten Stadt gelingen: Die Unterwelt der stillgelegten Bahnhöfe, auf denen 30 Jahre lang kein Zug halten durfte.

Mittels Filmprojektionen auf dem rissigen Beton der letzten Mauersegmente wird auch die ältere Vergangenheit wieder lebendig. Da reitet Kaiser Wilhelm durch das Brandenburger Tor, ist ein Aufmarsch der Nazis zu sehen und auch der berühmte Sprung eines ostdeutschen Polizisten über die gerade errichtete Mauer.

U. a. mit dem „Felix“ (Europäischer Filmpreis für den besten Dokumentarfilm) prämiertes Zeitdokument aus den letzten Tagen der Berliner Mauer. Historische Momente werden unkommentiert, aber mit der Bilderkraft des Malers Strawalde festgehalten.
   
   
  In Georgien DDR 1987, R: Jürgen Böttcher, 106 Min, OmeU

Eine Ausstellung über den georgischen, naiven Maler Niko Pirosmani (1862-1918) weckte in Jürgen Böttcher den Wunsch, einen Film über dieses vorderasiatische Land zu drehen. Erst zwei Jahrzehnte später, in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre erhält der Regisseur das erste Mal die Genehmigung, im Ausland zu drehen.

Es soll ein subjektiver und sinnlicher Erlebnisbericht mit den Augen des Künstlers und Regisseurs Jürgen Böttcher werden, der assoziativ Impressionen und Originaltöne miteinander verwebt und fasziniert eintaucht in das Unbekannte. So stimmt Böttcher den Zuschauer gleich zu Beginn ein: „Gäste für kurze Zeit - fanden und genossen wir als Kostbarstes überall in den Dörfern den ersten Blick der Begegnung, die Melodie der fremden Sprache - ohne alles verstehen zu wollen“.

Ausgehend von der mittelalterlichen Hauptstadt und dem religiösen Zentrum Mzcheta fährt das Filmteam in das pulsierende Tiflis zu den Bildern von Niko Pirosmanaschwili. In Kachetien, der Heimat Pirosmanis, begegnen die Reisenden aserbaidschanischen Hirten bei der Schafschur, einem Bauern mit Eselskarre samt Weinpresse und immer wieder der georgischen Gastfreundschaft. So führt ihr Interesse an einem prächtigen Granatapfelbaum zu einem spontanen Picknick mit viel Wein und Gesang. Am Schwarzen Meer in Batumi (Adsharien), der Legende nach das Land des Goldenen Vlies und der Argonauten, zeigt Böttcher die Welt eines Vergnügungsparks. Die letzten Stationen führen in den hohen Kaukasus Swanetiens nach Mestia und Uschguli, deren Wehrtürme inzwischen zum Unesco-Welterbe gehören.

1988 erhielt „In Georgien“ ganz im Zeichen der Glasnost-Politik eine Einladung des Forums der Berlinale, für Böttcher war dies die zweite Berlinale-Präsenz. 2006 wurde der Künstler mit einer Berlinale Kamera für sein Lebenswerk geehrt.
   
   
  Die Küche DDR 1987, R: Jürgen Böttcher, 43 Min, OmeU

Die Beobachtungen in der Hauptküche der Neptun-Werft Rostock kommen ohne direkte Kommentare der Protagonistinnen aus. Keine der Frauen spricht in die Kamera, keine erzählt etwas über sich oder ihre Arbeit. Böttcher und Plenert zeigen die geschickten Handgriffe an den schweren Kesseln, ein Lächeln im Vorübergehen, die Hitze, den Küchengeruch und Wortfetzen. So entsteht ein allgemeingültiges Bild von Frauen, die einer schweren, oft monotonen Arbeit nachgehen.
 
   
   
  Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner DDR 1985, R: Jürgen Böttcher, 32 Min, OmeU

Zwei Maler treffen sich: Der alte, konstruktivistische Maler Hermann Glöckner (1889-1987) vor der Kamera zeigt dem jungen Jürgen Böttcher hinter der Kamera seine Arbeiten. Der Regisseur sitzt im Atelier macht eine kurze Bemerkung zu einer Plastik oder einem Blatt.

Es scheint fast so, als habe der 96jährige Glöckner die Anwesenheit des Kollegen vergessen. Er zeichnet mit weit ausholender Geste seine Linien aufs Papier, betrachtet das Blatt, verwirft das eine, akzeptiert die Qualität der meisten, sein Selbstbewusstsein kennt keine Koketterie.
   
   
  Rangierer DDR 1984, R: Jürgen Böttcher, 22 Min, OmeU

Als eine Version des Cinéma Verité gibt dieser Film in großartigen Schwarzweißbildern Einblicke in das physisch anstrengende und Präzision erfordernde Arbeitsleben erfahrener Rangierer. Bei jedem Wetter, Tag und Nacht koppeln sie die Waggons an und ab in den Eisenbahnanlagen des Güterbahnhofs Dresden-Friedrichstadt, einem der wenigen Gefällsbahnhöfe, in denen zum Rangieren die Schwerkraft benützt wird. Geräusche erfüllen die Luft: Hämmern, die knarzenden Schritte der Arbeiter auf dem Kies, Pfiffe und Rangiergeräusche.

Museum of Modern Art New York 2005 - DEFA-Retrospektive "Rebels with a cause": “Impressive images of the dignity of the working man.”
   
   
  Verwandlungen, Teil 1: Potters Stier DDR 1981, R: Jürgen Böttcher, 16 Min, OmeU

Seit Jahren hatte Jürgen Böttcher zu seinem Vergnügen Kunstpostkarten übermalt, fast immer trug er eine Auswahl dieser kleinen Werke bei sich. Nun tut er das vor der Kamera.

Aus den Karten, aus der Arbeit an ihnen entsteht ein lebendiges Bild, eine neue Dimension. Wie ein Zauberer tritt er selbst vor die Kamera, zeigt spielerisch seine Karten, dann sehen wir nur noch den Pinsel, der mit schnellen Strichen die vertrauten Bilder verwandelt.

