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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1  
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
   
  präsentiert
 

04.-13.12.2017   „Wallraff: Wanted“ a-LIVE  //  06.12. Ahmad Mansour

  Eröffnung            Programm              Günther-Wallraff-Filme                    Pressekontakt
 

International berühmt, gefeiert, gehasst, mehrfach angeklagt – Günter Wallraff, 75 Jahre alt, ist eine schillernde Marke.

Für seine Undercover-Reportagen hat er sich selbst vielfältige, falsche Identitäten gegeben und ist in Reaktion auf seine Entlarvungen wiederum mit weiteren, widersprüchlichen Zuschreibungen versehen worden.

Nun steht Günter Wallraff mit all seinen Widerhaken vom 4. bis 13. Dezember im Zentrum der Babylon Filmreihe „Wallraff: Wanted“, die seine Filme aus den 1970er bis in die Jetzt-Zeit zeigt.

Nicht nur seine Reportagen aus der Bundesrepublik sind zu sehen, sondern auch zwei DDR-Produktionen – ein Kinodokumentarfilm sowie ein TV-Spielfilm mit Wallraff-Interviewpassagen.

Die Filmreihe gewährt einen ungeschminkten Einblick in Arbeitswelten und Realitäten bundesdeutscher, jüngster Geschichte und Gegenwart und viel Stoff zu Diskussionen.

Folgende Filme von, mit und über Günter Wallraff sind u.a. zu sehen: "Steckbrief eines Unerwünschten", „Informationen aus dem Hinterland“ (der BILD-Film), „Ganz Unten“, "Alias Günter Wallraff", „Schwarz auf Weiß“, "Günter Wallraff deckt auf: Paketsklaven" und "Unter Null“.

Deshalb gibt es zum Auftakt der Reihe am 4. Dezember um 18 Uhr die Podiumsdiskussion „Mut zur Wirklichkeit“, ausgerichtet von der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) und der AG DOK über die aktuelle, gesellschaftliche Rolle des dokumentarischen Fernsehens.

Diskussionsteilnehmer sind neben Günther Wallraff, Johannes Unger (RBB Leiter der Abteilung Dokumentation und Zeitgeschehen), Malte Krückels (Staatssekretär für Medien des Freistaates Thüringen), Dietmar Post (Dokumentarfilmregisseur und Produzent) und Ulrich Teusch (Politikwissenschaftler, Sachbuchautor „Lückenpresse“). Es moderiert Thorolf Lipp (Vorstand AG DOK).

Am 4. Dezember um 20 Uhr steht die Person Wallraff im Zentrum – Günter Wallraff im Gespräch mit Knut Elstermann und in einem filmischen Portrait. Im Anschluss signiert Wallraff seine Bücher.

Innerhalb dieser Dokumentarfilmwoche im Babylon präsentiert die Deutsche Akademie für Fernsehen am 6. Dezember um 19.30 Uhr den von ihr zum besten Dokumentarfilm 2017 gekürten „Glaubenskrieger“ (Regie Till Schauder, Produzent Christoph Menardi). Im Zentrum steht der irakischstämmige Hassan Geuad, der mit öffentlichen, inszenierten Hinrichtungen ein starkes Zeichen als Muslim gegen den IS-Terror setzen will. Ein Dokumentarfilm, der emotional aufrüttelt und Grenzen überschreitet. In der anschließenden Diskussionsrunde sind zu Gast: Ahmad Mansour (bekannter, israelischer Psychologe und Autor), Hassan Geuad (Filmprotagonist und Gründer von "12th MemoRise") und Christoph Menardi (Produzent NEOS).

Günther Wallraffs filmische Auszeichnungen:
- British Academy of Film and Television Arts (BAFTA Award) für den Film „Ganz unten“, 1987
- Französischer Medienpreis Prix Jean d’Arcy für den Film „Ganz unten“, 1987
- Auszeichnung als beste investigative Reportage beim New York Festival für den Film „Schwarz auf Weiß“, 2011
- Deutscher Fernsehpreis für Undercover-Reportagen des "Team Wallraff", 2014
- Deutscher Fernsehpreis für das Lebenswerk, 2016
 

   
  Gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg.
   
