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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1                
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
 
   
  3.-10. Mai 2017
  Filmpolska 2017
  Frühlingserwachen – filmPOLSKA 2017 feiert zum 12. Mal die Freiheit des Films
  Programm   
  Am Eröffnungsabend des 3. Mai 2017 lüftet zum 12. Mal das größte polnische Filmfestival außerhalb seines Heimatlandes den Vorhang des Kinos Babylon in Berlin: Frei nach dem Festivalmotto „Berlin sieht Polnisch“ zeigt filmPOLSKA 2017 bis zum 10. Mai, wie die Filmemacherinnen und Filmemacher Polens das Leben, die Gesellschaft und die Welt beschreiben. Bereits etablierte Größen ebenso wie noch aufsteigende Sterne der polnischen Filmszene liefern den Festivalbesucherinnen und -besuchern ihr eindrucksvolles Bild davon, was das zeitgenössische polnische Kino an Filmkunst zu bieten hat.

Mit hochrangigen Filmbeiträgen in seinem ausgewählten Programm, vielfältigen Rahmenveranstaltungen und Workshops hat filmPOLSKA bereits einen festen Platz in der dichten Berliner Festival– und Kulturszene erobern können. International bekannte Namen wie Holland, Kieślowski und Wajda sowie vielfach ausgezeichnete Newcomer Polens wie Pawlikowski, Szumowska und Wasilewski sind renommiertes Aushängeschild für das, was das Polnische Institut Berlin mit filmPOLSKA seit 2006 als Einblick in das künstlerische und politische Spektrum des polnischen Films bietet. Die zahlreichen Auszeichnungen, mit denen die internationale Festivalszene das polnische Filmschaffen ehrt, stehen für die ungebrochene Kraft des polnischen Kinos, neue Perspektiven zu eröffnen und kritischen Aussagen Wege frei zu halten.

Eine große Besonderheit der diesjährigen Edition bildet der erstmalig stattfindende Wettbewerb für junges, progressives Kino. Der Regie-Nachwuchs Polens erhält Gelegenheit, seine Werke dem Publikum und den Kritikerinnen und Kritikern zu präsentieren und frischen Wind in die internationale Filmlandschaft zu bringen.
Außerdem wartet filmPOLSKA mit einer jungen Spielstätte auf: Das im Februar 2017 eröffnete Neuköllner WOLF Kino präsentiert als neues Partnerkino die filmPOLSKA-Wettbewerbsfilme sowie Special Screenings mit Avantgardefilmen.

Auch in diesem Jahr schaut filmPOLSKA 2017 nicht nur mit cinephilem Auge auf das Filmland Polen, sondern bereitet mit zahlreichen Side-Events eine Plattform für den kulturellen Austausch zwischen Filmschaffenden und Kinogängern. Eine Woche lang wird das Festival-Publikum einen Eindruck vom zeitgenössischen polnischen Film vermittelt bekommen und Werke auf großer Leinwand erleben können, die sonst nirgendwo in Deutschland und manchmal nicht einmal im Entstehungsland zu sehen sind.

Das Festival ist eine Produktion des Polnischen Instituts Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verein der polnischen Filmemacher (SFP), unter der Schirmherrschaft des Medienboard Berlin-Brandenburg mit der finanziellen Unterstützung des Polnischen Filminstituts (PISF), des Adam-Mickiewicz-Instituts (IAM) und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit (SdpZ). Spielorte sind: Babylon Berlin, Zeughauskino, Arsenal, FSK, Kino am Bundesplatz, Brotfabrik, ACUD, Kleines Kino (Frankfurt an der Oder), Thalia Potsdam, Club der polnischen Versager, Filmclub K18, WOLF Kino und SOHO Berlin.

Weitere Informationen unter www.filmpolska.de  und www.facebook.com/filmpolska.berlin
 
  Programm
   
  Mi, 3. Mai 2017
  19:30 filmPOLSKA
You Have No Idea How Much I Love You (Du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe)
PL 2016; R/B: Paweł Łoziński, 80 Min, OmU
Gast: Paweł Łozinski
   
  Do, 4. Mai 2017
  19:30 filmPOLSKA  Polnische Nuancen
Close Ties
PL 2016, R: Zofia Kowalewska, 18 Min, OmeU
Red Light
BG 2016, R: Toma Waszarow, 21 Min, OmeU
Kontener
D 2017, R: Sebastian Lang, 30 Min, OmU
Gast: Sebastian Lang