Er hebt Details hervor, lässt anderes unter schwarzen Strichen verschwinden, immer neue Bilder entstehen aus den alten. Ein lustvolles Spiel mit der Kunst, ein Spiel mit der Wirklichkeit, die sich plötzlich als wandelbares, flüchtiges Element erweist.

Postkartenreproduktionen der bekannten Tiergruppe von Paulus Potter "Der junge Stier" erleben durch vielfache Übermalungsvariationen des Malers Strawalde groteske Metamorphosen.

Aus dem Experimentalfilm-Triptychon „Verwandlungen“.
   
   
  Verwandlungen, Teil 2: Venus nach Giorgione DDR 1981, R: Jürgen Böttcher, 21 Min, OmeU

Strawalde übermalt und variiert Postkartenreproduktionen des berühmten Gemäldes von Giorgiones "Schlummernde Venus".
Aus dem Experimentalfilm-Triptychon „Verwandlungen“.

In Venus nach Giorgione wird die schlafende Frau aus der Zeit der Renaissance – „Die schlummernde Venus“ des italienischen Malers Giorgione (1478–1510), Gemäldegalerie Dresden – von Böttcher in Beziehung gesetzt mit den Plattenbauten von Berlin-Marzahn.

Sie ist den Projektionen des Künstlers ausgesetzt. Vorhänge, Spiegel, sich verdunkelnde Hintergründe, sich ständig verändernde Ein- und Ausblicke, begleitet von Musik und Gesang, und, unter anderem, ergänzt durch das Sujet „Ländliches Konzert“, zeigen die möglichen Assoziationen zur „Schlummernden Venus“.
(Quelle: Viennale)
   
   
  Verwandlungen, Teil 3: Frau am Klavichord DDR 1981, R: Jürgen Böttcher, 17 Min, OmeU

Der Regisseur und Maler Böttcher verfilmt 1981 seine alte Leidenschaft, die Kunstpostkarten mit Farben zu übermalen. Der Zuschauer wird zum Zeugen eines Spiels mit der Wirklichkeit, indem die neuen Farben die bestehenden Elemente verwandeln oder in einem anderen Licht erscheinen lassen. Der Künstler als Herr der Dinge.

Die Postkartenreproduktionen des Gemäldes "Frau am Klavichord" von Samuel de Witte erfahren im Verlauf des Films durch Übermalungsvariationen des Malers Strawalde vielfache grotesk-spielerische Veränderungen, die, ergänzt durch bewegte Projektionen, zu einer Reihe mitunter verschlüsselter bis gruseliger Metamorphosen werden.

Aus dem Experimentalfilm-Triptychon „Verwandlungen“.
   
   
  Martha DDR 1978, R: Jürgen Böttcher, 56 Min, OmeU

Martha ist 68 Jahre alt und arbeitet noch immer auf dem Bau. Böttcher zeigt ihre letzten Arbeitstage auf der Baustelle, wo sie Schutt sortiert. In langen ruhigen Einstellungen zeigt er die tägliche Arbeit der Berlinerin, die Schuttberge in winterlicher Landschaft, das endlos laufende Band, an dem sie den ankommenden Schutt sortiert, frierend, geduldig.

Ungeschönt ist die Atmosphäre der Baubude: Martha im Umgang mit den jungen Kollegen, rauh sind die, fast rücksichtlos, mit einer nur schwer erschließenden Freundlichkeit. Nach ihrer Abschiedslage, als sie allein in der Baubude zurückbleibt, erzählt sie von ihrem Leben, vom zerbombten Berlin, von den tapferen Kindern, von ihrer Arbeit als Trümmerfrau.
   
   
  Murieta DDR 1977, R: Jürgen Böttcher, 18 Min

Bericht über eine besondere, experimentelle Aufführung des poetischen Stückes "Glanz und Tod des Joaquin Murieta" von Pablo Neruda in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater Berlin und der Schauspielschule "Ernst Busch" unter Mitwirkung eines italienischen Bühnenbildners und eines kolumbianischen Literaturwissenschaftlers.
   
   
  Ein Weimarfilm DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 69 Min, OmeU

Zum 1000jährigen Jubiläum der Stadt Weimar erhielt Jürgen Böttcher den Auftrag, die schöngeistige Hauptstadt von einst und ihre wechselvolle Geschichte vom Klassiker-Mekka über das KZ Buchenwald bis zur aktuellen Gegenwart zu porträtieren.

Durch den romantisch verschneiten Wald führt Böttcher in die Stadt hinein. Plätze, Räume, zunächst vielleicht unbekannt, werden im Laufe des Films entschlüsselt. Bei der Romantik belässt es der Regisseur nicht. Berühmte Persönlichkeiten und ihre auch kritischen Einschätzungen über Weimar schärfen den Blick für die Stadt, ihre Künstler und die zentrale Figur Johann Wolfgang von Goethe.

Mit dem Gestus des Malers montiert Böttcher Bildsequenzen und schafft so neben dem intellektuellen Zugang eine dichte, emotionale Atmosphäre. Als Kommentar zu den assoziativen Bildern von Winterlandschaften, sommerlichen Parkanlagen, Details aus den Cranachgemälden, dem Haus Goethes montiert er die Musik aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach und die exotischen Klänge der Gruppe "Bayon".

Jürgen Böttcher zeigt Weimar so, wie die Stadtväter ihre Stadt nicht dargestellt wissen sollten. Die Auftraggeber forderten Veränderungen und verhinderten schließlich die Aufführung des Films.
   
   
  Großkochberg - Garten der öffentlichen Landschaft DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 16 Min, OmeU

Schloss Kochberg war einst im Besitz der Familie von Stein und Goethe war dort mehrmals zu Besuch bei Charlotte von Stein. Aus Anlass der Feierlichkeiten “1000 Jahre Weimar“ wird das zur Gedenkstätte umgestaltete Schloss der Öffentlichkeit übergeben. Auf der Einweihungsfeier geben Studenten der Musikhochschule Weimar ein großes Festkonzert.

Anhand von alten Stichen und persönlichen Briefen und Bildern erfährt der Zuschauer mehr über die Beziehung zwischen Goethe und Charlotte.
   