 

Mo, 4. Dezember 2017, ab 18 Uhr / Einlass 17:30 Uhr

 

18:00 Eintritt frei  „Mut zur Wirklichkeit“ Panel zur Situation des Dokumentarfilms im deutschen Fernsehen       TICKETS-ONLINE

Moderation: Thorolf Lipp, Vorstand AG Dok / Mitglied Deutsche Akademie für Fernsehen

Podiumsteilnehmer:
Günter Wallraff, Journalist und Schriftsteller
Johannes Unger, Leiter der Abteilung Dokumentation und Zeitgeschehen, RBB
Malte Krückels, Staatssekretär für Medien des Freistaates Thüringen
Dietmar Post, Dokumentarfilmregisseur und Produzent (AG DOK)
Prof. Dr. Ulrich Teusch, Politikwissenschaftler, Sachbuchautor („Lückenpresse“)

19:30  Get Together


20:00  Günter Wallraff Live  Die Undercover-Reporter- und Dokumentarfilmlegende im Gespräch mit Knut Elstermann, Radio Eins - Zur Einführung läuft vor dem Gespräch ein filmisches Porträt über Günter Wallraff

Eintritt12,-€    TICKETS-ONLINE
75 Jahre Günter Wallraff – Gespräch und Film
Gespräch mit Günter Wallraff, anschl. filmisches Porträt
Die Undercover-Reporter- und Dokumentarfilmlegende im Gespräch mit Knut Elstermann, Radio Eins - Zur Einführung läuft vor dem Gespräch ein filmisches Porträt über Günter Wallraf

(Der Eintritt zu Wallraff Live ist für Mitglieder der Deutschen Akademie für Fernsehen frei (gilt nicht für die Filmreihe)

im Anschluss an die Veranstaltung signiert Günter Wallraff (Bücher können an einem Büchertisch vor Ort erworben werden)

   
 

Mittwoch, 06.12.2017 um 19:30 Uhr

 

Werkstattgespräch nach der Vorführung des Filmes "Glaubenskrieger" 

  D 2017, R: Till Schauder mit Hassan Geuad, 90 Min, 

TICKET-ONLINE

anschließend Gespräch mit Ahmad Mansour, Hassan Geuad und Christoph Menardi, über den Film und das hochkontroverse Thema Integration von Muslimen

Werkstattgespräch der DAfF über die Entstehung und Auswirkungen des packenden Dokumentarfilms Glaubenskrieger (Regie Till Schauder, Produzent Christoph Menardi), der von den Mitgliedern der DAfF zum besten Dokumentarfilm 2017 gekürt wurde. Der Film wird zunächst auf der Kinoleinwand vorgeführt, anschließend folgt ein Gespräch mit Ahmad Mansour, dem bekannten israelischen Psychologen und Autor, Hassan Geuad, einem der Hauptakteure des Films und Gründer von "12th MemoRise" und Christoph Menardi, Produzent NEOS Filmproduktion über den Film und das hochkontroverse Thema Integration von Muslimen.

Filminhalt: Der irakischstämmige Hassan Geuad will der Radikalisierung junger Muslime in Deutschland nicht mehr tatenslos zusehen und gründet eine Initiative, die mit drastischen Aktionen gegen den IS auf Facebook und in Fußgängerzonen vor allem ein starkes, öffentliches Bekenntnis von Muslimen gegen den Terror erreichen will. Gespielte „Hinrichtungen“ und ein offener Affront gegen die führenden Köpfe der islamischen Verbände in Deutschland bringen die Gruppe um Hassan selbst in reale Gefahr und auch an ihr Ende.

(Der Eintritt zu den Werkstattgesprächen und Wallraff Live ist für Mitglieder der Deutschen Akademie für Fernsehen frei (gilt nicht für die Filmreihe), Der Eintritt zur Podiumsdiskussion "Mut zur Wirklichkeit" ist für alle Besucher frei.