21:30 filmPOLSKA
Tiere
CH/AUT/PL 2017, R: Greg Zgliński mit Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri, 95 Min, dt. OF
   
  Fr, 5. Mai 2017
  19:30 filmPOLSKA
The Happiness of the World (Das Glück der Erde)
PL 2016, R: Michał Rosa mit Karolina Gruszka, Mateusz Lickindorf, Grzegorz Palkowski, 98 Min, OmU
Gast: Michał Rosa

22:00 filmPOLSKA
I, Olga Hepnarova
CZ/SK/PL/FRA 2016, R/B: Tomáš Weinreb, Petr Kazda mit Michalina Olszańska, Martin Pechlát, Klára Melíšková, Marika Šoposká, 100 Min, OmeU
   
  Sa, 6. Mai 2017
  18:00 (Saal 1) filmPOLSKA
Marie Curie
PL/FRA/D 2016, R/B: Marie Noëlle mit Karolina Gruszka, Arieh Worthalter, Charles Berling, Izabela Kuna, 95 Min, OmU

20:00 (Saal 1) filmPOLSKA
Planet Single
PL 2016, R: Mitja Okorn mit Maciej Stuhr, Agnieszka Więdłocha, Piotr Głowacki, Weronika Książkiewicz, Tomasz Karolak, 135 Min, OmeU

19:30 filmPOLSKA
Jarocin. Rock For Freedom
PL 2016, R/B: Marek Gajczak, Leszek Gnoiński mit Walter Chełstwoski, Jurek Owsiak, Tomasz Budzyński, Robert Brylewski, 105 Min, OmU
Gäste: Leszek Gnoiński und Marek Gajczak
   
  So, 7. Mai 2017
  18:00 (Saal 1) filmPOLSKA
Adventurers’ Club
PL 2015, R/B: Tomasz Szafrański mit Bogdan Kalus, Franciszek Dziduch, Jakub Wróblewski, Kamila Bujalska, 94 Min, OmeU

20:00 (Saal 1) filmPOLSKA
The Battle with Satan
PL 2015, R/B: Konrad Szołajski, 48 Min, OmeU
Gast: Konrad Szołajski

20:30 filmPOLSKA
These Daughters of Mine (Meine Töchter, Kühe)
PL 2015, R/B: Kinga Dębska mit Agata Kulesza, Gabriela Muskala, Marian Dziędziel, Marcin Dorociński, 88 Min, OmU
   
  Mo, 8. Mai 2017
  19:30 filmPOLSKA
Filmfestival Cottbus präsentiert: The Last Family
PL 2016, R: Jan P. Matuszyński mit Andrzej Seweryn, Aleksandra Konieczna, Dawid Ogrodnik, Andrzej Chyra, 123 Min, OmU
Gast: Jan P. Matuszyński

22:00 filmPOLSKA
Foreign Body
PL/ITA/RUS 2014, R/B: Krzysztof Zanussi mit Riccardo Leonelli, Agnieszka Grochowska, Agata Buzek, Weronika Rosami, 112 Min, OmeU
   
  Di 9. Mai 2017
  19:30 filmPOLSKA
Forest, 4 am (4 Uhr morgens im Wald)
PL 2016, R/K: Jan Jakub Kolski mit Majchrzak, Olga Bołądź, Maria Blandzi, Michał Kowalski, Aleksandra Michael, 97 Min, OmU

20:00 (Saal 1) filmPOLSKA
Planet Single
PL 2016, R: Mitja Okorn mit Maciej Stuhr, Agnieszka Więdłocha, Piotr Głowacki, Weronika Książkiewicz, Tomasz Karolak, 135 Min, OmeU

22:00 filmPOLSKA
A Heart of Love – Director’s Cut
PL 2017, R: Łukasz Rodunda mit Justyna Wasilewska, Jacek Poniedziałek, Magdalena Cielecka, 78 Min, OmeU
   
  Mo, 10. Mai 2017
  20:00 (Saal 1) filmPOLSKA
These Daughters of Mine (Meine Töchter, Kühe)
PL 2015, R/B: Kinga Dębska mit Agata Kulesza, Gabriela Muskala, Marian Dziędziel, Marcin Dorociński, 88 Min, OmU

19:45 filmPOLSKA
Strange Heaven
PL/SVE 2015, R: Dariusz Gajewski mit Grochowska, Bartłomiej Topa, Barbara Kubiak, Jan Englert, 104, OmeU