   
  Im Lohmgrund DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 27 Min, OmeU

Dem Geheimnis, wie aus täglicher Arbeit Kunst entsteht, auf der Spur: Einen Sommer lang arbeiten im Steinbruch „Lohmgrund I“ Bildhauer und Steinbrucharbeiter nebeneinander. Die Künstler sind Teilnehmer eines Symposiums ihres Verbands, trotzdem reden sie fast nie über Kunst.

Böttcher zeigt die alltäglichen Handgriffe, die Anstrengungen, die die Bearbeitung des Steins kostet. Der Zuschauer beobachtet die Entstehung einer Plastik von Peter Makolies, der neben seinem Freund Hartmut Bonk arbeitet. Die gewaltige Dimension des Steinbruchs und die ihn umgebende Natur werden in Beziehung gesetzt zu den Menschen, die dort leben und arbeiten.
   
   
  Die Mamais DDR 1974, R: Jürgen Böttcher, 19 Min

Dieser Farb-Dokumentarfilm berichtet über die "Mamais". 1960 stellte sich eine Gruppe von Arbeitern der Bitterfelder Chemiewerke die Aufgabe, als erste “sozialistische Brigade“ der DDR gemäß der Losung “Sozialistisch arbeiten, lernen und leben“ zu handeln. Namensgeber der Brigade war der sowjetische Bergarbeiter Nikolai Jakowlewitsch Mamai, der 1958 in der Sowjetunion die Wettbewerbsbewegung zur täglichen Übererfüllung der Schichtnorm und des aufgeschlüsselten Planes an jedem Arbeitsplatz ins Leben gerufen hatte.

15 Jahre später besucht Regisseur Jürgen Böttcher die Arbeiter, um sie rückblickend zu ihrer damaligen Situation und zur aktuellen Situation zu befragen. Der Zuschauer wird Zeuge der harten Arbeitsbedingungen in der Halle mit den Elektrolyse-Öfen zur Gewinnung von Aluminium.
   
   
  Erinnere Dich mit Liebe und Hass DDR 1974, R: Jürgen Böttcher, 40 Min

Musik ist Revolution, die Revolution braucht Musik. Die chilenische Bewegung des neuen Liedes, „La Nueva Cancion Chilena“, reflektiert enthusiastisch die Visionen, sozialen Umwälzungen und politischen Ereignisse zu Zeiten Salvador Allendes und der Unidad Popular.

1971 auf dem Berliner Festival des politischen Liedes begegnen die Filmemacher zum ersten Mal den bis heute noch bekannten chilenischen Musikern wie der Familie Violeta, Isabel und Angel Parra, den Gruppen Inti Illimani und Quillapayún. Damals entsteht das hoffnungsvolle Porträt „Song international“ von Jürgen Böttcher.

Nur drei Jahre später, kurz nach den Geschehnissen im Palacio de la Moneda, suchen die Regisseure ernüchtert und voller Sorge erneut die Begegnung mit einigen der Musiker, mit denen, die sich ins Exil retten konnten. Montiert mit ausdrucksstarken Fotos und Szenen aus dem Film des chilenischen Regisseurs Patricio Guzmán „Das erste Jahr“ erzählen Böttcher und Liebmann von der Musik und ihrem Bezug zur Realität und jüngsten Vergangenheit.

Am Schluss setzen die beiden ein Zeichen: Den Revolutionsklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ und die rote Fahne von Eisenstein zitierend, endet der Schwarz-Weiß-Film ganz in Rot – „Venceremos“, wir werden siegen.
   
   
  Wer die Erde liebt DDR 1973, R: Joachim Hellwig, Uwe Belz, Jürgen Böttcher, Harry Hornig, 72 Min

Sommer 1973. Neun Tage und neun Nächte ist die Jugend der Welt in Berlin zu Gast. Für kurze Zeit zeigt sich die geteilte Stadt weltoffen, ist die Abschottung der Hauptstadt der DDR vergessen. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt werden Frieden und Freundschaft gerufen und intensiv darüber diskutiert.

Auf den Wiesen rund um den Fernsehturm genießen die jungen Leute die Flower Power Atmosphäre; die Weltzeituhr, klassischer Berlin-Treffpunkt, ist gespickt mit kleinen Nachrichtenzetteln. Erich Honecker, seit 1971 an der Macht, will mit dem Festival sein Land in einem neuen Gewand präsentieren.

„Entsprechung jenes kurzen Traums von Offenheit, der diesem 'FDJ-Woodstock' bis heute ostalgischen Glanz gibt.“ (zitty, 2006)
   
   
  Wäscherinnen DDR 1972, R: Jürgen Böttcher, 23 Min, OmeU

Wahrhaftige, einprägsame Bilder von der harten Arbeit der Mädchen in einer Wäscherei. Dampfschwaden, rotierende, lärmende Trommeln, überlaufendes Wasser und immense Wäscheberge – die Arbeit in der Berliner Wäscherei Rewatex gehört nicht zu den Traumberufen. Ganz offen äußern das die Mädchen, die in dem Jugendobjekt zur Textilreinigungsfacharbeiterin ausgebildet werden, oft weil sie nichts anderes gefunden hatten.

Trotzdem streben die Lehrausbilderinnen danach, in ihren Zöglingen Interesse für die Arbeit und sogar Schönheitssinn zu wecken, ein nur im ersten Moment erstaunliches Ziel.

Jürgen Böttcher gibt sensibel Einblick in eine unbekannte Welt, nicht nur in den Kräfte zehrenden Arbeitsalltag einer Wäscherei. Als die Mädchen über die Liebe und den Traummann sprechen, flackern ihr Selbstbewusstsein und der Glanz ihrer Jugend auf.