Regulärer Eintritt:
Montag, 4.12. 20:00h Wallraff Live 12 Euro;
Mittwoch, 6.12. 19:30h Glaubenskrieger 9 Euro,
Babylon Freundeskreis Eintritt in die Filme und Live-Veranstaltungen: 4 Euro

Förderer: Medienboard Berlin-Brandenburg
Medienpartner: Radio Eins, Media.Net Berlin-Brandenburg

   
   
  Programm
  MO 04.12.2017
18:00 AG Dok & Deutsche Akademie für Fernsehen präsentieren: Mut zur Wirklichkeit: Panel zum Dokumentarfilm im deutschen TV mit Thorolf Lipp, Günter Wallraff, Malte Krückels, Dietmar Post, Eintritt frei
20:00 radio eins präsentiert: Gespräch mit Günter Wallraff, anschl. filmisches Porträt. Es moderiert Kino-King Knut Elstermann.

DI 05.12.2017
20:15 Ganz unten, BRD 1985, R: Jörg Gförer mit Günter Wallraff, 100 Min
22:15 Schwarz auf Weiß, D 2009, R: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, 85 Min mit Günter Wallraff

MI 06.12.2017
19:30 Deutsche Akademie für Fernsehen präsentiert: Glaubenskrieger, D 2017, R: Till Schauder mit Hassan Geuad, 90 Min, anschließend Gespräch mit Ahmad Mansour, Hassan Geuad & Till Schauder, über das Thema Integration von Muslimen
21:30 Ganz unten, BRD 1985, R: Jörg Gförer mit Günter Wallraff, 100 Min

Do 7.12.2017
17:30 Steckbrief eines Unerwünschten, DDR, 1975, R: Joachim Kunert mit Jürgen Reuter, Horst Schulze, Helga Göring, 95 Min
19:30 Günther Wallraff deckt auf: Paketsklaven, D 2012 von und mit Günter Wallraff & Team Wallraff: Burgerking, D2014, insges. 95 Min
21:30 Team Wallraff – Episoden: Ali 2.0, Jobcenter, D2014 insges. 106 Min

FR 8.12.2017
17:30 Steckbrief eines Unerwünschten, DDR, 1975, R: Joachim Kunert mit Jürgen Reuter, Horst Schulze, Helga Göring, Otto Mellies, 95 Min
18:00 Informationen aus dem Hinterland, D 1977, R.: Jörg Gfrörer 32 Min., Alias Günter Wallraff DDR 1987, R: Roland Steiner, 29 Min; Straßenmusikanten, D1965 30 Min
21:30 Ganz unten, BRD 1985, R: Jörg Gförer mit Günter Wallraff, 100 Min

SA 9.12.2017
20:00 Schwarz auf Weiß, D 2009, R: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, 85 Min mit Günter Wallraff
21:45 Günter Wallraff Undercover: Wo Arbeit weh tut, Bei Anruf Abzocke und Unter Null, Reportagen aus der schönen neuen Welt, D 2009, R: Pagonis Pagonakis, 117 Min
21:45 Team Wallraff – Pflege, D2017 80 Min

SO 10.12.2017
19:45 Steckbrief eines Unerwünschten, DDR 1975, R: Joachim Kunert mit Jürgen Reuter, Horst Schulze, Helga Göring, Otto Mellies, 95 Min

MO 11.12.2017
18:15 Schwarz auf Weiß, D 2009, R: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, 85 Min mit Günter Wallraff
18:15 Team Wallraff – Krankenhäuser, D 2016 77 Min
20:00 Ganz unten, 1985, R: Jörg Gförer mit Günter Wallraff, 100 Min
22:00 Informationen aus dem Hinterland, D 1977, R.: Jörg Gfrörer 32 Min., Alias Günter Wallraff DDR 1987, R: Roland Steiner, 29 Min; Straßenmusikanten, D1965 30 Min