21:45 filmPOLSKA
filmPOLSKA präsentiert den Gewinnerfilm des Wettbewerbs 2017
   
   
  Polnische Nuancen
Więzi / Close Ties
R: Zofia Kowalewska, PL 2016, 18 min, OmeU
Zeit der Abrechnung: Wer schuldet wem wie viel? Hier geht es nicht nur um das Haushaltsgeld, die Miete und die Wasserkosten, sondern um die Bilanz einer ganzen Ehe. Mehr als vier Jahrzehnte liegt die Hochzeit von Barbara und Zdzisław zurück, aber er hat einige Jahre lang bei einer jüngeren Frau gelebt und kehrte vor zwei Jahren reumütig wieder zu seiner Frau zurück. Kann man eine solche Episode einfach vergessen?
Zofia Kowalewska (geb. 1991) studiert Regie in Łódź. „Więzi“ ist ihr fünfter Kurzfilm, als letztes erschien der Kurzspielfilm „Nie mów do mnie mamo“ (2016).

Na cherveno / Red Light
R: Toma Waszarow, BG 2016, 21 min, OmeU
Eine kleine bulgarische Ortschaft im 21. Jahrhundert, darin eine Ampelkreuzung. Sie steht auf Rot. Ein Überlandbus bleibt stehen und wartet regelkonform auf grünes Licht – doch das kommt nicht. Die Passagiere werden langsam nervös, aber der Fahrer hält sich strikt an die Verkehrsregeln und weigert sich, weiterzufahren. Der Film skizziert im Brennglas einer pointierten Versuchsanordnung die Genese von Missverständnissen ebenso wie falsch verstandene Regeltreue und Einsamkeit.
Toma Waszarow (geb. 1977) studierte Regie in Bulgarien und arbeitet u.a. als Editor für Spielfilme. Sein Kurzfilm „The Kiss“ (2005) war ein Festival- und YouTube-Hit, „Na cherveno“ ist seine siebente Solo-Arbeit.

Kontener / Container
R: Sebastian Lang, D 2017, 30 min, OmeU
Zwei Frauen arbeiten zusammen auf einem Milchhof in der brandenburgischen Einöde. Für die Dorfbewohner sind sie „die zwei Polinnen“, man hält sie sogar für Schwestern – dabei gehen sich beide weitgehend aus dem Weg. Als der Betriebsleiter verreist, ist eine von ihnen plötzlich spurlos verschwunden. Weiß die andere etwas über ihren Verbleib?
Sebastian Lang (geb. 1985) studierte Theaterregie in Ludwigsburg sowie seit 2014 Filmregie in Potsdam und war als Theaterregisseur und Dozent in verschiedenen deutschen Orten tätig. „Kontener“ ist sein erster mittellanger Spielfilm.
   
   
  You Have No Idea How Much I Love You (Du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe)
PL 2016; R/B: Paweł Łoziński, 80 Min, OmU
Gast: Paweł Łozinski

Mi, 3. Mai 2017 19:30

Maximale Reduktion: ein neutraler Raum, keine Hintergrundgeräusche, keine Kulissen, nur drei Personen. Wir sehen bloß ihre Gesichter. Dem Psychotherapeuten Prof. Bogdan de Barbaro sitzen eine Frau und ihre 25-jährige Tochter gegenüber. Der Vater ist „vom Winde verweht“, die Tochter in eine eigene Wohnung geflohen, die Mutter in ihrer Einsamkeit todunglücklich. In fünf schmerzhaften Sitzungen versuchen sie ihre zerrüttete Beziehung zu kitten und zu ergründen, was solch einen großen Keil zwischen sie treiben konnte. Beide Frauen ringen um Worte und um Fassung, schmerzhafte Pausen entstehen, Tränen fließen.

Łoziński zeigt in seinem neuen Dokumentar-Kammerspiel wie in einem Brennglas die Verwerfungen zwischen Menschen, die sich nahe stehen und doch fremd geworden sind. Weder den Akteuren noch den Zuschauern lässt er Fluchtwege offen, sondern zwingt sie zu schmerzhaften Antworten auf bohrende Fragen, die verstören. Das ist weit mehr als ein bebildertes Hörspiel, denn vieles wird hier nicht mit Worten gesagt, sondern mit Gesten, Mimik und Blicken gezeigt – oder verborgen. Alle diese Signale sind Werkzeuge einer verzweifelten Suche nach einer gemeinsamen Sprache mit offenem Ausgang.