„Durch Böttchers Film bekommt der Zuschauer Zugang zu einer fremden Welt, die er sonst nur von außen kennt. Nun ist er mitten im Alltag einer Wäscherei, mitten unter den arbeitenden Mädchen. Und merkt, wie vertraut ihm das Fremde ist. Da zeigt einer, wie genau man hinschauen muss, wie einfach es ist, Schönheit in den Gesichtern, in den Gesten, den Körpern, den profanen Vorgängen zu erkennen.“ (Helke Misselwitz, 1991)
   
   
  Song international DDR 1971, R: Jürgen Böttcher, 45 Min

Bericht vom zweiten Festival des politischen Liedes, das der Oktober-Klub Berlin vom 7. bis 13. Februar 1971 organisierte. Einheimische Musikgruppen treffen auf politisch engagierte Musiker aus dem Ausland: aus den osteuropäischen Ländern ebenso wie aus den westlichen Industriestaaten und aus Afrika wie Lateinamerika.

Zu sehen sind der Lyrik-Song-Club, die Lutschina-Gruppe (UdSSR), Il Contemporaneo (Italien), Cynthia-Nokwe-Gruppe (Südafrika), Agit-Prop (Finnland), Thanh-Nien Ho-Chi Minh (Vietnam), Quila Payun und Isabel Parra (Chile). Das vorgetragene Liedgut vereint die Gruppenmitglieder in dem Bestreben alle Kräfte zu bündeln, um so zum Widerstand gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg beizutragen.

Viel Raum nehmen Aufnahmen der Auftritte der Künstler ein, ergänzt durch Gespräche und Dokumentaraufnahmen, die den Hintergrund der Musiker und ihrer Lieder näher bringen sollen. Ein Musikportrait von Jürgen Böttcher.
   
   
  Dialog mit Lenin DDR 1970, R: Jürgen Böttcher, 32 Min

Dieser dokumentarische schwarz-weiß-Kompilationsfilm mit historischen Foto- und Filmeinblendungen berichtet über die Verwirklichung der Leninschen Ideen und Praktiken in der DDR. Den vorgetragenen Zitate aus Reden und Aufsätzen Lenins sind Porträt- und Gruppenaufnahmen unterlegt. Der so entstandene Dokumentarfilm zeigt die Anstrengungen und Leistungen beim Aufbau eines neuen Deutschlands.
   
   
  Der Oktober kam DDR 1970, R: Karl Gass, Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Gitta Nickel, Peter Rocha, Peter Ulbrich, Alexander Ziebel, 70 Min

Bericht über Veranstaltungen und Delegationen anlässlich des 20. Jahrestags der DDR. - Der Arbeitstitel lautete: Wir sind 20.
   
   
  Arbeiterfamilie DDR 1969, R: Jürgen Böttcher, 30 Min

Ein sehenswerter Film über Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Kernbau des VEB Transformatoren- und Röntgenwerk Dresden. "Die Arbeiter sind Herren ihres Betriebes, in dem sie arbeiten. Sie bestimmen über die Stadt, in der sie wohnen. Sie regieren den Staat, in dem sie leben."

Jeden Monat legt der Meister vor der Brigade Rechenschaft ab über den Erfüllungsstand des Produktionsplanes. Selbstzufriedenheit ist nicht angesagt. Mit 54 Jahren hat sich eine Arbeiterin noch weiterqualifiziert. Die Kernbauer sind seit der Einschulung Patenbrigade der jetzigen 10. Klasse. Die Kernbauer sind auch kulturell sehr interessiert und haben einen Kontakt zu Künstlern des Staatstheaters Dresden. "Beide lernen voneinander: die Arbeiter von den Künstlern und die Künstler von den Arbeitern."

Der Film gibt immer wieder auch kurze Einblicke in das Leben der Familien. Wie läuft es ab? Mann und Frau arbeiten. Die Kinder gehen in den Kindergarten, in die Schule und den Schulhort. In der Freizeit gehen die Familien ins Theater, besuchen Ausstellungen in den Museen und spazieren durch die landschaftlich schöne Umgebung Dresdens. Ein von einem Kernbauer selbst gedrehter Schmalfilm mit dem Titel. "Das sind wir" zeigt Szenen aus dem Brigadeleben. Das die Brigade mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, bleibt nicht verborgen.
   
   
  Ein Vertrauensmann DDR 1968, R: Jürgen Böttcher, 19 Min, OmeU
Der Film porträtiert Hans Schmidt, einen jungen Gewerkschaftsvertrauensmann, und seine Kollegen vom VEB Wohnungsbaukombinat Rostock bei der Arbeit und mit den Problemen auf einer Baustelle im Rostocker Neubaugebiet Lütten Klein im Juni 1968.

„erst Jürgen Böttcher setzte in seinen ‚Produktionsfilmen‘ (der) symbolischen Darstellung ein Ende und stellte die Abbildung aus der Arbeitswelt vom Kopf auf die Füße. … so fällt eine beharrliche Dekonstruktion dieses eigentlich originär-parteipolitisch besetzten Genres auf. … Parallel dazu gewinnt das beharrliche Beobachten an Gewicht. Hier wusste sich der Regisseur in geistiger Verwandtschaft mit … ‚Cinéma vérité oder ‚Direct cinema‘“ (Edition Filmmuseum)
   
   
  Der Sekretär DDR 1967, R: Jürgen Böttcher, 29 Min, OmeU

Im Chemiekombinat Buna arbeiten viele Frauen, und auch der Parteifunktionär Gerhard Grimmer, "Der Sekretär". Der ehemalige Bergarbeiter, Bauer und Abstichmann ist ein Arbeiter wie sie, einer, der ihre Sprache spricht, wenn er in seiner alten Joppe durchs Werk geht, hier zu einem Gespräch stehenbleibt und dort mit den Frauen lacht.

Er kümmert sich um das Arbeitsklima und um die Weiterbildung der Frauen. Der Kamera gelingen sehr authentische und spontane Beobachtungen über den Umgang miteinander und das Werksgeschehen.
   
   
  Tierparkfilm DDR 1967, R: Jürgen Böttcher, 18 Min, OmeU

Der Berliner Tierpark liegt im Ortsteil Friedrichsfelde des Bezirks Lichtenberg, wurde 1955 eröffnet und ist mit 160 Hektar Fläche der größte Landschaftstiergarten Europas. Mit sehenswerten Aufnahmen erlebt man die Tiere in ihren Gehegen und großzügigen Freilaufflächen.