DI 12.12.2017
17:30 Günther Wallraff deckt auf: Paketsklaven, D, 2012 von und mit Günter Wallraff & Team Wallraff: Burgerking, D 2014, insges. 95 Min
21:30 Schwarz auf Weiß, D 2009, R: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, 85 Min mit Günter Wallraff
21:30 Team Wallraff – Episoden: Ali 2.0, Jobcenter, 2014, 106 Min

MI 13.12.2017
17:45 Team Wallraff – Pflege, 2017, 80 Min
19:30 Ganz unten, 1985, R: Jörg Gförer mit Günter Wallraff, 100 Min
21:30 Team Wallraff – Krankenhäuser, 2016, 77 Min

   
 

Günther-Wallraff-Filme

  Steckbrief eines Unerwünschten DDR 1975, R: Joachim Kunert mit Jürgen Reuter, Horst Schulze, Helga Göring, Otto Mellies, 95 Min

Günter Wallraff (Jürgen Reuter), alias Ivo Wrede, alias Hans Müller, alias Friedrich-Wilhelm Gies, verdingt sich als Laienmönch im Kloster des erbschleichenden Paters Emmeran (Horst Schulze), als Transportarbeiter im streng reglementierten Melitta-Konzern in Minden, als Bote im Versicherungs- und Bankimperium Gerling in Köln.

Mit verändertem Aussehen und fremder Identität begab sich der bundesdeutsche Enthüllungs-Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff in verschiedene Arbeits- und Lebensbereiche in der Bundesrepublik, um auf diverse Missstände in Unternehmen und Behörden der Wohlstandgesellschaft aufmerksam zu machen.

Schon zu Mitte der 1970er Jahre war er als Undercover-Berichterstatter einer breiten Öffentlichkeit bekannt, nachdem er menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und dubiose Geisteshaltungen in unterschiedlichen Bereichen erkundet und der Öffentlichkeit kundgetan hatte. Über seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen hatte er mehrere Bücher verfasst. Doch es gelang ihm nicht, in Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Bundesrepublik einen Sendeplatz zu erhalten.

So nutzte Wallraff das Angebot des DDR-Fernsehens, einen Film über ihn und seine speziellen Methoden des Journalismus zu drehen. Drei seiner Enthüllungsgeschichten wurden 1975 durch den DEFA- und Fernsehregisseur Joachim Kunert in Szene gesetzt. Das waren: “Fürstmönch Emmeram und sein Knecht W.”, “Der Melitta-Report” und “Mahlzeit, Herr Direktor”. Es entstanden drei Kurzfilme, unterbrochen durch Interview-Passagen mit Wallraff, in denen er unter anderem erläuterte, unter welchen Gegebenheiten seine Reportagen entstanden waren.
   
   
  Ganz unten BRD 1986, R: Jörg Gförer, 106 Min

Im Mittelpunkt dieses Dokumentarfilms stehen die Erfahrungen eines (scheinbar) türkischen Gastarbeiters, der unter menschenunwürdigen und gesundheitsgefährdenten Bedingungen zu einem Hungerlohn im Ruhrgebiet seine Brötchen verdiente.

Tatsächlich handelte es sich bei diesem Mann um den Reporter und Autoren Günter Wallraff, der hinter der Maske des Ausländers die Arbeits- und Lebensumstände mancher Menschen, die in der Realität in ähnlichen Situationen stecken, aufdeckte.

Der Film besteht zum Teil aus Aufnahmen, die Wallraff mit versteckter Kamera gemacht hat, und Interviews mit Betroffenen. Wallraffs Buch gleichen Titels landete Mitte der 80er ganz oben in den Bestsellerlisten.