   
   
  Tiere      Do, 4.5. 21:30 filmPOLSKA
CH/AUT/PL 2017, R: Greg Zgliński mit Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri, 95 Min, dt. OF

Ein junges Paar – sie Schriftstellerin, er Koch – zieht für ein halbes Jahr in ein abgelegenes Ferienhaus in den Schweizer Bergen. Es knirscht zwischen den beiden, ihre Beziehung ist erkaltet und ein Hauch von Misstrauen, Eifersucht und dunkler Vorahnung umgibt sie. Ist Andrea, die Nachbarin, für ihn wirklich nur eine gute Bekannte? Sind die Träume seiner Frau nur wirre Hirngespinste? Ist der rot beleuchtete Tunnel, den sie im Hellen befahren und im Dunkeln wieder verlassen, die Einfahrt in eine Parallelwelt? Und warum wirken die Tiere wie Wandelnde zwischen den Welten der Lebenden und der Toten?

Greg Zgliński belässt vieles in der Schwebe, begnügt sich mit Andeutungen und gibt mit seinen sorgfältig inszenierten Bildern immer wieder Rätsel auf. Er lockt die Zuschauer auf falsche Fährten, spielt gekonnt mit Licht- und Schatteneffekten, untergräbt Chronologie und Kausalität, lädt Farben symbolisch auf, lässt Kamera und Tonspur zu Akteuren werden und zitiert immer wieder klassische Motive des Mystery- und Thrillergenres. Nicht nur Fans von Lynch und Hitchcock dürften daran ihre helle (oder besser: düstere) Freude haben.

   
   
  The Happiness of the World (Das Glück der Erde)
PL 2016, R: Michał Rosa mit Karolina Gruszka, Mateusz Lickindorf, Grzegorz Palkowski, 98 Min, OmU
Gast: Michał Rosa

„Familok” – so werden die Mietskasernen aus dem 19. Jahrhundert in Oberschlesien genannt. Ein solches Haus betreten wir und lernen seine Einwohner kennen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Denn wie in einem Brennglas spiegelt sich hier die multikulturelle Bevölkerung dieser Region kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Manche sind Polen, manche Deutsche, manche Juden und einige wissen gar nicht so genau, wo sie hingehören. Ihr Haus steht in einer leeren Landschaft und damit in einer Welt, die es nicht mehr gibt und nie wieder geben wird – eine wunderschöne Metapher, wie auch das Geschehen im Haus selbst.

Hier lebt jeder seine eigene kleine Tragikomödie, die auch auf die Nachbarn abfärbt. Die hübsche Róża wickelt reihenweise Männer um ihren Finger, will sich aber an keinen binden. Der alte Tomasz ersinnt die absurdesten Tricks, um seine Pflanzen zur Blüte zu bringen. Rufin ist wiederum ein einfacher Arbeiter, aber vielleicht auch ein genialer Mathematiker, und aus dem Mund des jungen Harald kommen plötzlich unbekannte Wörter. Währenddessen schnüffelt ein Warschauer Journalist ausgerechnet in diesem Haus nach einem sagenumwobenen Bestseller-Autor.

In feinfühligen, von Marcin Koszałka virtuos festgehaltenen Szenen, die vom Motion Trio kongenial auf dem Akkordeon begleitet werden, konstruiert Rosa eine Gesellschaftsparabel, die subtil Brüche und Abgründe freilegt, ohne dabei auf Humor und Ironie zu verzichten.

   
   
  I, Olga Hepnarova
CZ/SK/PL/FRA 2016, R/B: Tomáš Weinreb, Petr Kazda mit Michalina Olszańska, Martin Pechlát, Klára Melíšková, Marika Šoposká, 100 Min, OmeU

Prag, 10. Juli 1973: Die junge Kraftfahrerin Olga Hepnarová fährt mit ihrem LKW in eine Gruppe zufälliger Passanten, acht von ihnen sterben. Dann lässt sie sich anstandslos festnehmen und bekennt sich zur Tat. Mehr noch – sie fordert für sich die Todesstrafe. Gleichzeitig erklärt sie aber auch die Gesellschaft für schuldig, die sie durch zahllose Erniedrigungen erst zu dieser Tat gebracht habe. Bereits vorher erklärt sie: „Ich weiß, dass ich eine Psychopathin bin. Aber eines Tages werdet ihr für euer Gelächter und meine Tränen bezahlen.“