Der Film kommt völlig ohne Kommentare aus und lenkt den konzentrierten Blick auf Nilpferde, Papageien, Kamele, Rotwild, Wisente, Lamas, Kängurus, Nashörner; Luchse, Vögel, Leoparden, Tiger, Löwen, Eisbären und Krokodile. Der Auftragsfilm lotet seine eng gesteckten Grenzen subversiv aus.
   
   
  Wir waren in Karl-Marx-Stadt DDR 1967, R: Jürgen Böttcher, 34 Min

Filmreportage über das Pfingsttreffen 1967 und das 8. Parlament der FDJ in Karl-Marx-Stadt.
   
   
  Kindertheater DDR 1965, R: Jürgen Böttcher, 27 Min

Ein Film über das "Theater der Freundschaft" in Berlin und sein junges Publikum. Die Kamera zeigt, wozu das engagierte Theaterensemble in Zusammenarbeit mit den Kindern fähig ist.
   
   
  Barfuß und ohne Hut DDR 1964, R: Jürgen Böttcher, 26 Min, OmeU

„Summertime“ in Prerow an der Ostsee, 1964. Eine Gruppe von jungen Leuten verbringt den Sommer am Meer. Verliebt und hübsch sind sie, die Jungen und Mädchen, barfuß in Jeans und lässigen Pullovern. Sie lieben das Gitarrespielen am Strand und den Tanz in den Morgen. Unzählige Tage sind erfüllt von Faulsein, Balgen im Sand, Nachdenklichkeit und Glück. Einer spricht über seine Liebe zur Musik, einer über seinen Freund, viele über ihre beruflichen Pläne, Träume und Abenteuerlust.

Ein heiterer und atmosphärischer Film, erfüllt vom Lebensgefühl der sechziger Jahre, das entfernt an Woodstock erinnert.
   
   
  Charlie und Co DDR 1963, R: Jürgen Böttcher, 14 Min

Arbeiter, Techniker, Angestellte und Ingenieure aus dem "Karl Marx-Werk" in Magdeburg haben sich zu einem Laienzirkus zusammen gefunden. Wir werden Zeuge der Generalprobe, die vor dem öffentlichen Auftritt im Werk stattfindet. Clowns, Akrobaten, Zauberer und Musiker üben intensiv und voller Hingabe ihren Part.

Die Kommentierung ist sehr knapp gehalten, allein die Kameraführung und die flotte Musik der "Karl-Marx-Band" sowie der gute Schnitt bringen dem Zuschauer lebhaft die konzentriert ablaufenden Übungen der profihaft wirkenden Laienkünstler näher.
   
   
  Silvester DDR 1963, R: Jürgen Böttcher, 10 Min

Die Belegschaft des Eisenhüttenkombinats Ost feiert im Haus der Gewerkschaften Silvester. Die Kamera beobachtet die abgelöste Schicht, gleichzeitig wird am Hochofen schwer gearbeitet. Kurz zuvor drehte Regisseur Jürgen Böttcher den Kurzfilm "Ofenbauer" über das Kombinat.
   
   
  Stars DDR 1963, R: Jürgen Böttcher, 20 Min, OmeU

Die heiteren und schlagfertigen Frauen einer Brigade des Berliner Glühlampenwerks leisten täglich eine monotone, von der Öffentlichkeit unbeachtete Arbeit. An ihnen entdeckt der Regisseur Jürgen Böttcher Schönheit, Besonderes und den Glanz von Sternen. Ein ehrlicher Film, in dem die Frauen mit Offenheit über ihre Arbeit und persönlichen Probleme sprechen.
   
   
  Im Pergamon-Museum DDR 1962, R: Jürgen Böttcher, 19 Min, OmeU

Die Kamera beobachtet im Pergamonmuseum in Berlin meist die Besucher und malt deren Blicke auf Szenen des Figurenensembles. In den Gesichtern der Betrachter spiegelt sich das Erstaunen über die Schönheit und Anmut der antiken Skulpturen, ist Ergriffenheit spürbar. Die Besucher kommen aus der ganzen Welt - man sieht Inder, Asiaten, Schwarze. Alle Altersgruppen sind vertreten vom Kind bis zum Greis. Sie kommen einzeln oder in Gruppen, verständigen sich über das zu Sehende.

Der Film kommt ohne jeden Kommentar aus. Man sieht mehr Bilder von den Besuchern als vom Altar. Das heißt, dem Film ist es wichtig, das kulturelle Interesse der Menschen zu zeigen. Gerhard Rosenfeld schafft dazu stimmungsvolle Musik mit klassischer Anmutung. Ein frühes und äußerst interessantes Werk des großen Dokumentarfilmers Jürgen Böttcher.
   
   
  Ofenbauer DDR 1962, R: Jürgen Böttcher, 15 Min, OmeU

Eisenhüttenstadt an der Oder im August 1962. Im Eisenhüttenkombinat Ost gibt es sechs Hochöfen, die jeweils eine Lebensdauer von sieben Jahren haben. Danach muss der von sengender Glut ausgebrannte Ofen durch einen vollständig neuen ausgetauscht werden. Das bedeutet eine 18-m-Verschiebung eines 65 Meter hohen und 2000 Tonnen schweren Hochofens. Normalerweise benötigen Arbeiter und Ingenieure für die Generalreparatur 80 Tage, nun wollen sie mit der Hälfte der Zeit auskommen, um die Stillstandzeit zu verringern.

Während der alte Hochofen 3 noch in Betrieb ist, wird ein neuer daneben gesetzt. Als der ausgediente Ofen abgerissen wird, muss der neue Koloss von 2000 Tonnen und 56 Metern Höhe mittels Stahlseilen und Stahlrollen um 18 Meter auf das alte Hochofenfundament verschoben werden. Regisseur Jürgen Böttcher filmt nur am Rande die neue Technologie, ihn interessiert die Darstellung schwerer körperlicher Arbeit. In beeindruckenden Bildern zeigt er die Gesichter der Arbeiter, Konzentration, Anstrengung und die Präzision, mit der sie jeden Handgriff verrichten.