 
   
   
  Alias Günter Wallraff DDR 1987, R: Roland Steiner, 29 Min

Ein Portrait von Günter Wallraff, dem Mann, der sich unter einem Decknamen in die Bild-Redaktion einschlich, als falscher Mönch eine kriminelle Sekte demaskierte und in der Rolle als Türke Ali Levent die unmenschliche Ausbeutung von Billigarbeitskräften entlarvte. Wallfraff kommt selbst zu Wort, beschreibt Motive und Hintergründe seines Berufs, der ihm Berufung ist. Als Schriftsteller will er seine Bücher nicht am Schreibtisch erfinden, sondern sich ins reale Leben stürzen und die Bedingungen kleiner Leute zeigen.

Regisseur Roland Steiner sieht seine Wallraff-Dokumentation als Teil einer losen Trilogie, zu der er "Heinrich Hannover, Rechtsanwalt“ und "Die ganze Welt soll bleiben. Erich Fried. Ein Porträt“ rechnet. Alle gehören zu dem Thema "Widerstand gegen die Entfremdung“.
   
   
  Unter Null, D 2009, R.: Günter Wallraff und Pagonis Pagonakis, 44 Min.

Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit rücken sie ins Bewusstsein von Politik und Medien: die Clochards, Penner oder - korrekt im Amtsdeutsch - die Wohnsitzlosen. Für die Dokumentation "Unter Null hat sich Günter Wallraff im Winter 2008/2009 in diese den meisten Deutschen weitgehend unbekannte oder von Klischees überfrachtete Welt begeben. In der Rolle des Obdachlosen Wolfgang war er auf Straßen, unter Brücken, in Obdachlosenasylen und Not-übernachtungsstätten unterwegs.

Mit einer versteckten Kamera macht Wallraff diese Parallelwelt sichtbar und stellt fest: Die große Mehrheit der Notunterkünfte und Schlafstellen bietet nicht annähernd Privatsphäre, Intimität, Individualität und damit grundlegende Voraussetzungen von Würde. Wallraff fügt sich in die Rolle eines Obdachlosen und übernachtet auch im Freien. Die kälteste Nacht des Winters bei minus 12 Grad verbringt er hinter dem Kölner Hauptbahnhof mit einer Gruppe von Wohnungslosen. "Platte machen" nennt man das im Jargon der Straße. Einer von ihnen, Ciriaco G., stirbt wenige Tage danach in einer weiteren Kältenacht unerwartet mit nur 42 Jahren.

Wallraff erfährt von den Obdachlosen ganz persönliche Dinge. Der aidskranke Mario erzählt ihm Heiligabend seine Lebensgeschichte. Oder Helmut: Er wurde von seinem Sohn Micha getrennt, als dieser noch ein Kind war. Jahre später trafen die beiden sich zufällig auf der Straße wieder, obdachlos. Jetzt sind sie Freunde und unzertrennlich. Silvester "feiert" Wallraff in einem Containerdorf in Frankfurt: 160 Obdachlose sind in den Containern am Ostpark der Stadt gestrandet. Im Schatten der Bankenwelt erwartet die Wohnsitzlosen nacktes Elend, stinkende und beengte Metallställe. Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe haben etwa 250 000 Menschen in Deutschland keinen festen Wohnsitz. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit höher. Sozialexperten warnen, dass sich die Armut angesichts der Hartz-IV-Gesetze noch weiter ausbreiten könnte, die Zahl der Obdachlosen zunimmt und staatliche Auffangstrukturen überfordert würden.
Wer sind diese Wohnsitzlosen? Welche Biographien und Schicksalsschläge haben sie hinter sich, welche Geschichten haben sie zu erzählen? Wie sind sie "auf der Straße" gelandet und wie bestreiten sie nun ihren Alltag?
Der Film "Unter Null" von Günter Wallraff und Pagonis Pagonakis zeigt eindrucksvoll die Grenzen unserer Gesellschaft, erzählt von Missständen und beschreibt Menschen in täglichen Grenzsituationen.

   
   
  Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß D 2009, R: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, 81 Min

Günter Wallraff unterwegs – Der bekannte Journalist und Buchautor auf einer Reise durch Deutschland. Unerkannt und undercover ermöglicht eine neue Identität dem Film SCHWARZ AUF WEISS dank versteckter Kamera einen kontroversen und entlarvenden Blick hinter die Fassade unserer Gesellschaft. Bilder und Situationen, die polarisieren, aber auch immer eines zeigen: ein ungeschminktes Bild von uns Deutschen.