In schlanken Schwarz-Weiß-Bildern ohne Musik und schnelle Schnitte erzählen die Regisseure das Davor und Danach, ohne ihre Hauptfigur und ihre Motivation vollständig zu erklären und zu rechtfertigen. Nicht zuletzt dank der brillanten polnischen Hauptdarstellerin Michalina Olszańska setzt sich aus vielen szenischen Mosaiksteinchen das Psychogramm einer unkonventionellen, schweigsamen und gehemmten jungen Frau zusammen, die in ihrer Umgebung stets fremd bleibt, mit ihrer Homosexualität hadert, die Einsamkeit sucht und doch mehr und mehr an ihr zerbricht.

   
   
  Marie Curie
PL/FRA/D 2016, R/B: Marie Noëlle mit Karolina Gruszka, Arieh Worthalter, Charles Berling, Izabela Kuna, 95 Min, OmU

Im Jahr 1903 ist die aus Polen stammende Marie Curie (Geburtsname: Skłodowska) vorerst am Gipfelpunkt ihrer Karriere angelangt: Zusammen mit ihrem Mann Pierre erhält sie den Nobelpreis für Physik. Doch kurz darauf kommt Pierre bei einem Unfall ums Leben und die ambitionierte Wissenschaftlerin steht plötzlich allein mit zwei kleinen Kindern da, obwohl sie in ihrem Leben und vor allem in der Wissenschaft noch viel vorhat. Aber sie zieht sich nicht ins Häusliche zurück, sondern kämpft leidenschaftlich, um allen – vor allem ihren männlichen Fachkollegen – zu beweisen, dass sie nicht nur die Beste unter den forschenden Frauen, sondern unter den Forschern insgesamt ist.

Marie Noëlles chronologisch, in ästhetischen Bildern von Kameramann Michał Englert erzählendes Biopic erzählt nicht das ganze Leben der Wissenschaftlerin (furios: Karolina Gruszka), sondern wählt ein Zeitfenster, das die Verwerfungen der Zeit ebenso wie die biografischen Brüche der Protagonistin in den Vordergrund rückt. Dabei liegt der Fokus ebenso auf ihren Grundlagenforschungen in Physik und Chemie wie auf ihrem Versuch, in einer konservativen Gesellschaft ein selbstbewusstes, emanzipiertes Leben zu führen.

   
   
  Jarocin. Rock for Freedom
PL 2016, R/B: Marek Gajczak, Leszek Gnoiński mit Walter Chełstwoski, Jurek Owsiak, Tomasz Budzyński, Robert Brylewski, 105 Min, OmU

Jarocin war eine Legende und ist es immer noch. Mitten in den von Stillstand, Mangel und Verknöcherung geprägten Achtzigerjahren war das dortige Musikfestival ein Ventil für alle jungen Polen, die anders waren und dachten. Diverse Subkulturen begegneten sich jeden Sommer in einem großpolnischen Provinzstädtchen auf und vor der Bühne: Punk, Metal, Reggae, Blues, New Wave, Experimentalmusik. Viele Besucher von damals bekennen heute, das Festival habe ihr Leben verändert.

Von Anfang an wurden Filme über das Festival, seine Macher und sein Publikum gedreht – auch nach 1989, als das Großereignis nach Gewaltexzessen von der Bildfläche verschwand und 2005 als Retro-Event für die ganze Familie wiederbelebt wurde. Diverse Aufnahmen aus verschiedenen Phasen werden flott hinter- und nebeneinander geschnitten und zeigen, was vom rebellischen Spirit der frühen Jahre übrig geblieben ist. Dazu erinnern sich diejenigen, die vor 30 Jahren in Jarocin zu Stars wurden oder andere zu Stars machten, vor der Kamera und hauchen auf der Bühne ihren alten Songs neues Leben ein. Zu den Zeitzeugen gehört auch Paul Landers, der mit seiner Band Feeling B als einer der wenigen DDR-Bürger ein wenig neidisch die kleine polnische Oase der Freiheit erleben durfte.