Nachdem sein erster Dokumentarfilm „Drei von vielen“ verboten wurde, dreht Böttcher nun, wie Arbeitern eine Bestleistung gelingt. Der Kommentar in Wir-Form unterstreicht das enge Zusammengehörigkeitsgefühl.

Ausgezeichnet mit der Silbernen Taube auf den Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche 1962.
   
   
  Drei von vielen DDR 1961, R: Jürgen Böttcher, 34 Min, OmeU

„Drei von vielen“ war einer der ersten Dokumentarfilme der DEFA, die nicht aufgeführt wurden. Drei Freunde stellt Jürgen Böttcher vor; junge Arbeiter, die bei ihm Kunstunterricht nehmen und in ihrer Freizeit malen, zeichnen, Skulpturen aus Stein hauen. Obwohl sie in unterschiedlichen Berufen tätig sind, Peter Hermann ist Chemigraph, Peter Graf Kraftfahrer und Peter Makolies Steinbildhauer, finden sie immer wieder zusammen, um über ihre Malereien, Eindrücke und Gedanken zu diskutieren.

Der Arbeiter, der zugleich Künstler wird, war ein altes marxistisches Ideal und entsprach ganz den Forderungen der Bitterfelder Konferenz. Wenn der Film trotzdem Misstrauen erregte, war das nicht nur der allgemeinen Verunsicherung dieser Zeit geschuldet. Ein eigener, neuer Ton liegt über diesem Film. In einer Zeit der pathetischen Erklärungen fällt seine Sachlichkeit und subtile Einfachheit auf, Jazz statt Beethoven, eine Ahnung von Künstlerleben anstelle hehrer Arbeitergestalten.

Und Böttchers Freunde sind Individualisten, junge Künstler, die fröhlich und unabhängig von offiziellen Vorstellungen nach ihren eigenen Normen leben. Was die Abnahmekommission misstrauisch werden ließ, macht den Film noch heute zu einem Erlebnis. Und was sie übersah, die Hoffnung auf das Neue einer sozialistischen Welt, macht ihn zu einem wichtigen Zeitdokument.
   
   
  Notwendige Lehrjahre DDR 1960, R: Jürgen Böttcher, 18 Min, OmeU

An der Deutschen Hochschule für Filmkunst (heute Filmuniversität Konrad Wolf) entstandener Diplomfilm über einen Jugendwerkhof in Thüringen über straffällig gewordene Jugendliche. Jürgen Böttcher gibt seinen Protagonisten viel Raum; er nähert sich vorurteilsfrei, einfühlsam und vorsichtig. Außerdem ist seine Neugierde an den Lebenssituationen und -geschichten seiner Figuren zu spüren. „Seine Beobachtungen künden bereits vom Blick des späteren Meisters“ (Edition Filmmuseum)

„‘Natürlich wollten wir beweisen, daß wir genauso tolle Filme wie Fellini und Antonioni machen konnten‘, sagt Jürgen Böttcher über sein Studium an der Babelsberger Deutschen Hochschule für Filmkunst. Der Dokumentarfilm war für ihn auf dem Weg zu diesem Ziel nur eine Zwischenstation. ‚Notwendige Lehrjahre‘, sein Diplomfilm, macht das anschaulich. … Der didaktische Zug, der den die Bilder überwuchernden Kommentar durchtränkt, entsprach, so Jürgen Böttcher, seiner damaligen Haltung. Wichtiger allerdings war ihm, sich mit dem Gegenstand überhaupt befassen zu können, in einen Jugendwerkhof zu gelangen und dort zu drehen. Und ebenso wichtig war ihm der Teil des Films, der heute irritiert, wenn man nicht weiß, welchen Wert der Regisseur ihm beimaß: die inszenierten Sequenzen. Diese Jungs auf die Leinwand zu bringen und sie ihre Erlebnisse auch noch spielen zu lassen, hatte für ihn programmatische Bedeutung.“

Zum ersten Mal zu sehen ist auch Sanije Torka (geb. 1944), das Vorbild für „Solo Sunny“ (R: Konrad Wolf, Wolfgang Kohlhaase) zu sehen ist: „Inmitten einer Gruppe junger Menschen fallen einem die wachen schwarzen Augen eines Mädchens auf, das lebhaft wirkt und durchsetzungsfähig. Und gleichzeitig sehr allein, fast so, als wäre es von einem Ballon umgeben. Aber erst später fügen sich diese Bilder mit anderen zu einem größeren Bild.“ (Berliner Zeitung, 2009)
   
   
  Dresden, wenige Jahre danach DDR 1958/59, R: Jürgen Böttcher, 24 Min

Während seiner Studienzeit lernt Kameramann Christian Lehmann den späteren Regisseur Jürgen Böttcher kennen. An seinem Hochschulfilm „Dresden, wenige Jahre danach“ arbeitet er mit. Dabei entwickelt sich sein spezielles Interesse für den Dokumentarfilm. Auch später wird zwischen den beiden Künstlern eine enge Arbeitsbeziehung bestehen.
   
   
   
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Jürgen Böttcher

  Jürgen Böttcher, painter and film-director, is one of the most famous documentary film-maker from the former GDR. Most of Böttcher’s documentaries reflect his artistic interests. Böttcher created over 40 films with a painter’s eye.

He was born on July 8th, 1931 in Frankenberg. Böttcher was also known for his alias “Strawalde” (after his home town in the Oberlausitz). He worked as a director and free-lance painter. From 1949 onward, he studied fine arts at the Academy of Fine Arts in Dresden, after that, he worked as a painter and teacher at the Volkshochschule in Dresden. He was teacher to Ralf Winkler (alias A.R. Penck).

From 1955 to 1960 he studied at the Film University in Potsdam/ Babelsberg. From 1961 on, he became a director at the DEFA studio for news reels and documentaries. In 1965, his first and only feature film was banned. Until 1990 he worked as a director at the DEFA studio for news reels and documentaries. His film "The Wall" (1991) won the "Felix", the European film prize for the best European documentary. In 1992 he was awarded the Bundesfilmpreis for his lifetime achievement. After the fall of the Berlin wall he announced to dedicate himself from now on exclusively to painting. Since 1994, Böttcher has shot video diaries, some of which he has shared with audiences.