In 'Schwarz auf Weiß' zieht Wallraff als Kwami Ogonno mit Perücke, Make-Up und versteckter Kamera los. Schnell lernt er, was es heißt, die falsche Hautfarbe zu haben. Er sähe aus wie 'der Heidi Klum ihrer' ist noch eine der charmanteren Bemerkungen. Manchmal wird ihm direkt bedeutet, er sei unerwünscht, manchmal durch die Blume.

"Jede Gesellschaft lässt sich daran messen, wie sie auf Fremde reagiert", sagt Wallraff vor der Begegnung mit dem alltäglichen Rassismus und endet nach einem Jahr mit der Feststellung: "Man wird fast ausschließlich über seine Hautfarbe definiert." - "Zu Gast bei Freunden" hatte man sich in Deutschland mal anders vorgestellt.
 

  Ein Film von Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, Gerhard Schmidt, Günter Wallraff.
   
   
   
  D 2012 & Best of „Team Wallraff deckt auf“ D 2014–2017


Bester Dokumentarfilm 2017: Glaubenskrieger
R: Till Schauder

Der irakischstämmige Hassan Geuad will der Radikalisierung junger Muslime in Deutschland nicht mehr tatenslos zusehen und gründet eine Initiative, die mit drastischen Aktionen gegen den IS auf Facebook und in Fußgängerzonen vor allem ein starkes, öffentliches Bekenntnis von Muslimen gegen den Terror erreichen will. Gespielte „Hinrichtungen“ und ein offener Affront gegen die führenden Köpfe der islamischen Verbände in Deutschland bringen die Gruppe um Hassan selbst in reale Gefahr und auch an ihr Ende.
   
   
  Informationen aus dem Hinterland, D 1977, 32 Min. & Günther Wallraff deckt auf: Paketsklaven 2012 44 Min.

Informationen aus dem Hinterland, D 1977, von und mit Günter Wallraff, 32 Min
Der Mann, der Hans Esser war: Günter Wallraff. 1977 hatte der Journalist Undercover bei der Bild-Zeitung als Reporter gearbeitet. Sein Erfahrungsbericht "Der Aufmacher" wurde ein Knaller. Der Film dagegen, "Informationen aus dem Hinterland" verschwand zunächst im Archiv des WDR. Der Sender hatte rechtliche Bedenken. 2010, 33 Jahre später, hatte der Springer-Verlag versichert, er habe nie vorgehabt gegen den Film vorzugehen. Und deswegen war der Film erst vor 7 Jahren zum ersten Mal zu sehen: Szenen aus einem umstrittenen Zeit-Dokument.
Günter Wallraff: "Ich glaube, wenn ich mich in dem Film wiedersehe, ekel ich mich vor mir selber. Weil ich war in dieser Zeit der Bildreporter Hans Esser."
"Ich glaube, es ist die schwierigste Rolle, die ich überhaupt jemals gemacht habe. Eine Schwerstarbeit, Drecksarbeit in einer Fabrik am Fließband ist dagegen also fast eine Erholung. Weil dieser Schmutz, dem man hier ausgesetzt ist, da hat man keine Distanz, keine Abwehrmechanismen."
Möglichst distanzlos
So wird aus einem harmlosen Termin, eine Frau macht Kampfsport, ein reißerischer Bild-Artikel. Wallraff versucht sich: "Jung. Blond und gefährlich - Angela Hoffman kann mit einem Tritt (...) jeden Räuber oder jeden Rocker auf der Stelle töten." (Bild, 1977)

Vier Monate arbeitet Wallraff undercover bei Bild, führt ein Doppelleben. Zeigt sich nur selten in der Kantine, und wird doch erkannt: "Und ein Journalist, den ich bis dahin nicht gesehen hatte, sprach mich an: Sie sind doch der Günter Wallraff. Ich dachte es ist alles aus und fing mich dann aber gerade noch so und sagte: Ja, da bin ich schon mehrmals mit verwechselt worden, aber der hat doch eine Brille und einen Schnauzbart."