   
   
  Planet Single
PL 2016, R: Mitja Okorn mit Maciej Stuhr, Agnieszka Więdłocha, Piotr Głowacki, Weronika Książkiewicz, Tomasz Karolak, 135 Min, OmeU

Ania (Agnieszka Więdłocha) findet einfach nicht den passenden Mann. Jedes ihrer Dates ist ein Desaster. Auch die Dating-App „Planet Single“ spült zuverlässig nur drittklassige Ware an, so dass der zynische Puppenspieler und TV-Moderator Tomek (Maciej Stuhr) auf die Idee kommt, Anias Katastrophengeschichten in seinen Sketchen zu verwursten. Damit landet er einen Hit nach dem anderen. Aber was passiert, wenn plötzlich doch „Mister Right“ auftaucht?

Es gibt unzählige romantische Komödien – und einige Genre-Klassiker wie „Tatsächlich … Liebe“, die über Generationen hinweg anrühren und begeistern. „Planeta Singli“ hat definitiv das Zeug zu einem solchen Klassiker. Er bringt alles mit, was in dem Genre erwartet wird: attraktive Darsteller in psychologisch klar umrissenen Rollen, eine zwischen komisch und tragisch changierende Story, straffe Inszenierung, Lokal- und Zeitkolorit, gefühlvolle Musik, diverse Verwicklungen und Missverständnisse sowie die Liebe als Dreh- und Angelpunkt. Das kombiniert Mitja Okorn so flott und souverän, dass er nicht nur das Publikum an der Kinokasse, sondern auch die Jurys einiger Filmkunstfestivals überzeugte.

   
   
  Adventurers’ Club  PL 2015, R/B: Tomasz Szafrański mit Bogdan Kalus, Franciszek Dziduch, Jakub Wróblewski, Kamila Bujalska, 94 Min, OmeU

Diese Sommerferien werden die beiden pfiffigen Jungs Kornel und Maks aus Gliwice nicht so schnell vergessen: Aus heiterem Himmel taucht der zwielichtige, etwas trottelige Onkel Dionizy bei ihnen auf. Er ist auf der Jagd nach dem sagenumwobenen Schatz von Großvater Hieronim und benötigt ihre Hilfe. Der hypersensible Hypochonder Cyprian muss als Fahrer eingespannt werden und zu allem Übel heftet sich auch noch die resolute Babysitterin Joanna an ihre Fersen – so macht sich der „Club der Abenteurer“ zu fünft auf die Suche. Dummerweise sind aber auch schwer bewaffnete, skrupellose Gauner hinter dem Schatz her.

Damit beginnt ein rasantes Roadmovie mit allem, was dazu gehört – hübschen Landschaften, irren Verfolgungsjagden, permanent wechselnden Verkehrsmitteln, kniffligen Rätseln, verwegenen Schießereien, listigen Tricks, lästigen Polizisten und einem Hauch Romantik. Das alles wird an pittoresken Orten in warmes Sommerlicht getaucht und mit vielen originellen Einfällen, entfesselter Kamera und animierten Sequenzen gewürzt.

Der Film ist dem Autor und Publizisten Edward Niziurski gewidmet, auf dessen gleichnamigem Buch aus dem Jahr 1970 der Film basiert.

K: Michał Grabowski
S: Mateusz Budnik
M: Fred Emory Smith
D: Bogdan Kalus, Franciszek Dziduch, Jakub Wróblewski, Kamila Bujalska, Piotr Janusz, Tomasz Karolak, Wojciech Mecwaldowski u.a.

   
   
  The Battle with Satan
PL 2015, R/B: Konrad Szołajski, 48 Min, OmeU
Gast: Konrad Szołajski

Geistliche murmeln immer wieder Beschwörungsformeln zur Teufelsaustreibung und verabreichen Weihwasser. Jugendliche stehen oder hocken in ihrer Mitte, manche werden festgehalten. Dann reagieren sie heftig – schreien mit kratziger Stimme, schlagen um sich, reißen sich los, fallen in Ohnmacht. Nicht nur in Polen, sondern weltweit steigt die Zahl der Exorzismen wieder an, seit Papst Johannes Paul II. das Ritual offiziell rehabilitierte. Doch auch innerhalb der katholischen Kirche hat diese Praxis nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner.

Konrad Szołajski betrachtet das Phänomen nicht aus der schützenden Distanz, sondern besucht drei junge Frauen, die spüren, dass etwas mit ihnen nicht stimmt – und ältere Menschen, die davon überzeugt sind, dass diese Jugendlichen vom Satan besessen sind und sie ein probates Mittel dagegen haben. Der Regisseur stellt sich dabei nicht auf die Seite einer der Parteien, sondern hört und schaut aufmerksam zu, lässt verschiedene Meinungen zu Wort kommen und bringt uns vor allem jene Verzweifelten nahe, die in einem Exorzismus den letzten Ausweg für sich sehen.