His painting oeuvre has also been repeatedly honoured: The Darmstadt Art Prize (1992) was followed in 1997 by the Art Prize of the City of Dresden and by the Art Award of Sprengel Museum Hanover in 1998. In 2001, Böttcher was awarded the German Federal Cross of Merit.
   
  The Wall [Die Mauer] GDR 1990, D: Jürgen Böttcher, 99 Min, Original version with English subtitles

It is the dismantling of the Berlin Wall as a catharsis from a bad dream. Jürgen Böttcher and Thomas Plenert show – in permanently changing perspectives – spontaneous observations of what happened in the winter of 1989/90 along the wall after its spectacular fall; “Mauerspechte” (“woodpeckers” that dig pieces of the wall as keepsakes), pedestrians from East to West and back, tourists from around the world, curious kids and former wall guards that now lost their jobs.

Other legacies of the wall are shown; the underworld of former train stations where no train stopped in thirty years. Through projections on the wall we also witness parts of the older history of the place; the emperor Wilhelm riding through the Brandenburg gate, the gathering of the Nazis and the very famous picture of the East German policeman jumping over the recently built wall.Award-winning document of the last days of the Berlin Wall. Common and historic events are presented without any comments, nothing but the strength of the images of painter Jürgen Böttcher, alias Strawalde.

1991: "Felix", the European film prize for the best European documentary


In Georgia [In Georgien] GDR 1987, D: Jürgen Böttcher, 106 Min, Original version with English subtitles

In 1987, two years before the collapse of the GDR, Jürgen Böttcher set off for a distant land to shoot IN GEORGIA. What he encountered 3000 kilometers away from his small East German homeland stood in stark contrast to his previous film about a factory kitchen in Rostock:

There, on the Baltic coast, he filmed in black and white, observing the workers wearily going about their daily chores almost exclusively in closed, steam-filled rooms. In the Caucasus the sky is like a vast canopy and the colours are vibrant. The people who randomly pass in front of the camera seem relaxed and open, daily and cultural celebrations seem to merge, life is a banquet.

(source: Edition Filmmuseum)


The Kitchen [Die Küche] GDR 1987, D: Jürgen Böttcher, 43 Min, Original version with English subtitles

A universally valid picture of women, doing heavy work. The camera follows women performing their daily duties, skilfully manoeuvering the big and heavy pots, smiling in passing - the endless monotony of preparing, cooking and dishing out food.

You can hear the kitchen sounds and noises, feel the heat, smell the kitchen odours, grasp a snatch of words. But not one of the women is introduced, no-one talks into the camera about herself or her work.


Brief Visit To Hermann Glöckner [Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner] GDR 1985, D: Jürgen Böttcher, 32 Min, Original version with English subtitles

This film portraits the artist and model-builder Hermann Gloeckner, who was born in Dresden in 1899. Even at the age of 96 he is still drawing with undiminished creative energy. The artist is filmed at work in his studio. The tension while Gloeckner works is transmitted to the viewer who cannot help but be fascinated.

From visual impression to understanding - a unique catching flair emanates from the 96-year-old artist when the film team meets him in his studio: quiet concentration, enthusiasm while working.

It is the only documentary ever made about this German constructivist artist.



Shunters [Rangierer] GDR 1984, D: Jürgen Böttcher, 22 Min, Original version with English subtitles

Juergen Boettcher allows the viewers a glimpse into the physically-demanding and dangerous precision work of experienced shunting-station workers, who, by day and by night, in all weathers, hook-up, un-hook, slow-down, and bring to a halt the wagons in the largest goods and shunting stations in the former GDR’s Dresden-Friedrichstadt.

The version chosen by the filmmaker stylises the men's dignity, the violence of work, the night's chill, the lamps, the fog and snow, without emptying them of their substance or breath. There is no commentary, and the only words are those uttered by the men at work.

The prize-winning cinéma verité film Shunters screened at The Museum of Modern Art in New York in 2005.

“Impressive images of the dignity of the working man.”
(MoMa catalogue, New York 2005)



Postcards I; Potter's Bull [Verwandlungen, Teil 1: Potters Stier] GDR 1981, D: Jürgen Böttcher, 16 Min, Original version with English subtitles

Studies of Strawalde painting over art postcards: “The Young Bull” by Dutch Painter Paulus Potter.

Böttcher’s multi-part film “Verwandlungen” (Transformations) of 1981, comprising the parts “Potter’s Bull”, “Venus after Giorgione” and “Woman at the virginal” in many ways proved to be unique in the DEFA output. Indeed it was a film that barely seemed possible; the classic exception to the rule. As an official, relatively high-budget production released by the Documentary Film Studio, this somewhat jagged though sensual film remains the only full-length experimental film shot in the GDR with state funding.

In this work, Jürgen Böttcher, finally fuses with his alter-ego, the painter Strawalde.

(source: Edition Filmmuseum)

Postcards II; Venus after Giorgione [Verwandlungen, Teil 2: Venus nach Giorgione] GDR 1981, D: Jürgen Böttcher, 21 Min, Original version with English subtitles

Studies of Strawalde painting over art postcards: “The Sleeping Venus” by Renaissance painter Giorgione from Italia.

Böttcher’s multi-part film “Verwandlungen” (Transformations) of 1981.


Postcards III; Woman at the Clavichord [Verwandlungen, Teil 3: Frau am Klavichord] GDR 1981, D: Jürgen Böttcher, 17 Min, Original version with English subtitles

Studies of Strawalde painting over art postcards: “Interior with a Woman at the Virginals” by Dutch perspective painter Emanuel de Witte.

Böttcher’s multi-part film “Verwandlungen” (Transformations) of 1981.



Martha’s Last Day At Work [Martha] GDR 1978, D: Jürgen Böttcher, 56 Min, Original version with English subtitles

A 68-year old woman’s last day of work sorting out rubble on a building site in Berlin. The long, slow and quiet takes by Jürgen Böttcher show Martha B. at her daily work amid rubble dumps in a wintry landscape, the endlessly running conveyor belt at which she, freezing yet patient, sorts out rubble.