Manchmal schafft Wallraff es, Artikel in seinem Sinne ein wenig zu verändern. Aber vor allem dokumentiert er, wie eine Zeitung Mitarbeiter und Leser manipulieren kann: "Die Macht des Blattes ist unheimlich. Das ist meiner Ansicht nach also eine politische Macht, wie wir sie stärker hier überhaupt nicht haben."
Günter Wallraff hat übrigens damals einen Rechtshilfe-Fonds für Bild-Opfer ins Leben gerufen. Er hilft zum Beispiel bei schweren Fällen von Rufmord und das bis heute.

Günther Wallraff deckt auf: Paketsklaven , D: 2012 von und mit Günter Wallraff 44 Min.
Gescheiterte Existenzen, zerbrochene Ehen, Drangsalierungen, Dumpinglöhne und Fahrer, die in ihren Sprintern übernachten oder unter Schmerzmitteln arbeiten: Die Zustände, die Günter Wallraff für seine RTL-Reportage "Günter Wallraff deckt auf!" in der Paketbranche recherchiert hat, sind alarmierend. Nach wochenlanger Geheimhaltung strahlte der Sender am Mittwochabend die verfilmten Erfahrungen Wallraffs aus, die er als verdeckter Fahrer bei dem Paketdienst GLS gemacht hat.

Einen Umsatz von 1,75 Milliarden Euro erzielte der Logistikkonzern GLS im Jahr 2010. Tendenz steigend. Die Paketbranche boomt. Schuhe, Elektrogeräte, Blumen - es gibt kaum etwas, was nicht über das Internet bestellt werden kann. Für den Kunden ist das praktisch - und billig: Heute im Internet geshoppt, steht morgen schon das Paket vor der Tür. Die Lieferung erfolgt in den meisten Fällen kostenlos. Zwei Milliarden Pakete sind mittlerweile jährlich in Deutschland unterwegs. "212.000 Kunden in ganz Europa vertrauen darauf, dass wir Paketdienstleistung in Bestform liefern", heißt es auf der deutschen Homepage von GLS.

Die Arbeitsbedingungen der Paketboten betitelt Journalist Günter Wallraff in der RTL-Reportage und einer Geschichte im aktuellen "Zeitmagazin" jedoch als "moderne Sklaverei". Das System des Unternehmens GLS, das laut Wallraff-Recherchen neben Hermes und trans-o-flex die härtesten Arbeitsbedingungen bietet, und in Deutschland zu den vier größten Paketlogistikern gehört, sei besonders zwielichtig: Die Paketboten arbeiten nicht direkt für das Logistikunternehmen, das seinen Hauptsitz in Amsterdam hat. GLS beschäftigt Subunternehmer, mit denen die Firma individuell Paketpreise aushandelt. In der Regel liegt der bei durchschnittlich 1,30 Euro pro Paket. Die Risiken lagere das Unternehmen an die Subunternehmer aus: Weder für verloren gegangene Pakete, noch für Verkehrsunfälle oder Verstöße gegen die Arbeitszeitgesetze sei GLS somit verantwortlich.

Der Subunternehmer dagegen trage die Risiken: Ist ein Fahrer krank oder hat er ein Auto zu Schrott gefahren, zahlt der Subunternehmer drauf. Wallraff hat viele Unternehmer kennengelernt, die so in die Insolvenz gerieten, Schulden von über 100.000 Euro anhäuften. Um zu sparen, soll einem "Untergebenen" von GLS geraten worden sein, Leute aus Polen zu engagieren und diese zu fünft im Auto übernachten zu lassen. Das sei schließlich preisgünstiger.

   
   
   
   
  Pressekontakt:
  Barbara Löblein, 030/278 919 19, loeblein@babylonberlin.de
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