   
   
  These Daughters of Mine (Meine Töchter, Kühe)
PL 2015, R/B: Kinga Dębska mit Agata Kulesza, Gabriela Muskala, Marian Dziędziel, Marcin Dorociński, 88 Min, OmU

Verschiedener könnten die Schwestern Marta und Kasia kaum sein. Marta (Agata Kulesza) ist eine selbstbewusste, gut verdienende Serien-Schauspielerin, abgebrühte Zynikerin und ewiger Single. Die Lehrerin Kasia (Gabriela Muskała) hingegen ist nicht unbedingt überglücklich verheiratet, ein eher schlichtes wie unsicheres Gemüt, lammfromm und dem Alkohol zugeneigt. So weit es möglich ist, gehen sie sich zur Konfliktvermeidung lieber aus dem Weg.

Aber ein tragischer Umstand zwingt die beiden plötzlich dazu, miteinander klar zu kommen und heile Familie zu spielen: Ihre Mutter liegt für längere Zeit im Krankenhaus und sie müssen sich um den starrhalsigen Vater kümmern. Die folgenden unvermeidlichen Kollisionen der zwangsvereinten Dickköpfe sind so traurig, komisch, verzweifelt und aufbauend wie das Leben selbst.

Kinga Dębska gelang mit ihrer Tragikomödie nicht nur der Spagat zwischen Genres, sondern auch ein Film, der sowohl Kritiker begeisterte als auch das Publikum jeden Alters scharenweise in die Kinos zog. Trotz aller dramaturgischen Zuspitzung ist ihr Stoff nämlich mitten aus dem Leben gegriffen und die Akteure sind, dank grandioser Schauspielleistungen, Identifikationsfiguren, in denen jeder Zuschauer ein Stück von sich wiedererkennen kann.

   
   
  Filmfestival Cottbus präsentiert: The Last Family
PL 2016, R: Jan P. Matuszyński mit Andrzej Seweryn, Aleksandra Konieczna, Dawid Ogrodnik, Andrzej Chyra, 123 Min, OmU
Gast: Jan P. Matuszyński
   
   
  Foreign Body
PL/ITA/RUS 2014, R/B: Krzysztof Zanussi mit Riccardo Leonelli, Agnieszka Grochowska, Agata Buzek, Weronika Rosami, 112 Min, OmeU

Sommer, Sonne, Sandstrand, ein verliebtes Pärchen wälzt sich ausgelassen in den Dünen. Angelo ist Italiener, Kasia ist Polin. Aber ihre scheinbar sorglose Idylle ist in Gefahr, denn Kasia wird Angelo bald verlassen – und ins Kloster gehen. Er wird daraufhin einen Job in Warschau annehmen, um in ihrer Nähe zu sein und sie vielleicht doch noch umzustimmen.

Aber im Großunternehmen gelten andere Regeln als im Gebetskreis – die zynische, knallharte Chefin fordert absoluten Gehorsam und betrachtet ihre Mitarbeiter als Marionetten, mit denen sie gerne spielt. Regeln sind für sie dafür da, gebrochen zu werden. Angelo ist zwar schlagfertig und eloquent – aber kann er sich auf Dauer ihren Manipulationen entziehen? Ist sein Glauben stärker als die weltlichen Verlockungen?

Kino-Altmeister Zanussi arrangiert kunstvoll fotografierte und ausgeleuchtete Szenen, die eine alltägliche Geschichte erzählen und dabei stets eine philosophische Metaebene in sich tragen. Er verhandelt moralische wie religiöse Grundwerte – Treue, Aufrichtigkeit, Loyalität, Empathie – und erlaubt sich dabei auch Ungewöhnliches wie z.B. die grandiose Agnieszka Grochowska in der ungewohnten Rolle einer Domina.

   
   
  Forest, 4 am (4 Uhr morgens im Wald)
PL 2016, R/K: Jan Jakub Kolski mit Majchrzak, Olga Bołądź, Maria Blandzi, Michał Kowalski, Aleksandra Michael, 97 Min, OmU

Der knorrige Forst ist so zackig wie sein Name – er will nicht beliebt sein, sondern sein Leben in vollen Zügen genießen. Sein schnelles Auto ist ihm wichtiger als Freunde, sein Lebensweg verläuft auf der Überholspur – bis zur Vollbremsung.