The atmosphere in the site hut is depicted in an unadorned way. After her farewell party she talks about her life, bomb-shattered Berlin, the children and her work as a "rubble woman" after the war.


1000 years Weimar [Ein Weimarfilm] GDR 1976, D: Jürgen Böttcher, 69 Min, Original version with English subtitles

On the occasion of the 1000th anniversary of the town, Jürgen Böttcher was assigned to portray the aesthetic capital of old and its changeful history from the Mecca of Classicism, the Buchenwald concentration camp to the present.

Böttcher leads the way into the city through a forest romantically covered in snow. Squares, spaces initially unknown are deciphered during the film. The director does not only show the romantic side, he presents celebrated public characters and their critical views on Weimar. The picture of the town, its artists and the central figure of Johann Wolfgang von Goethe becomes clearer.

Böttcher puts sequences together and creates a dense, emotional atmosphere apart from the intellectual insights. Böttcher’s instructing party, however, demanded changes and in the end the film was never shown on screen.


Grosskochberg - Garden Of Public Landscape [Großkochberg - Garten der öffentlichen Landschaft] GDR 1976, D: Jürgen Böttcher, 16 Min, Original version with English subtitles

Kochberg palace in the village Großkochberg in Thuringia was once owned by the von Stein family, and Goethe was there several times, visiting Charlotte von Stein. On the occasion of the ceremonies for the 1000th anniversary of the city of Weimar, the castle was opened for the public as a memorial for the von Stein family. At the inauguration ceremony, a big concert is held in the gardens of the palace.

Also, we learn more about the relationship between Goethe and Charlotte von Stein, illustrated by their personal letters and pictures they painted.


In the Lohm Valley [Im Lohmgrund] DDR 1976, R: Jürgen Böttcher, 27 Min, Original version with English subtitles

Discovering the secret how art results from daily work. All summer long, sculptors and quarrymen work side by side in the quarry Lohmgrund I. The artists are participants of a symposium of their association, however, they rarely speak about art.

Böttcher shows the everyday motions, the labour of working with stone. The viewers see the making of a sculpture by Peter Makolies, who works next to his friend Hartmut Bonk. The vast dimension of the quarry and the surrounding nature are put in relation to the people who live and work there.



Laundry Women [Wäscherinnen] GDR 1972, D: Jürgen Böttcher, 23 Min, Original version with English subtitles

Truthful and impressing images about the hard work of young women in a laundry.

In this film about apprentices of the Rewatex laundry, Böttcher once again turns to the focal concern of almost all his films the attempt to report as truthfully and impressibly as possible on the life of workers. Böttcher takes the audience into the midst of a seemingly unknown environment only to let them realize how familiar this world in fact is.
(source: Viennale)



A Man of Confidence [Ein Vertrauensmann] GDR 1968, D: Jürgen Böttcher, 19 Min, Original version with English subtitles

„it was Jürgen Böttcher who first put an end to (the) symbolic representation in his ‚production films‘ and turned the representation of working class life on its head, … it is notable that they constantly de-construct a genre that was generally occupied by party politics. … Böttcher’s tenacious observation gains importance. The director felt himself to be a spiritual ally of … ‘Cinéma vérité’ or ‘Direct Cinema’”. (source: Edition Filmmuseum)


The Party Secretary [Der Sekretär] GDR 1967, D: Jürgen Böttcher, 29 Min, Original version with English subtitles

This documentary follows Gerhard Grimmer, the party secretary at a chemical plant in Bruna and the liaison between the plant's management and its employees, as he attempts to improve morale among the workers. Always concerned about the feelings and needs of the mostly-female employees, he is well-liked by them.

Each day is a challenge for Grimmer as he tactfully uses his charming manner and smart appearance to improve the factory's atmosphere and solve various problems.



A Film about the Zoo [Tierparkfilm] GDR 1967, D: Jürgen Böttcher, 18 Min, Original version with English subtitles

The commissioned short film about Berlin’s zoo (Tierpark) subversively tested the censors' tight restrictions.


Barefoot and Without a Hat [Barfuß und ohne Hut] DDR 1964, R: Jürgen Böttcher, 26 Min, Original version with English subtitles

Summertime in Prerow at the Baltic Sea; the spirit of the sixties. There are between eight and ten young and beautiful people, all of them in love, dressed in jeans and casual pullovers. They strum away on their guitars and enjoy beach-life, abandoning themselves to dancing - even in the morning - lazing about for days on end, tussling and fooling around on the sand, letting their minds drift and generally being happy.


Stars GDR 1963, D: Jürgen Böttcher, 20 Min, Original version with English subtitles

Despite their monotonous work cheerful and witty women from a work brigade at a Berlin electric bulb plant.


At the Pergamon Museum [Im Pergamon-Museum] GDR 1962, D: Jürgen Böttcher, 19 Min, Original version with English subtitles

Observations at the Pergamon museum. Among other things the attitude of the picture observers will be confronted with some figures of the Pergamon altar.


Furnace Makers [Ofenbauer] GDR 1962, D: Jürgen Böttcher, 15 Min, Original version with English subtitles

Steel is the magic benchmark, forces strain and sweat into the workers’ faces. A new furnace, 2000 tons, is built where the old one burned down. Böttcher is only marginally interested in technology, his real interest is to portray heavy manual labour.

In impressive images he shows the workers' faces, concentration, exertion and the precision of every flick of wrist. He succeeds in capturing unforgettable portraits.


Three Of Many [Drei von vielen] GDR 1961, D: Jürgen Böttcher, 34 Min, Original version with English subtitles

The director shows three young workers who learn how to paint, draw and make sculptures out of stone. The film generated a storm of mistrust, as there is no leading communist party, and the three individuals live blithely and independently of the official dictates. It becames one of the first DEFA documentary productions that were not allowed to be shown.


Necessary Years of Learning [Notwendige Lehrjahre] GDR 1960, D: Jürgen Böttcher, 18 Min, Original version with English subtitles

Böttcher’s graduation work at the German film academy. “His filmic observations indicated the vision of the master director he was to become” (Edition Filmmuseum).