Von heute auf morgen schmeißt Forst unvermittelt alles hin, lässt Job, Wohnung und Besitz zurück und lebt fortan unter primitivsten Bedingungen als Eremit im Wald. Sein einziger Begleiter ist ein dreibeiniger Hund. Aber der Wald ist keine Wüste, er lebt – er bietet Schönheit und Grausamkeit und vor allem kommen immer wieder Besucher. So wie die Prostituierte Nata, die seine harte Schale zu knacken versucht, und das Mädchen Jadzia, das sich ihm an die Fersen heftet und Stück für Stück ein Geheimnis aus Forsts Vergangenheit enthüllt, das sein Verhalten erklären könnte.

Kolski ist mit Filmen bekannt geworden, die wie aus Zeit und Raum gefallen irgendwo in der Provinz mit wenigen Figuren existenzielle Fragen behandeln. Auch hier läuft er wieder zu großer Form auf, wenn er im Schoß der Natur mit sparsamen Mitteln – der Film ist eine Low-Budget-Autorenproduktion – sein kleines Ensemble, allen voran Krzysztof Majchrzak als Forst, zu Höchstleistungen treibt.

   
   
  A Heart of Love – Director’s Cut
PL 2017, R: Łukasz Rodunda mit Justyna Wasilewska, Jacek Poniedziałek, Magdalena Cielecka, 78 Min, OmeU

Wojciech ist ein etablierter Soundtüftler, Performance-Künstler und Zeitlupen-Rapper. Zuzanna ist Grafikerin und Autorin am Anfang ihrer Karriere, deren Roman niemand veröffentlichen will. Auf den ersten Blick sind sie schwer auseinanderzuhalten, denn beide haben keine Haare und ähneln sich in Kleidung und Performance. Auch eine klare Trennung zwischen Kunst und Leben scheint es für sie nicht zu geben. In Stil und Auftreten wirken sie hermetisch und künstlich, jede Bewegung ist eine Inszenierung, ihre Pendants in einer Computer-Simulation wirken nicht viel weniger echt. Aber auch Künstler haben einen Alltag, Paare ihre Reibungsflächen, Beziehungen ihre Hochs und Tiefs und der Übergang von Inspiration zu Ideendiebstahl ist fließend.

Keine Angst: So kitschig der Titel klingt, so unkonventionell erzählt der Film eine Geschichte, die eigentlich so alt wie die Menschheit ist und im Kino immer wieder neu interpretiert wird. Diese Variante entwickelt trotz formaler Kühle mit zunehmender Dauer eine Wärme, die trotz aller Sperrigkeit das Prädikat "Liebesfilm" zulässt. Dazu ist er gespickt mit originellen Szenen und einer Soundspur, die kongenial die Bilder ergänzt und ihnen eine weitere Bedeutungsebene verleiht.

   
   
  Strange Heaven
PL/SVE 2015, R: Dariusz Gajewski mit Grochowska, Bartłomiej Topa, Barbara Kubiak, Jan Englert, 104, OmeU

Die junge polnische Emigrantenfamilie hat in Nordschweden nicht wirklich Wurzeln geschlagen, aber immerhin arbeitet der Vater als Fußballtrainer, die Mutter verdient zu Hause mit Massagen etwas dazu und die Tochter Ula hat nicht nur ihr eigenes Kinderzimmer in der Plattenbau-Wohnung, sondern ein kleines Boot. Sie spricht sogar schon fließend Schwedisch, die Erwachsenen fremdeln hingegen immer noch mit der weitgehend unbekannten skandinavischen Umgebung.

Dass Ula in der Schule durch mangelnde Aufmerksamkeit auffällt, beunruhigt ihre Eltern nicht weiter – schließlich leidet sie noch immer darunter, dass sie ihre Großeltern in Polen seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Das strenge Jugendamt ist hingegen skeptisch – wächst das Kind wirklich in einem harmonischen Umfeld auf? Wird regelmäßig die Miete gezahlt? Wird Ula vielleicht geschlagen? Es beginnen Gespräche, Untersuchungen und Verdächtigungen. Das Aufeinandertreffen zweier Kulturen provoziert dabei immer wieder Missverständnisse, die letztendlich in einer Katastrophe münden.